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People | 28.11.2019

eat, play, love

Mit Lebensfreude, Ausstrahlung und Tatendrang begegnet einem Bloggerin Meliha Eichinger aus Stegersbach. Und das alles trotz oder gerade wegen einer dicken Portion Selbstreflektion? Ein erfrischendes Interview darüber, wie man das Leben genießt.

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"Wir sind es unseren Töchtern schuldig, ihnen Gleichberechtigung vorzuleben. Emanzipation beginnt bereits in den eigenen vier Wänden.", Meliha Eichinger © Lillytime

Sie unterrichtet seit zehn Jahren als Professorin an der Handelsakademie in Stegersbach, hat eine fünfjährige Tochter und lebt mit ihrem Partner in Stegersbach. Das klingt anders als im Vorspann beschrieben? Es handelt sich jedoch um dieselbe Person. Wir baten Bloggerin und Working Mum Meliha „Lilly“ Eichinger zum Gespräch.

BURGENLÄNDERIN: Was möchtest du mit deinem Blog vermitteln?

Meliha Eichinger: Mein Blog Lillytime.com ist 2013 als meine persönliche Spielwiese entstanden, um mich kreativ auszutoben und Menschen zu inspirieren, zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen. Die Themen für den Blog nehme ich aus meinem Leben. Ein Blog für Genießer nenne ich meine Spielwiese. Denn so stressig, schwer und aussichtslos viele Situationen im Leben erscheinen – eines darf man nicht vergessen: Das Leben ist schön und es gehört gefeiert und genossen.

Was denkst du, ist das größte Problem, warum es vielen Menschen schwerfällt, das Leben zu genießen?

Neben Trumps Präsidentschaft (lacht)? Eines der größten Probleme unserer Zeit ist die Tatsache, dass alle nach dem Glücklichsein streben. Was braucht es, um glücklich zu sein? Karriere, Ehe, ein Haus und Kinder? Das alles möglichst in dieser Reihenfolge. Doch egal, wie sehr wir uns bemühen, dass es im Leben genau nach diesem Plan läuft, wir scheitern. Beziehungen gehen in Brüche, im Beruf geht es nicht immer aufwärts, Kinder kommen nicht auf Knopfdruck und wenn es gerade in unsere Lebensphase passt. Geliebte Menschen werden krank, sie sterben. Und letztendlich sterben auch wir irgendwann. Je mehr wir nun unsere Lebenszeit darauf auslegen, immer glücklich sein zu wollen, desto mehr fällt auf, dass es viele Faktoren gibt, die das Glück trüben.

 

Tochter Emily lernt, das Leben auszukosten.

 

Was bedeutet Glück für dich?

Für mich ist Glück, ein selbstbestimmtes und sinnvolles Leben zu führen. Dinge zu tun, die mich erfüllen, die für mich bedeutungsvoll sind. Das Glück im Alltag zu finden, in den kleinen Dingen des Lebens, ist die Kunst, die viele Menschen nicht beherrschen. Auch schlechte Momente gehören zum Leben dazu. Es geht immer um die Art, wie man diese bewältigt, ob man an diesen Problemen zerbricht und ob man ein Netz an Freunden und Familie hat, die einem auch in schwierigen Lebensphasen helfen. Und gehören nicht alle Gefühle zum Leben dazu? Warum das Leben auf ein Gefühl beschneiden?

Du bist selbst Mutter einer Tochter und berufstätig, wie viele andere Mütter auch. Wie siehst du das Standing, das Working Mums derzeit in der Gesellschaft haben?

Ich finde, dass Frauen nach wie vor eine ungleiche Arbeitsaufteilung vor allem in der Phase der Familiengründung erfahren. Gerade am Land ist die rückschrittliche und altmodische Meinung weit verbreitet: Wird man Mama, ist das Kind die Hauptaufgabe. Kümmert sich der Mann überdurchschnittlich um das Kind, wird er heroisiert. Meine Tochter Emily hat die Krippe bereits mit 13 Monaten besucht. ‚So klein und schon in der Kinderkrippe?!‘ – diesen Satz habe ich ziemlich oft von besorgten Bekannten, aber auch Fremden, die weder mich noch meine Umstände kannten, gehört. Die Ansicht, Kinder gehörten die ersten drei Jahre lang ausschließlich in die Obhut der Mutter, ist leider auch im Jahr 2019 weit verbreitet und den Müttern wird ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn sie früh wieder arbeiten gehen.

