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People | 11.02.2020

Kompromisslos. Abenteurer

Zuletzt erklomm er die Ama Dablam, einen der schwierigsten Berge. Aber Hans Goger will auch etwas zurückgeben: Er initiierte einen Schulbau im Erdbebengebiet von Nepal.

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Naturerlebnis meets Nervenkitzel. Hans Goger am Gipfel der Ama Dablam (Sanskrit: Mutter und ihre Halskette) im Himalaya. © Hans Goger

Die Berge, die Gipfel sind es nicht allein. Er sitzt auch gerne im Kanu – wie zuletzt in Kanada – oder umrundet zu Fuß den Neusiedler See. „Es ist das Naturerlebnis, das ich so gerne mag“, sagt Hans Goger. Kompromisslos sei er, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Und zuweilen auch egoistisch, sagt er. „Dass meine Beziehungen immer wieder gescheitert sind, das hat viel damit zu tun, dass ich immer gemacht habe, was für mich das Wichtigste ist“, reflektiert er selbstkritisch. Dass er heute „allein“ ist, sei das „Bußgeld“ für seinen bis heute unersättlichen Hunger nach Abenteuern. Gar nicht egoistisch ist hingegen das Herzensprojekt des Wolfauers, das ihm schon lange im Kopf spukte und das er nun mit zwei Gleichgesinnten aus Wolfau realisiert: ein Schulbau in Nepal mit Spendengeldern aus dem Burgenland. Seit 1997 reist Hans Goger immer wieder nach Nepal; das Himalaya-Gebirge zieht ihn magisch an, die Freundlichkeit der Menschen berührt ihn. Das Erdbeben 2015 trifft eine der ärmsten Regionen in einem der ohnehin ärmsten Länder der Welt. Er will handeln, „etwas zurückgeben“. „Wenn sich in einem Land etwas ändern soll, musst du bei den Kindern anfangen. Wissen ist dafür das Wichtigste“, erklärt er. Vor wenigen Jahren übernimmt er die Patenschaft für ein Volksschulkind, finanziert seine Schulausbildung. Als er bei den „Naturfreunden“ von Schulprojekten hört, ist er Feuer und Flamme und beschließt: „Wir bauen eine Burgenland-Schule in Dhawa.“ Neben edlen Spendern aus der Heimat beteiligte sich kürzlich auch die prominente Kollegin Gerlinde Kaltenbrunner. Hans Goger und seine Mitstreiter wollen aber nicht nur die Spenden gewissenhaft verwalten, sondern sind in Organisation und Bau des Projekts involviert und werden laufend über den Fortschritt informiert. „Es war uns aber wichtig, dass es die Menschen vor Ort aufbauen – und dass die Schule so erdbebensicher wie möglich wird.“ Die Baustelle besuchte er erst kürzlich; eine Feier dort war gleichzeitig der krönende Abschluss einer lang geplanten Bergbesteigung: die der Ama Dablam.

Durchgeplant.

„Die Ama Dablam ist einer der schönsten Berge der Welt, aber auch einer der schwierigsten. Man braucht Erfahrung“, sagt er. Teilweise senkrechte Felswände machen die Besteigung zur extremen Herausforderung; „ein falscher Schritt und du bist weg“. Dementsprechend akribisch war die Vorbereitung. Mehr als zwei Wochen und drei Aufstiege auf über 5.300 Meter nutzten er und seine Kameraden, um sich zu akklimatisieren. Schon im Vorfeld hatte sich der Südburgenländer, der im Brotberuf Heilmasseur ist, im „Snowroom“ in der Avita Bad Tatzmannsdorf einquartiert. Wo Thermengäste wenige Minuten verbringen dürfen, machte er es sich für eine Nacht „gemütlich“. „Ohne einen guten Schlafsack und ein gutes Zelt überlebst du das nicht.“ Die Schneesauna wird konstant auf 5 bis 11 Grad Minus gekühlt. All das trug zum Erfolg bei: Hans Goger, Florian Bruckner aus Pilgersdorf und Roland Graf aus Rauchwart gelang die erste Burgenländische Expedition auf die Ama Dablam (6.814 Meter).

 

@home. Hans Goger in Wolfau

 

Anfängerglück.

