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People | 15.02.2020

Zweite Chance bei der VHS

Wie die Burgenländischen Volkshochschulen bei Neustart oder Umorientierung unterstützen und warum es nie zu spät für Weiterbildung ist – darüber sprechen wir mit GF Christine Teuschler.

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© beigestellt


Viele Menschen möchten sich nach einiger Zeit im Berufsleben umorientieren und einen Neustart wagen. Welche Entwicklungen sehen Sie hier in den letzten Jahrzehnten?

Ein Blick auf unsere Statistik und Angebotsbereiche zeigt, dass der Anteil jener Menschen, die sich persönlich oder beruflich umorientieren möchten oder müssen, permanent steigt, sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentuell gesehen. Die Gründe liegen sicherlich darin, dass sich die Gesellschaft und die Arbeitswelt, aber auch die Anforderungen am Arbeitsmarkt immens geändert haben und immer noch ändern – Stichworte: Globalisierung und Digitalisierung sowie neue Arbeitsformen und neue Beschäftigungsverhältnisse.  


Wie unterstützt die VHS die Menschen, die einen zweiten Bildungsweg oder einen Neustart beginnen möchten?

Die Zweiter-Bildungsweg-Angebote zum Nachholen von Bildungsabschlüssen gibt es bei den Burgenländischen Volkshochschulen bereits seit ihrer Gründung. Heute sind es vor allem die Berufsreifeprüfung und die Studienberechtigungsprüfung, die Schulabbrecher*innen oder Absolvent*innen einer Lehre den Zugang zu einem Studium ermöglichen. Das kann auch ausbildungsbegleitend gemacht werden, wie etwa die Lehre mit Matura. Und wir kooperieren auch mit der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, wo es ebenfalls möglich ist, begleitend zur Ausbildung mit der Berufsreifeprüfung eine vollwertige Matura zu erwerben. Ein spezielles  Angebot ist das Kompetenz-Anerkennungsverfahren „Du kannst was!“, mit dem man den Lehrabschluss nachholen kann. Eine Hilfskraft kann sich hier ihre Berufserfahrungen anerkennen lassen und auf diesem Weg zu einer Fachkraft aufsteigen.

 

Geschäftsführerin Christine Teuschler © Viktor Fertsak

 


Können Sie uns hier ein Praxisbeispiel erzählen?

Wir haben hier jede Menge Erfolgsgeschichten von Personen, die die Lehre abgebrochen oder nach der Schule gleich einen Hilfsjob etwa im Gastgewerbe oder als Maurerhelfer angenommen haben, wo sie jahrelang  jede Menge berufliche und praktische Erfahrung sammeln konnten, aber immer nur als Hilfskraft eingestuft wurden. Mit dem Anerkennungsverfahren und dem Lehrabschluss konnten sie dann in die Gehaltsstufe eines Facharbeiters aufrücken. Was uns aber ganz besonders freut, sind die Beispiele, wo der Einstieg in den Lernprozess Auslöser für weitere Ausbildungen war. Ich erinnere mich an eine Dame, die erzählt hat, dass sie aus „jugendlichem Leichtsinn“ die HLW abgebrochen hatte und unbedingt arbeiten gehen wollte. Als der Handelskonzern, bei dem sie 16 Jahre gearbeitet hat, in Konkurs ging, wurde sie mit 50 arbeitslos. In einer Zeitung entdeckte sie dann ein „Du kannst was!“-Inserat und hat für sich die Chance gesehen, doch noch zu einem Lehrabschluss zu kommen. Sie hat dann nicht nur den Lehrabschluss zum Einzelhandel erworben, sondern auch noch den zur Bürokauffrau und einen Kurs zur geprüften Buchhaltungs- und Personalverrechnungs-Sachbearbeiterin gemacht und arbeitet jetzt bei einem Steuerberater.


Ein besonderes Anliegen sind den VHS bildungsbenachteiligte Bevölkerungsgruppen – welche genau sind das und welche Angebote gibt es für diese?