 

Meliha „Lilly“ Eichinger mit Emily vor der Rialto-Brücke in Venedig.

 

Wie handhabt ihr die Elternschaft in eurer Familie?

Ich habe das Glück, in einer Partnerschaft zu leben, in der wir das mit den 50/50 geteilten Elternpflichten tatsächlich leben – und das ganz selbstverständlich. Egal, ob es um Haushalt, Jausenbrote, daheimbleiben, wenn Emily krank ist, oder Freizeit geht – als Frau und Mutter fühle ich mich in meiner Partnerschaft in keinerlei Hinsicht benachteiligt. Es ist wichtig, dass Männer in der heutigen Zeit ihre Vaterrolle übernehmen, egal wie sehr sie beruflich eingespannt sind. Denn wir sind es unseren Töchtern schuldig, Gleichberechtigung vorzuleben und die Väter nicht auf die Ernährerrolle zu reduzieren! Ich bin froh, das Emily einen wundervollen Papa hat, dessen Rolle einmal die Auswahl ihres Partners bestimmt positiv prägen wird. Emanzipation beginnt bereits in den eigenen vier Wänden!

Auf deinem Blog stechen das Familienglück, eure Lockerheit und die positiven Vibes förmlich heraus. Wie entstehen diese wundervollen Fotos?

Das müsstest du jetzt meinen Mann fragen. Er ist derjenige, der die Fotos von uns macht und oft dabei verzweifelt (lacht). Viele entstehen zufällig, die meisten jedoch sind viel Arbeit. Da braucht es das richtige Licht und ein gutes Equipment. Bei den Fotos mit Emily ist das Fotografieren schwieriger, da wir Emilys Gesicht nicht zeigen. Am Blog und auf den Social-Media-Kanälen gebe ich relativ viel preis von uns. Natürlich wäre es viel einfacher, das Gesicht zu zeigen. Ich bin mir auch sicher, dass es auch meine Reichweite erhöhen würde. Aber es widerstrebt mir, solange sie es nicht bewusst mitbestimmen kann.

 

In Südtirol bei den Ziegen – mit den Reisen will die Professorin & Bloggerin ihrer Tochter die Schönheit der Welt zeigen.

 

Wie sieht dein Alltag aus?

Ehrlich gesagt fühle ich mich wahnsinnig oft gestresst. Das liegt auch an meinem unverbesserlichen Perfektionismus. Und an meinem schlechten Zeitmanagement. Aber vor allem daran, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Es läuft alles gut, solange keine unerwarteten Sachen passieren. Krankheiten, die beispielsweise von Oktober bis April allgegenwärtig sind und somit nicht nur auf Kosten von Nerven und Zeit gehen, sondern auch des Schlafs. Ich frage mich oft, wie es alleinerziehende Frauen schaffen … Auf dem Weg zum Kindergarten hetzen, dann in die Schule, unterrichten. Nachmittags Lebensmittel einkaufen, kochen, aufräumen. Hausübungen und Tests verbessern. Basteln und Vorlesen. Spieldates. Zum Ballett bringen und abholen. Am einzigen freien Tag Bloggerarbeit erledigen. Arbeit, Bloggen (ist im Endeffekt auch ein Zweitjob), Familie und Haushalt unter einen Hut zu bringen, ist eine Challenge und nur möglich, da mein Mann und ich uns gegenseitig unterstützen.

Work-Life-Balance – für viele nur ein Schlagwort, was genau ist das für dich?

Hört sich wie ein Harmonieversprechen an, ist leider in der Praxis nicht immer umsetzbar. Es gibt Tage und Wochen, wo wir das ganz gut managen. Dann kommen Wochen, wie der letzte September, in denen wir nur funktionieren. Wir Mütter haben zwar die Gabe, unzählige Dinge gleichzeitig machen zu können/müssen. Ich habe aber für mich inzwischen auch gelernt, Prioritäten zu setzen. Seit Emily auf der Welt ist, hatten mein Mann und ich kein einziges Mal eine Date-Night. Von einem Wochenende zu zweit reden wir erst gar nicht. Abgesehen davon, dass wir beide ziemliche Glucken sind, genießen wir einfach die Zeit zu dritt. Kinder werden zu schnell groß und uns ist es wahnsinnig wichtig, sehr viel Zeit als Familie zu verbringen. Obwohl wir unsere Jobs lieben, steht Emily immer an erster Stelle. Wir haben auch das Glück, dass sie wie wir eine Genießerin ist, so machen wir unsere Date-Nights halt zu dritt.

