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People | 21.02.2020

Mords-Premiere

Dürfen wir vorstellen: Inspektor Sifkovits! Der schrullige Ermittler ist die Hauptfigur in Thomas Stipsits’ Krimidebüt „Kopftuchmafia“. Ein Gespräch mit dem steirischen Schauspieler, Kabarettisten und Autor über die tiefen Abgründe der Seele und unverhofft hohe Buchauflagen.

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Thomas Stipsits © Marko Zlousic

Man sagt, jeder Mensch wäre imstande, einen anderen Menschen zu töten.“ So beginnt das neue Buch „Kopftuchmafia – ein Stinatz-Krimi“ von Thomas Stipsits. Woher das Interesse am Morden kommt, wie viel Realität in der Fiktion zu finden ist und mit wem er für das Buch recherchierte, verriet er der STEIRERIN im Interview.


 
Vom Kabarettisten zum Krimi-Autor – woher kam die Idee zu Ihrem neuen Buch?

Das hatte vielerlei Gründe. Der Hauptgrund war sicherlich, dass ich als bekennender Columbo-Fan schon immer einmal einen Kommissar mit ähnlichen Zügen kreieren wollte. Inspektor Sifkovits ist nett, schrullig, wird von jedem unterschätzt, hat es aber faustdick hinter den Ohren.

 


 
Der Krimi spielt in Stinatz im Burgenland – ein Ort, zu dem Sie einen großen Bezug haben. Warum diese Realitätsnähe in der Fiktion?

Ich habe schon in meiner Kindheit viel Zeit in Stinatz bei meinen Verwandten verbracht. Als Schauplatz für mein Buch habe ich den mir so bekannten Ort bewusst gewählt, da es das Ganze viel authentischer macht.


 
Oft heißt es in Romanen, „Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind rein zufällig“. Trifft das auch auf Ihren Roman zu?

Ganz und gar nicht. Ähnlichkeiten sind voll beabsichtigt. Pfarrer David zum Beispiel ist ein Kindesfreund von mir und meiner Oma – sie ist auch auf dem Cover zu sehen – und lebt noch immer dort. Viele Szenen aus dem Buch sind wirklich so passiert, werden im Buch aber natürlich oft etwas überhöht dargestellt.


 
Wie entstand der Titel „Kopftuchmafia“?

Diesen Ausdruck gibt es in Stinatz schon ewig. Im Buch wird so ein alteingesessenes Trio rüstiger Damen genannt, die immer alles und über jeden Bescheid wissen.
 Sie haben sich für das Buch auch von einem echten Kripobeamten in der Recherche unterstützen lassen.
Ja, er war ungemein hilfreich. Ich konnte ihn mit all meinen Fragen immer anrufen. Viele Details weiß man ja nicht – zum Glück. Lustig war, als er mir erklärte, dass gerade in Fernseh­serien immer so viele Fehler in dem Bereich passieren. Als Beispiel nannte er dann ausgerechnet „Schnell ermittelt“, wo meine Frau mitspielt (lacht).

 


 
Ihr Buch beginnt mit „Man sagt, jeder Mensch wäre imstande, einen anderen Menschen zu töten“. Glauben Sie das wirklich?

Nicht hinter jedem Mord steckt eine große Weltverschwörung – meist sind es ganz menschliche Hintergründe. Natürlich sagen viele von sich selbst, dass sie das nie tun könnten. Würde ich von mir jetzt auch behaupten. Ich bin aber ein großer Verehrer des Gerichtspsychologen Reinhard Haller, der sagt, dass es in jeder Seele eine zweite, dunkle Seite gibt und dass die Toleranzgrenze, Böses zu tun, bei jedem unterschiedlich ist. Das hängt immer von der Situation ab. Menschen sind zu sehr viel Gutem, aber auch zu sehr viel Schlechtem imstande.


 
„Kopftuchmafia“ gibt es bereits in der 5. Auflage, war eine Woche nach Erscheinen schon in ganz Österreich ausverkauft. Hätten Sie mit diesem Erfolg Ihres Krimi-Debüts gerechnet?

Nein, damit hätte ich nie gerechnet, es freut mich aber umso mehr.


 
Wird es eine Fortsetzung des Stinatz-Krimis geben?

Definitiv ja.


 
Ist vielleicht sogar ein Tatortwechsel nach Leoben, Ihre Geburtsstadt, angedacht?

Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, aber warum nicht (lacht).


 
Welche weiteren Projekte sind in Planung?

„Love Machine 2“ ist in Vorbereitung, ein eigenes Spielfilmprojekt steht kurz vor der Finalisierung und mit meinem Solo-Programm bin ich auch unterwegs.


 
Da wird Ihnen ja nicht langweilig.

Das bestimmt nicht (lacht). Obwohl ich die Termine nicht mehr in der Dichte wie früher mache, einfach um mehr Zeit mit meiner Familie zu haben.

 

Thomas Stipsits

  • Geburtsdatum: 2. August 1983
  • Geburtsort: Leoben
  • Verheiratet mit Schauspielerin Katharina Straßer
  • Zwei Kinder

 
2000 erhielt er den Kärntner Kleinkunstpreis, 2004 den „Österreichischen Kabarettförderpreis“. Sein erstes einer breiteren Öffentlichkeit bekanntes Programm „Griechenland“ feierte Anfang 2006 Premiere, aktuell tritt er mit seinem Soloprogramm „Stinatzer Delikatessen – ein Quasi Best Of“ auf.

 
Filme (Auswahl):

  • Vier Frauen und ein Todesfall
  • Tatort
  • Baumschlager
  • Geschenkt
  • Love Machine

 
www.stipsits.com