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People | 05.03.2020

Ein Vollweib ist angekommen

Barbara Karlich erfindet sich immer wieder neu – jetzt hat sie sich selbst gefunden. Mit uns sprach sie im persönlichen Interview über Fleischkonsum, Entscheidungen, Charakter und Schönheits-OPs.

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"Ich bin eine Frau mit Ecken und Kanten.", Barbara Karlich © Vanessa Hartmann

Diese Frau weiß, was sie will. Meistens zumindest. Manchmal auch nicht. Dann kommt ihr vielfältiger Humor ins Spiel. Allen Höhen und Tiefen in ihrem Leben zum Trotz – oder gerade deswegen – ist sie heute authentischer denn je und mit sich selbst im Reinen. Beim Interview in der Landesgalerie Eisenstadt war das regelrecht zu spüren – anregender Austausch off record inklusive.


Es wurde schon viel über dich geschrieben, vieles davon auch erdichtet. Du bist seit über zwei Jahrzehnten im Fernsehen zu sehen, hast viele Erfahrungen in der Öffentlichkeit und mit Medien. Ist die Branche härter geworden?

Ich glaube, das war schon immer so. In dem Moment, in dem du eine Person öffentlichen Interesses wirst, schmeißen sich die Medien auf dich und du hast das Gefühl, es wird mehr geschrieben, als gesagt wurde. Aber in Zeiten von Social Media sind die klassischen Medien ein bisschen vorsichtiger geworden, denn heutzutage kannst du ja gleich direkt alles revidieren. Auf der anderen Seite kannst du dich weniger nasebohrend oder Cheeseburger schmatzend in der Öffentlichkeit zeigen, weil du dich dann sofort im Internet siehst. Doch ich muss sagen, ich habe nie respektlosen Umgang erfahren. Die Regeln bestimmt man, bevor man die Karten mischt.


Du kannst gut über dich selbst lachen. Hilft das immer? Wie gehst du mit Enttäuschungen und Rückschlägen um?

Ich kann sehr gut verdrängen, vergessen, verzeihen, Angelegenheiten ad acta legen. Man muss sich sehr zurücknehmen mit der eigenen Wichtigkeit. Wenn wir das große Ganze betrachten – wie klein sind wir denn dann? Wie klein ist unser Planet im Universum? Ich nehme mich einfach nicht so wichtig. Auch wenn es mir mal schlecht geht, weiß ich, dass es Millionen Menschen gibt, denen es schlechter geht als mir. Das Glas ist bei mir immer halb voll, ich bin irrsinnig optimistisch. Ich verzeihe sehr schnell und erwarte das manchmal auch zu schnell von anderen, was nicht immer der Fall ist. In den letzten Jahren bin ich auch viel gelassener geworden.

 

"Ich bin davon überzeugt, dass uns der hohe Fleischkonsum krank macht.", Barbara Karlich



Wie triffst du Entscheidungen?

Ich schlafe immer einmal drüber und entscheide am nächsten Tag. Ich bin nie eine, die im Affekt auf den Tisch haut und eine plötzliche Entscheidung trifft oder alles hinschmeißt. Ich bilde mir meine eigene Meinung, indem ich mir immer beide Seiten anschaue. Das ist ganz wichtig, hinter die Fassade zu blicken. Es gibt immer mindestens zwei Wahrheiten. Die öffentliche Aufgeregtheit lasse ich an mir vorbeiziehen.


Wie würdest du dich selbst beschreiben, warum kommst du bei den Menschen bereits seit über 20 Jahren im TV so gut an?

Ich bin authentisch. Eine Frau mit Ecken und Kanten, mit zwei Scheidungen, vielen Ups and Downs im Leben, sowohl privat als auch gewichtstechnisch (lacht). Die Männer mögen mich, weil ich ein Vollweib bin, und die Frauen mögen mich, weil ich eine Frau mit Charakter bin – keine, die ihnen den Mann ausspannen würde. Ich bin eine von ihnen, eine Frauenfreundin. Ich nehme sie mit auf dem Weg nach oben, ohne spitze Ellbogen.


Oft behindern sich Frauen ja leider gegenseitig …

Ja, furchtbar! Ich bin oft enttäuscht worden von Frauen, trotzdem habe ich nie aufgehört, an sie zu glauben. Wir Mädels müssen zusammenhalten!


Was tust du für dich und deine Gesundheit, wie gehst du mit dem Alter um?

