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People | 22.11.2019

Nicht von Gestern

Früher führte er eine Damenboutique, dann wurde er als Sänger weltberühmt – wir besuchten Waterloo und seine Andrea in Mörbisch und sprachen mit ihnen über Trennungen, wahre Liebe und Feindseligkeiten.

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HAPPY IN MÖRBISCH. Nach langer Suche fanden Hansi und Andrea Kreuzmayr ihr Traumhaus in Mörbisch. © Barbara Amon

Good old Hollywood is dying ...“, „Baby Blue, do you know that I’m still in love with you ...“, wer kennt diese Liedzeilen nicht? Die Hits von Waterloo (& Robinson) ließen sich noch lange aufzählen. Und wenn man Hansi Kreuzmayr gegenübersitzt, erkennt man sofort das Funkeln in seinen Augen und spürt die Tatsache, dass dieser Mann bereits die Welt gesehen hat. Stets an seiner Seite: seine große Liebe Andrea. Ohne sie geht gar nichts. Sie zieht die Strippen hinter dem Star Waterloo. Und er lässt sie, vergöttert sie und liebt sie. Die beiden sind unzertrennlich, seitdem sie sich vor 20 Jahren begegnet sind.


BURGENLÄNDERIN Wie habt ihr euch kennengelernt?

Andrea: Mein Sohn war in den Ferien als Komparse am Open-Air-Theater in Winzendorf dabei und Hansi hat dort den Winnetou Old Surehand gespielt. Zuerst dachte ich mir beim Zuschauen, so ein Schnösel, stolziert da mit nacktem Oberkörper auf dem Pferd herum. Aber dann habe ich ihn bei einer Backstage-Feier kennengelernt und mich sofort in ihn verliebt.

Warst du da noch in einer Beziehung?

Andrea: Ich war 20 Jahre lang mit dem Vater meines Sohnes verheiratet und war quasi immer „alleine zu zweit“, aber die Beziehung war innerlich schon lange zu Ende, sowohl für mich als auch für ihn. Doch für unseren Sohn war die Trennung damals sehr hart. Er war 17. Das Gute war jedoch, dass er Hansi durch das Theater gekannt und gemocht hat und die beiden sich von Anfang an gut verstanden haben.

Ihr habt beide Kinder – hat Patchwork gleich von Beginn an funktioniert?

Hansi: Mit meinen beiden Ex-Frauen habe ich mich auch nach der Trennung verstanden. Meine vier Kinder und Andreas Sohn waren auch oft bei uns. Wenn man heute heiratet und es passt irgendwann nicht mehr, muss man auch loslassen können. Es tut aber furchtbar weh, auch für den, der verlässt, nicht nur für den Verlassenen.

Andrea: Es war eine spannende Zeit. Ich war 40 und habe plötzlich nicht nur eins, sondern fünf Kinder gehabt. Ich bin ein bisschen perfektionistisch veranlagt, möchte, dass alles zu 100 % passt. Natürlich hat mir das Herz wehgetan, dass ich meinen Sohn nicht mehr so oft gesehen habe wie vorher, und weil ich sah, wie weh ihm die Trennung getan hat. Aber schon kurze Zeit später hat er gesagt, was Besseres hätte ich nicht machen können.


Ihr beide wirkt sehr unterschiedlich und doch so glücklich, was ist euer Geheimnis?

Hansi: Für mich ist es jetzt nach 20 Jahren immer noch schwer, wenn ich von ihr wegfahren muss und sie nicht mitkann. Da fahre ich auch in der Nacht von der Schweiz nach Hause, nur damit ich wieder bei ihr sein kann.

Andrea: Wir sind ein Herz und eine Seele. Er geht mir zwar jeden Tag ein bisschen auf den Geist, wenn er mir alles durcheinanderbringt oder chaotisch ist (lacht), aber ich liebe ihn. Und so verschieden sind wir nicht. Das wirkt vielleicht nur so – im Inneren sind wir gleich, und das ist es auch, was uns zusammenhält.

Was bedeutet für euch wahre Liebe?

Hansi: Die spürst du ganz tief in dir drinnen. Wenn du tief glücklich bist. Ich weiß, es gibt keine bessere Frau als Andrea. Sie hat immer Vorrang. Wenn sie mich braucht, steh ich Tag und Nacht für sie bereit. Das ist wahre Liebe. Schnackseln kann jeder Trottel. Natürlich ist das auch wunderschön, aber wichtig ist, dass du dich total auf diesen Menschen verlassen kannst.

Andrea: Wahre Liebe ist, wenn die Verliebtheit nachlässt und du lernst, die Eigenheiten des anderen zu akzeptieren und zu lieben!

Hat der Altersunterschied von 14 Jahren eine Bedeutung für euch?

Andrea: Nein, das war nie ein Thema. Hansi ist so junggeblieben. In seinem Innersten ist er sowieso noch ein Kind (lacht).

Hansi: Wichtig ist, dass man auf seinen Körper schaut. Der gehört keinem Finanzamt oder keiner Partei, der gehört dir alleine. Ich bin gerne in Bewegung und in der Natur. Andrea und ich unternehmen jeden Tag etwas, sind viel unterwegs und auf Reisen.

 

HEART & SOUL.
Hansi & Andrea: Ein Herz und eine Seele seit 20 Jahren.