Nachdem Chancengleichheit für uns als Volkshochschule ein wesentliches Credo ist, sind uns vor allem bildungsbenachteiligte Personengruppen ein besonderes Anliegen: Personen, die aufgrund schwieriger Lebensumstände nicht einmal die Chance hatten, ausreichend Lesen und Schreiben zu erlernen oder einen grundlegenden Bildungsabschluss zu erwerben. In der Zwischenzeit sind die Angebote zur Basisbildung und zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses bei uns ein Standardangebot, das wir nach wie vor aufgrund entsprechender Fördermitteln seitens Bund, Land und Europäischen Sozialfonds kostenlos zur Verfügung stellen können, und das burgenlandweit.

 

Die Südburgenländerin war schon immer gesellschaftspolitisch aktiv und ist nach wie vor ehrenamtlich in vielen Bereichen tätig.

 


Bitte erzählen Sie etwas über sich persönlich: Wie ist Ihr Werdegang, seit wann sind Sie bei der VHS und mit welcher Motivation?

Ich bin 1961 geboren, stamme aus dem Südburgenland (Rechnitz), habe dort an der HBLA in Oberwart maturiert und in Wien Politikwissenschaft und Völkerkunde studiert. Während des Studiums war ich auch immer politisch aktiv, vor allem gesellschaftspolitisch, wie etwa bei der Gründung der ersten Frauenberatungsstelle im Burgenland oder der Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative. Im Mai 1991 habe ich ein Angebot bekommen, bei den Burgenländischen Volkshochschulen in die politische und interkulturelle Projektarbeit einzusteigen, was ich dann auch getan habe. Nach einem halben Jahr waren dort die Geschäftsführungsagenden zu besetzen, die ich gemeinsam mit Elisabeth Deinhofer übernommen habe – eine Arbeit, die ich nach wie vor gerne mache, weil ich hier inhaltlich viele Gestaltungsmöglichkeiten habe und auch meine Erfahrungen einbringen kann.


50 Jahre VHS – was waren die großen Meilensteine, die Schwierigkeiten, was soll die Zukunft bringen, welche Pläne gibt es?

Das Grundanliegen der Burgenländischen Volkshochschulen war von Anfang an, ein möglichst wohnortnahes und leistbares Bildungsangebot im ländlichen Raum zu schaffen – mit Kursen und Veranstaltungen im Bereich Sprachen, Gesundheit, Kreativität und natürlich politischer Bildung und Angeboten zum Nachholen von Bildungsabschlüssen. Das war in den ersten beiden Jahrzehnten eine große Herausforderung, zumal der Großteil der Volkshochschularbeit zu dieser Zeit ehrenamtlich organisiert wurde, im Gegensatz zu heute. Für die Zukunft wird es vor allem darum gehen, weiterhin ein leistbares und breit gefächertes Bildungsangebot in allen Regionen des Burgenlandes zur Verfügung zu stellen und dieses strukturell und finanziell abzusichern. Für uns gilt nach wie vor der Grundsatz: Bildung ist ein Menschenrecht!

 

Zeitgeschichtliches

Es waren schwere Zeiten – Erinnerungen an das Schicksalsjahr 1938

Film & Gespräch

• DO, 27. Februar, 18 Uhr, NMS Zurndorf


KriegsROMAn. Die Geschichte einer Familie

Buchpräsentation

• DI, 3. März, 14 Uhr, Landhaus/Archivsaal, Eisenstadt

• DI, 3. März, 19 Uhr, Buchhandlung Nentwich, Eisenstadt


Demokratiegeschichte in Österreich

Themenabend

• MI, 11. März, 18 Uhr, VHS Oberwart


Die Holocaust-Opfer der Roma

Vortrag

• FR, 13. März, 19 Uhr, Gemeindezentrum Deutsch Kaltenbrunn


Unbewusste Zeitgeschichte – wie wirkt die Sprache aus der Vergangenheit nach?

Themenabend

• MI, 18. März, 18 Uhr, VHS Eisenstadt

 

Kontakt

VHS Burgenland

Landesverband

Pfarrgasse 10, 7000 Eisenstadt

Tel.: 02682/613 63, [email protected]

www.vhs-burgenland.at