Mehrere 6.000er, 7.000er und 8.000er bestieg der Alpinist bis heute; zum Hauptberuf wollte er seine Passion nie werden lassen. Zu groß ist da seiner Meinung nach die Gefahr, auf der Jagd nach Rekorden und Spektakulärem unbesonnen zu handeln. „Ich trage zwar diesen ,Dir-passiert-nichts-Gedanken‘ in mir, aber eine gewisse Angst und Vorsicht sind wichtig für einen Bergsteiger. Da ist immer ein Risiko“, sagt Hans Goger. Er war gerade einmal 27, als ihn der Berg das erste Mal rief. Ein Freund war im letzten Moment abgesprungen, also reiste er allein nach Ecuador, um dort – zwar sportlich fit, aber auf dem Metier unerfahren – einen 6.000er zu stürmen. „Ich trug Jeans und hatte kaum eine gescheite Ausrüstung mit. Danach wurde mir bewusst, wie viel Glück ich hatte, und ich wusste, ich muss sehr viel dazulernen, sonst werde ich nicht alt.“

Sturz in Gletscherspalte.

Die größte Gefahr birgt der Abstieg, sagt Goger. „Ich erlebe immer wieder Leute, die mit dem letzten Saft auf den Gipfel kommen. Dort lässt aber die Anspannung nach, die Müdigkeit kommt, es passieren die Fehler.“ 1999 musste er das am eigenen Leib erfahren. Der Aufstieg auf den Denali, dem höchsten Berg Nordamerikas, war geglückt, auf dem Rückweg rutschte er in eine Gletscherspalte, die bis zu 90 Meter tief gewesen sein könnte. „Meine Regel ist: nie ohne Seil; so konnte mein Freund mich halten“, sagt er und zeigt auf eine Narbe. „Ich bin gegen eine Felswand gekracht und hatte Glück, dass ich mein Auge nicht verloren habe.“ Der Schock musste später verdaut werden, er hatte noch 30 Kilometer Abstieg zu bewältigen. Ein bisschen ruhiger ist er mittlerweile geworden. Kehrt er von einer Expedition heim, sitzt er gern in der Sauna, genießt kleinere Touren in Österreich. Früher habe er schon bei der Heimkehr gewusst, wohin es als Nächstes geht. „Heute lasse ich gemütlich den Globus durch die Finger laufen und überlege“, lacht er. Mit seinen 54 Jahren ist Hans Goger topfit; ans Aufhören denkt er nicht. „Wenn ich nicht mehr in die Natur kann, ist mein Leben zu Ende“, sagt er. „Vielleicht brauche ich keinen 8.000er mehr, vielleicht reichen 6.000er und irgendwann der Großvenediger.“

Impressionen
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Spatenstich. Für Schule in Dhawa.

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Steil. Ama-Dablam-Expedition 2019.

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Training. Eine Nacht im Avita-Snowroom.

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2005. Mit Burgenland-Flagge am Mount Everes.

Eine Schule für Dhawa

Burgenländer helfen Nepal. Den Verein „Burgenländer helfen Nepal“ gründete Hans Goger gemeinsam mit dem Maskenschnitzer Niklas Koller und dem Techniker Maximilian Igler. Den Vereinsvorstand hält man bewusst klein, die Flüge nach Nepal zahlt das Trio aus Wolfau aus privater Kassa, um jeden Cent der Spendengelder in den Schulbau in Dhawa stecken zu können. 2015 verwüstete die Region ein schweres Erdbeben, wenn sie können, müssen Kinder zur Schule viele Kilometer zu Fuß zurücklegen. In der neuen Schule in Dhawa sollen 150 Burschen und Mädchen unterrichtet werden. Es werden fünf Klassen sowie ein Kindergarten eingerichtet. Der Verein freut sich weiterhin über jede Spende, die für die Starthilfe, Unterrichtsmaterial und mehr benötigt werden. Für den Mai planen Hans Goger und sein Team eine Reise zur feierlichen Eröffnung, an der Interessierte gerne teilnehmen können.

Nähere Infos und Kontakt: www.hansgoger.com


Spendenkonto

„Burgenländer helfen Nepal“

IBAN: AT79 3312 5000 0191 1890

BIC: RLBBAT2E125