 

Shakshuka: Meliha liebt es, ausgewogen zu kochen und zu essen.

 

Als Bloggerin gibst du auf deiner Seite Lillytime.com viel von dir preis, ist man da nicht auch verletzlich? Wie gehst du mit Kritik um – vor allem, da du ja auch Professorin bist?

Da ich hauptberuflich als Lehrerin arbeite und das Bloggen hobbymäßig betreibe, nehme ich die sozialen Medien nicht zu ernst. Ich zeige zwar viel, rede aber über ganz private Themen wie Partnerschaft etc. gar nicht.

Mit dem Thema Erziehung werden nicht nur Working Mums oft konfrontiert. Deine Meinung dazu?

Ich bin ein Mensch, der oft Selbstreflexion ausübt. Vor allem was meine Mamarolle anbelangt. Wie bin ich als Mama? Welche Ideale möchte ich Emily vermitteln, welche Werte mit auf den Weg geben? Da ich ein Fan der Lind­gren’schen Prinzipien bin, versuche ich sie durch die Mischung aus Geborgenheit und Freiheit auf das Leben vorzubereiten. Denn nur mit dem Gefühl von Rückhalt und dem Urvertrauen kann man mit Mut hinaus in die Welt gehen. Meine Pippi soll die Attribute wild, stark, mutig, unabhängig, selbstbewusst, gerecht, mitfühlend und frei für sich beanspruchen können. Sie soll wissen, dass sie alles kann und nichts muss. Im Gegensatz zu Pippi Langstrumpf soll sie jedoch eine Erziehung genießen.

Wie bist du als Mensch – was erfüllt dich, was schmerzt dich, wie lebst du dein Leben?

Dieses Jahr ist ein sehr emotionales Jahr für mich. Aus vielen verschiedenen Gründen. Ein Grund ist auch ein trauriges Jubiläum. Vor genau zehn Jahren, in unseren 20ern, wurden wir mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Mein Mann hatte einen Monat nach Einzug in unsere erste gemeinsame Wohnung die Diagnose Krebs bekommen. Eine Diagnose zu bekommen, die, wenn die Therapie nicht anschlägt, den Tod bedeuten könnte, führt einen vor Augen, wie kostbar und unberechenbar das Leben ist. Und vor so einem Schicksal ist keiner geschützt. Während sich für andere das Leben weiterdreht, bleibt deines stehen. Du hast das Gefühl, in einem Albtraum zu stecken, aus dem es kein Entkommen gibt. Man muss Ärzten und der Medizin vertrauen und hoffen, dass es einen neuen Tag geben wird. Aber so ist das Leben. Auch schlechte Momente und schwierige Phasen gehören dazu. Vielleicht braucht man sie manchmal auch, um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Was mich diese Phase unseres Lebens gelehrt hat? Das Leben ist zerbrechlich und jeder Tag ist ein Geschenk und kein Recht. Familie ist alles – diese muss keine Blutsverwandtschaft sein. Die kostbare Lebenszeit sollte man nur mit Menschen verbringen, die einem guttun. Pessimisten und Jammerer finde ich ganz schlimm. Du fühlst dich zu dick, magst das Studium, das du ausgesucht hast, nicht, bist mit der Beziehung oder mit dem Job unzufrieden?! Dann ändere etwas! Es gibt im Leben ein Universalgesetz: Was man investiert, bekommt man am Ende auch wieder heraus. 

 

Soulfood: French Toast und Kaffee, perfektes Frühstück für Sonntage im Bett.

 

Kurzbiografie

Sie ist 36 und innerlich noch immer ein Kind, weil sie es wichtig findet, die Welt und das Leben öfter durch Kinderaugen zu sehen. Meliha Eichinger hat auch täglich mit Jugendlichen zu tun: als Professorin an der HAK Stegersbach, an der sie selbst damals maturierte. Ursprünglich stammt sie aus Bosnien, wo sie ihre Kindheit bis zu ihrem 7. Lebensjahr verbrachte. In ihren 20ern studierte sie Kroatisch und Italienisch (in Graz, Mailand und Florenz), frönte ihrer Reiselust und dem Partyleben, erlebte unzählige Abenteuer sowie viele Höhen und Tiefen. Mit 30 bekam sie ihre Tochter und führt seither nebenberuflich ihren Lifestyle- und Genuss-Blog

www.lillytime.com