 


Ihr seid vor einem Jahr von Oberösterreich ins Burgenland gezogen. Wie kam das?

Andrea: Wir haben uns in Oberösterreich zunehmend unwohler gefühlt. Wir haben dann sehr lange nach einem geeigneten Haus gesucht. Ich wollte schon aufgeben, aber Hansi hat immer gesagt, du wirst sehen, wir finden was. Und eines Tages standen wir dann in Mörbisch vor diesem Haus und es war wie ein wahr gewordener Traum: der Ausblick hier, der weite Horizont, der See – und vor allem die lieben Menschen rund um uns.


Wie geht ihr mit Kritik um, was bedeutet euch die Meinung von anderen?

Hansi: Gegenwind oder nicht konstruktive Kritik prallen an mir komplett ab. Ich verstehe nicht, wie manche Leute einfach nur „gschissn“ sein können. Ich sage dann immer, du bist so ein toller Mensch, wieso bist du so? Wenn du ein Problem hast, dann kann ich dir gerne helfen, es zu lösen. Ich freue mich, wenn ich den Menschen etwas Gutes tun, eine Freude machen kann.

Andrea: Ich nehme mir schon viel zu Herzen. Eigentlich sollte es mir egal sein, mir wurde auch damals viel vorgeworfen, als ich mich von meinem Ex-Mann getrennt habe und mit Hansi zusammengekommen bin. Aber das war mir egal. Ich bin in die Firma gegangen, habe gesagt, ich möchte kündigen, ich ziehe zu Waterloo und baue mit ihm ein Haus. Die haben gedacht, ich bin komplett durchgedreht. Drei Monate später war ich in Oberösterreich. Ich war einfach nur glücklich, den Menschen gefunden zu haben, den ich aus tiefstem Herzen liebe und mit dem ich mein Leben verbringen möchte. Das Geld war mir egal, ich wäre auch mit ihm unter eine Brücke gezogen. Ich habe den Menschen Hansi Kreuzmayr kennengelernt und ich wusste sofort, er ist es. Daher hatte ich auch keine Skrupel, mein Leben über Bord zu werfen und mit ihm neu anzufangen.


Hansi, mit deinen Liedern sprichst du immer wieder auch ernste bzw. gesellschaftspolitische Themen an. Was ist für euch der Sinn des Lebens?

Hansi: Ich habe fünf Kinder und viele liebe Menschen auf der Welt. Mein ganzes Leben lang befasse ich mich schon mit unserem Planeten, der Politik ist das in Wahrheit bis heute egal. Wir essen beide so gut wie kein Fleisch, ansonsten genießen wir das Leben! Keiner von uns ist zufällig auf der Welt, alles hat einen Sinn. Wenn man alles in den Hintern geschoben bekommt, dann verliert man das Bewusstsein für das, was wirklich wichtig ist.

Andrea: Ich möchte, dass wir etwas hinterlassen, das positiv ist. Wovon Menschen noch lange nach uns auch etwas haben. Weil dann leben auch wir darin weiter.


Hansi, du bist nun 74 – wie lange findest du noch Spaß auf der Bühne?

Hansi: (lacht) Es macht mir sicher noch lange Spaß! Ich mache mir keine Gedanken, lasse das Leben kommen. Ich mache den Menschen einfach gerne eine Freude, solange ich kann. Ich fühle mich absolut nicht alt und freue mich auf alles, was noch kommt.

 

 

Chef-Redakeurin Nicole Schlaffer im Gespräch.

 

 

 

Fotos: Barbara Amon, Andrea Kreuzmayr

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Die erste LP von Waterloo & Robinson 1974 – acht Mal Gold und ein Mal Diamant für „My little World“.

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"Ich weiß, es gibt keine bessere Frau als Andrea. Wenn sie mich braucht, stehe ich Tag und Nacht für sie bereit. Das ist wahre Liebe."

Hansi Kreuzmayr alias „Waterloo“

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"Er geht mir zwar jeden Tag ein bisschen auf den Geist, wenn er alles durcheinanderbringt und chaotisch ist, aber ich liebe ihn."

Andrea Kreuzmayr

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KURZBIOGRAFIE

 

Hans Kreuzmayr wurde 1945 in Oberösterreich geboren, wuchs in Linz auf. Er ist gelernter Tischler und Kaufmann und führte in den 1960er- und 1970er-Jahren eine Damenboutique in Linz. Dort lernte er seinen späteren Gesangspartner Sepp Krassnitzer kennen. Mit ihm gründete er das Duo Waterloo & Robinson, das mit „Hollywood“ einen Welthit landete. Seit den 1980er-Jahren ist Waterloo als Solokünstler tätig. 2019 erschien sein 35. Album „Alles Leben dieser Erde“. Hans ist Vater von drei Töchtern und einem Sohn. Andrea Kreuzmayr wurde 1959 in Neunkirchen geboren, ist gelernte Fotografin und arbeitete in Wr. Neustadt in einem Fotogeschäft. 1999 lernte sie Hans Kreuzmayr kennen und baut seither die Marke Waterloo weiter mit ihm auf, kümmert sich um sämtliche grafische und organisatorische Angelegenheiten. Sie ist Mutter eines Sohnes.