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People | 23.12.2019

Eine Tausendsasserin ist zurück

Eva Maria Marold räumt in ihrem neuen Programm „Vielseitig desinteressiert“ mit gesellschafts­politischen Themen auf. Mit uns spricht sie ungeniert über ihre Einstellung zum Älterwerden, zum Internet und zur Liebe.

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"Die Gesellschaft ist scheinheilig, predigt Wasser und säuft Wein!", Eva Maria Marold © Vanessa hartmann

Als wir uns vor über 2,5 Jahren zum Interview trafen, waren Sie strikt dagegen, soziale Netzwerke zu verwenden. Nun hab ich vorhin Ihren Facebook-Auftritt gesehen. Haben Sie immer noch eine Aversion gegen Social Media?

Ja, das ist immer noch so. Die FB-Seite befüllt meine Managerin. Ich habe nicht mal ein Smartphone. Ich muss jetzt lernen, wenn ich auf Veranstaltungen bin und es möchte jemand ein Selfie machen, dass ich nicht vergesse, dieser Person die Mailadresse meiner Managerin zu geben und sie bitte, ihr das Foto zu schicken, damit sie es dann posten kann. Aber ich werde das nie verinnerlichen, ich vergesse es viel zu oft. Ich finde den Drang, jede Sekunde seines Lebens für die Öffentlichkeit dokumentieren zu wollen, sehr fragwürdig.


Das Analoge ist also immer noch Ihr Grundprinzip?

Ja. Ich zahle zum Beispiel auch alles in bar. Ich gehe am Anfang des Monats auf die Bank, hebe das Geld ab, das ich im Monat zum Leben brauche, das kann ich ja ungefähr abschätzen, und bewahre das dann zu Hause zwischen meiner Unterwäsche auf (lacht).


Wie halten Sie es bei Ihren Kindern mit der digitalen Welt?

Meine Söhne sind 12 und 16. Die haben beide Smartphones, aber die haben sie nicht von mir. Und ich versuche es zu reglementieren, auch wenn ich es manchmal schon schleifen lasse. Du kannst einen 16-Jährigen heute nicht mehr ohne Smartphone sein lassen, der wird stigmatisiert, ausgelacht. Dieses ständige Googeln verstehe ich auch nicht. Die Leute sind deswegen heute auch nicht gescheiter als vor 20 Jahren.


Sie sind alleinerziehend und haben einen fordernden Beruf. Wie empfinden Sie das?

Anstrengend! Anstrengend! Ich bin ja jetzt auch schon in einem gewissen Alter. Meine Kinder ereilt die Pubertät und mich ereilt der Wechsel. Im Grunde sind wir alle drei in einem hormonellen Ausnahmezustand.


Nehmen Sie dann anstrengende Situationen mit Humor?

Unterschiedlich, das kommt auf meine Tagesverfassung an. Es gibt halt Tage, da tut mir alles weh oder ich habe starke Kopfschmerzen, aber ich sag es halt niemandem. Wem auch? Meine Kinder interessiert das nicht. Die Mama muss einfach funktionieren. Der Tag muss dann über die Runden gebracht werden, so ist das Leben. Ich stelle das alles nicht infrage. Dinge gehören eben gemacht, wenn ich es heute nicht mache, muss ich es morgen machen.


Vergisst man da nicht manchmal auf sich selber?

Ich habe das Glück, dass meine Buben so gut wie jedes Wochenende bei meinen Eltern im Burgenland sind. Da habe ich dann Zeit für mich. Natürlich kann ich dann nicht immer die Seele baumeln lassen, da wird Hausarbeit gemacht und einen Beruf habe ich ja auch noch, der hört am Wochenende nicht auf. Ansonsten schaue ich, dass ich mich ab und zu massieren lasse und mich so oft wie möglich, vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit, in eine Sauna oder Infrarotkabine setze und ein gutes Buch lese, das ist meine „Quality time“.

 

Beim Plaudern im Alois-Drasche-Park in Wien mit Chefredakteurin Nicole Schlaffer.

 


Was ist für Sie der Inbegriff von Glücklichsein?

Wenn ich mit den Kindern bei Tisch sitze, was Gutes esse und wir nett plaudern, dann sagt einer was und wir lachen alle drei darüber. Da geht es mir wirklich gut. Oder wenn ich einen Auftritt habe und die Energie vom Publikum spüre und da so viel zurückkommt. Da gehe ich dann richtig gestärkt nach Hause.


Schauspielerei, Kabarett, Gesang – was ist Ihnen zur Zeit das Liebste?

Das ist wirklich schwer zu beantworten. Es freut mich sehr, dass ich all das machen kann und darf. In letzter Zeit habe ich wieder vermehrt  Auftritte als Sängerin gehabt. Die Leute sind oft total überrascht, wenn ich singe, weil sie mich nur als Kabarettistin kennen, dabei habe ich über viele, viele Jahre in den verschiedensten Musicals mitgewirkt. Das Kabarettistische fließt in den Programmen, in denen ich singe, insofern ein, dass ich zwischen den Liedern etwas rede, Geschichtln, Anekdoten usw., die die Leute zum Lachen bringen, erzähle.


Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem neuen Programm „Vielseitig desinteressiert“?

„Vielseitig desinteressiert“ ist nach „Working Mom“ erst mein zweites Kabarett-Solo. Natürlich werde ich auch singen. Aber jetzt nicht allein um des Singens willen, sondern nur, wenn es auch von der Dramaturgie her passt. In meinem neuen Programm beschäftige ich mich mit dem Älterwerden, mit Kindererziehung und Schule und mit der Digitalisierung und was sie mit uns als Gesellschaft macht. Ich schwelge in Erinnerungen an meine Kindheit und spreche darüber, was mich heute wütend, traurig, ängstlich oder eben desinteressiert werden lässt.


