Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 17.02.2020

Raus aus dem Hamsterrad!

Gernot & Seref haben ihre Komfortzone verlassen und gemeinsam einen Neustart gewagt. Weiterentwicklung, Mut und Mindset sind die Schlagworte, die das sympathische Paar lebt.

Bild HEADER_2002_B_Gernot_Seref-1.jpg
"Weiterentwicklung passiert immer außerhalb der Komfortzone.", Gernot & Seref © Fotografie Franziska Bittermann

Wie zu Hause bei Freunden – ein anregender Plausch am Nachmittag bei Gernot (38) und Seref (36) auf der Wohnzimmercouch in Wien. Sie vervollständigen die Sätze des anderen, wirken wie die perfekte Symbiose aus Tag und Nacht, Gin und Tonic oder Yin und Yang. Während Seref, der quirligere und extrovertiertere Typ der beiden, seine positive Aufregung kaum unterdrücken kann, strahlt Gernot eine freundliche Ruhe und Gelassenheit aus. Die beiden haben sich gemeinsam – zunächst nebenberuflich, mittlerweile seit knapp einem Jahr hauptberuflich – im Beauty-­Business einen Namen gemacht.


Ihr habt euch vor rund zwei Jahren dazu entschieden, aus dem Hamsterrad auszubrechen und einen Neustart gewagt. Wie kam es dazu?

Gernot: Ich hatte einen klassischen 9-to-5-Job als Angestellter im Marketingbereich eines großen Unternehmens und Seref gab abends Tanzunterricht. So hatten wir zwar immer viel Zeit für uns selbst, aber wir haben bald gemerkt, dass es unserer Beziehung nicht guttut. Wir wollten nicht nebeneinander, sondern miteinander leben. Dann kamen wir über meine Schwester zum Beauty-Business. Bei einer Familienfeier im Südburgenland erzählte sie uns dann Näheres davon (Anm.: Gernot stammt aus Rechnitz). 

Seref: Als wir von der Feier nachhause fuhren, hab ich gesagt: „Spatz, wir machen das jetzt!“ Damals war noch nicht die Rede davon, dass wir das hauptberuflich machen. Wir fanden die Idee einfach schön, uns gemeinsam etwas aufzubauen und mehr Zeit miteinander zu verbringen.

 

Wir umgeben uns nur noch mit Leuten, die uns guttun.© Fotografie Franziska Bittermann

 

Das klingt sehr einfach. Viele tun sich aber schwer, etwas zu verändern. Was würdet ihr diesen Menschen ans Herz legen?

Seref: Weiterentwicklung passiert immer außerhalb der Komfortzone. Man muss etwas tun, was man sonst nicht tut, sonst verändert sich nichts.

Gernot: Das kann am Anfang natürlich auch unangenehm sein, war bei mir auch so. Als wir mit den Hautpflegeberatungen begonnen haben, war für mich das direkte Arbeiten am Kunden sehr schwer. Nach kurzer Zeit und den Schulungen war ich jedoch hellauf begeistert. Wenn man mit etwas unzufrieden ist, muss man diesen Veränderungsschritt wagen. Das Schwierige ist, dass man im Alltag oft so gefangen ist, dass man für sich selbst gar nicht die Zeit findet, darüber nachzudenken.

Seref: Zunächst ist der Schritt der Entscheidung zur Veränderung wichtig. Und auch danach geht es nicht von heute auf morgen. Es wäre gelogen, zu sagen, es ist easy. Es ist harte Arbeit. Und Veränderung muss immer aus einem selber kommen. Wir können Leute inspirieren, aber die Entscheidung müssen sie selber treffen. Auch die Motivation muss aus einem selbst kommen.
Glaubt ihr eigentlich an Zufälle oder an Schicksal?

Seref: Wenn du mich schnell fragst, dann denke ich nicht, dass alles vorherbestimmt ist. Man muss etwas dafür tun. Ich habe letztens bei meiner Mama zu Hause eine Wellnesseinheit mit Hautberatung und Verwöhnprogramm gemacht und zu ihr gesagt: „Mama, hättest du dir jemals gedacht, dass ich das einmal bei dir machen werde?“ Sie: „Nein – aber mach weiter!“ (lacht). Ich hätte mich früher nie beruflich hier gesehen. Ich bin gelernter Kfz-Mechaniker.