Das Älterwerden fällt Ihnen nicht so leicht, haben Sie damals auch gesagt. Hat Ihnen der 50er letztes Jahr wehgetan?

Naja, ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir das Älterwerden leichtfällt. Aber es ist ja nicht nur schrecklich, nein, es hat auch Nachteile (lacht). Ich will die Dinge nicht schönreden. Meine Leistungsfähigkeit nimmt ab. Ich lerne meine Texte sehr schwer, vergesse sie aber dafür sehr leicht. Ich habe Kreuzweh, Gelenksschmerzen, brauche eine Lesebrille, der Stoffwechsel ist mein Gegner. Um ehrlich zu sein: Ich wäre sehr gerne wieder 30.


Würden Sie dem Alter durch Eingriffe und Operationen Einhalt gebieten?

Nein, niemals. Man kann das alles schon machen, aber man altert ja trotzdem. Und leider sieht man ja jeden Eingriff, jedes Facelifting, jede Botox-Spritze trotzdem. Ich finde diesen Trend, wobei es ja nicht einmal mehr ein Trend ist, es ist schon sehr zur Normalität geworden, sehr bedauernswert. Und kontraproduktiv zu allem, was die Emanzipation und die diversen feministischen Bewegungen hochhalten. Wir Frauen sollen uns so akzeptieren und lieben, wie wir sind, und gleichzeitig sind wir aber nie schön, nie perfekt genug. Das macht mich traurig und auch ein bisschen wütend.


Aber nicht nur bei älteren Frauen besteht der Trend zur Verschönerung, das beginnt doch schon bei Jugendlichen.

Das stimmt leider. Und das macht mich ja so traurig. Offensichtlich leben die Älteren falsche Werte vor. Oder der Druck der Gesellschaft und der sozialen Medien ist so groß auf die jungen Mädchen, dass sich ihr Körperbewusstsein oftmals nur mehr in Extremen manifestiert. Die Menschen haben sich schon immer geschmückt, bemalt usw. Aber für meinen Geschmack läuft heute halt vieles aus dem Ruder. Auch das kommt in meinem neuen Soloprogramm zur Sprache. Wir dürfen nicht Wasser predigen und Wein saufen!


Sie sagen immer, dass man Sie alles fragen darf. Über Ihr Liebesleben liest man in der Öffentlichkeit gar nichts. Ist es so aufregend, dass Sie es der Menschheit nicht zumuten können?

Das oder vielleicht auch das Gegenteil trifft zu: Es ist so langweilig, dass es niemanden interessiert. Aber Spaß beseite, es wird schon einen Grund geben, warum man nichts liest (schmunzelt). Ich gebe nur gerne das von mir her, was mir auch wirklich unter den Fingernägeln brennt, was ich unbedingt loswerden muss. Und Details über mein Liebesleben scheinen das nicht zu sein.


Was hat die Liebe grundsätzlich für einen Stellenwert in Ihrem Leben?

Ich finde das Wort „Liebe“ sehr überstrapaziert. Mit diesem Wort wird so gedankenlos herumgeschleudert. Das wichtigste Wort in meinem Leben ist nicht „Liebe“, sondern „Respekt“. Respekt stelle ich vor die Liebe. Ich beobachte oft Partnerschaften, die reine Zweckgemeinschaften sind oder einfach aus Gewohnheit geführt werden – unter dem Deckmantel der Liebe.


Wie werden Sie Weihnachten verbringen?

Zu Hause im Burgenland bei meinen Eltern mit meinen Kindern. Ganz ruhig und unspektakulär.

Mit ihrem neuen Programm „Vielseitig desinteressiert“ geht Marold ab Mitte Februar 2020 auf Tour.

 Wordrap mit Eva Maria Marold

Wann haben Sie sich zuletzt geschämt?

Unlängst erst habe ich mich bei der Kabarettpreisverleihung fremdgeschämt. Warum, sage ich nicht.

Sex, Drugs oder Rock ’n’ Roll – Sie müssen sich für eines entscheiden.

Rock ’n’ Roll.

Wie würden Sie sich in einer Kontaktanzeige beschreiben?

Um Gottes willen! Ich bin so zufrieden und glücklich mit meinem Leben, dass ich nie eine Kontaktanzeige schalten würde.

Was würden Sie Ihrem 15-jährigen Ich mit auf den Weg geben?

Schmiede Pläne, hab Träume und Visionen, aber kleb nicht daran.
Beschreiben Sie Ihren Tanzstil in zwei Worten. Free Style!

Wann fluchen Sie?

Hauptsächlich beim Autofahren, aber nicht nur.

Eva Maria Marold …

© Moritz Schell

… wurde am 7. Dezember 1968 in Eisenstadt geboren. Am Realgymnasium-Theresianum Eisenstadt absolvierte sie die Reifeprüfung. Es folgte ein Dolmetsch-­Studium für die Sprachen Italienisch und Englisch an der Universität Wien. Von 1990 bis 1993 besuchte sie das Musikkonservatorium der Stadt Wien, wo sie die Diplomprüfung im Fach Musikalisches Unterhaltungstheater ablegte. Seither wirkte sie in zahlreichen Theater- und Musikproduktionen sowie in diversen Fernsehproduktionen mit.


Best of Cabaret 2020 der Kulturzentren Burgenland

  • Eva Maria Marold
  • 19.03.2020
  • KUZ Eisenstadt

Weitere Termine von Gerald Fleischhacker, Alex Kristan, Viktor Gernot, Lainer & Putscher, Magda Leeb, Tricky Niki, Lukas Resetarits, Pizzera & Jaus, Omar Sarsam, Gery Seidl und Andreas Vitasek finden Sie unter: www.kulturbetriebe.at