Gernot: Wenn es sich richtig anfühlt, sollte man es tun. Dann kann man keine falschen Entscheidungen treffen.

 

Gernot (l.) und Seref (r.) mit Chefredakteurin Nicole Schlaffer. © Gernot & Seref

 


Wie habt ihr euch kennengelernt bzw. wie seid ihr zusammengekommen?

Gernot: Es hat ein wenig gedauert, wir haben uns bereits drei Jahre flüchtig gekannt, bevor wir zusammengekommen sind. Er hat mir gefallen und ich hab ihn angesprochen, ob wir nicht einmal auf einen Kaffee gehen wollen. Er hat Nein gesagt. Nach ein paar Monaten habe ich ihn wieder getroffen und noch mal gefragt.

Seref: Ich habe gesagt, ich trinke keinen Kaffee.

Gernot: Dann verstrich wieder Zeit und ich hab noch mal meinen ganzen Mut zusammengefasst und ihn um seine Telefonnummer gebeten.

Seref: Und ich hab gesagt, nein, ich ruf dich eh nicht an. Hab ihn voll abblitzen lassen. Ich war damals in einer Beziehung. Das habe ich nicht gesagt, es aber auch nicht als notwendig erachtet, irgendwelche Erklärungen abzugeben. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Einige Monate später war ich Single und traf ihn wieder. Ich hab mich extra neben ihn hingestellt, aber er sagte nur Hallo und ging an mir vorbei. Da bin ich ihm hinterher und hab gesagt: „Frag mich noch mal wegen dem Kaffee“ (lacht). So kamen wir ins Gespräch. Bevor er nach Hause ging, hab ich ihn noch mal zurückgeholt und gesagt: „Du kannst noch nicht gehen, du musst mich zuerst küssen.“ Und tja, für mich gilt: Wer schmust, ist fix zamm (lacht)!

 

© Fotografie Franziska Bittermann

 

War es für euch auch eine Art Neustart, als ihr eure Homosexualität nach außen getragen habt?

Gernot: Rückblickend wahrscheinlich schon. Heutzutage ist die Gesellschaft da offener, es gibt mehr Role­models. Mir hat als Kind und Jugendlicher einfach die Identifikationsfigur gefehlt. Ich habe damals niemanden gekannt, der schwul oder lesbisch ist.

Seref: Ich auch nicht, obwohl ich in Wien aufgewachsen bin und nicht am Land. Heute ist das zum Glück anders. Kinder finden heute früher zu sich selbst, weil sie einfach mehr Vielfalt sehen.

Gernot: Ich war damals 21, als ich es meinen Freunden und meiner Familie erzählt habe. Das war schon ein Neustart, den Teil, den ich immer geheim gehalten habe, nach außen zu tragen. Dabei haben dann alle durchwegs positiv reagiert.

Seref: Ich habe es mit 12 oder 13 bemerkt. Die Palmers-Plakate mit den Mädels in Unterwäsche fand ich zwar ästethisch, aber erregt haben sie mich nicht. Da wusste ich aber noch nicht, dass ich schwul bin, es war nur ein Gefühl. Mit Mädels habe ich in der Pubertät immer nur geknutscht, mehr wäre nicht gegangen (lacht). Dann führte irgendwann eins zum anderen.


Viele Menschen haben Angst davor, ihren eigenen Weg zu gehen, weil sie Angst vor dem Anderssein haben.

Gernot: Ich wollte immer gefallen, jedem alles recht machen. Heute ist es mir wirklich egal, was fremde Leute über mich denken.

Seref: Dadurch verlierst du dich nämlich nur selber. Ich mache nur noch das, was mir taugt. Jeder soll so sein, wie er ist, und machen, was ihm guttut, solange er niemand anderen dabei böswillig verletzt. Negativ denkende Leute, die in allem etwas Schlechtes sehen und überall etwas auszusetzen haben, brauchen wir in unserem Leben nicht. Wir halten es schon lange so, dass wir nur noch Menschen in unser Leben lassen, die uns guttun.

 

Gernots Schwester Andrea war die Mentorin der beiden im Beauty-Business. © Markus Mansi / Bobbys Agency

 


Folge Gernot & Seref auf Instagram: gernot_und_seref

Facebook: Gernot Seref