Ich schaue mich heute an und sage, ich gefalle mir besser als mit 20. Nach der furchtbaren Mode der 1990er-Jahre habe ich mir erst mit Mitte 30 so richtig gut gefallen. Der 50er letztes Jahr ging mir am Gluteus maximus vorbei. Zahlen sind mir wurscht. Ich beschäftige mich jetzt viel mehr mit innerer Zufriedenheit und gesunder Ernährung. Ich bin davon überzeugt, dass uns der hohe Fleischkonsum krank macht, ebenso wie industrialisierte und stark verarbeitete Lebensmittel. Saisonalität und Regionalität sind mir sehr wichtig, vor allem im Burgenland sind wir hier gut aufgestellt. Und ich lasse Kuhmilch komplett weg. Ansonsten versuche ich gelassen zu sein. Meine Tage beginnen ganz anders als früher, ich meditiere in der Früh, mache mir einen Tee und dann wecke ich meine Tochter Gloria. Bevor ich ins Studio fahre, ist es mir wichtig, dass ich eine Stunde davor im Wald bin, dort tanke ich Energie, das erdet mich.

 

Chefredakteurin Nicole Schlaffer im Gespräch mit Barbara Karlich.



In unserem aktuellen Magazin behandeln wir die Themen Weiblichkeit, Schönheitsoperationen und Beauty-­Trends – wie stehst du zu diesen Themen?

Man muss nicht alle Trends mitmachen. In Bezug auf Schönheits-OPs: Wie man sieht, habe ich noch nichts machen lassen (lacht). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute nach solchen Eingriffen weder schöner noch jugendlicher aussehen. Meine Mutter ist 75 und strahlt immer noch eine mädchenhafte Leichtigkeit aus. Das ist ihre innere Einstellung.


Du bist Single-Mum – wie groß ist die Herausforderung und was kannst du anderen alleinerziehenden Müttern mit auf den Weg geben?

Ohne familiäres Netz würde es bei mir nicht so gut funktionieren. Zum Glück habe ich eine großartige Familie und Freunde. Mittlerweile ist Gloria zwölf Jahre und bereits sehr selbstständig. Ich bin lieber eine Single-­Mum, als in einer Beziehung zu leben, in der ich nicht glücklich bin. Und Single zu sein, heißt ja nicht, dass ich ohne Liebe lebe. Ich bin ja keine Nonne! (lacht). Aber ich gebe zu, es ist natürlich schöner für ein Kind, wenn es zwei Eltern hat, die für es sorgen, die sich verstehen. Ein geborgenes Zuhause, wo sich die Eltern lieben. Ich bezweifle halt, dass das überall der Fall ist. Für Kinder ist es nicht gut, wenn die Eltern wegen ihnen zusammenbleiben. Es gibt viele wunderbare Patchwork- oder Regenbogen-Familien – das ist großartig!


Am 8. März ist Frauentag – braucht es den und warum? Würdest du dich selbst als Feministin bezeichnen?

Natürlich braucht es den Frauentag! Mir stellt es alle Haare auf, wenn jemand sagt, man muss nicht gendern oder Frauen verdienen eh dasselbe wie Männer. Das stimmt einfach nicht. Es ist auch wichtig, dass Frauen aufei­nander schauen und Seilschaften bilden. Gendern bewirkt, dass Frauen auch in der Sprache vorkommen. Sprache schafft Bewusstsein, die Wirklichkeit im Kopf.

 

Barbara Karlich bei ihrer ersten Sendung im Oktober 1999 © ORF



Nach weit über 3.000 Sendungen der Barbara Karlich Show ist dein Erfolg ungebrochen. Wie läuft die Sendung ab, kennen sich die Gäste vorher schon?

Teilweise. Wir haben drei Gästeräume, darin werden die Gäste aufgeteilt. Die mit gleichen Meinungen kommen in einen Raum, sonst würde ja schon hinter den Kulissen diskutiert werden. Dadurch lernen sich eben ein paar bereits hinter der Bühne kennen. Die Gäste erzählen meinen Redakteuren ihre Story bereits, bevor sie eingeladen werden, diese weiß ich dann auch vor der Sendung, aber die Gäste untereinander wissen ihre Storys nicht. Niemand bekommt gesagt, was er oder sie sagen soll. Wir schneiden aber auch so gut wie nie etwas raus, außer wenn jemand ständig schimpft oder ausfällig wird, aber das kommt praktisch nie vor.

Seit fast einem Jahr plauderst du auf Radio Burgenland im „Barbara Karlich Buchklub“ mit prominenten Gästen jeden zweiten Samstag über ihre Lieblingsbücher und ihr Leben. Welche Bücher haben dich in deinem Leben besonders beeinflusst?

Es gibt unzählige Bücher, die ich liebe und mehrmals gelesen habe, dazu zählt Esther Vilars „Mathematik der Nina Gluckstein“. Ich schätze und lese zudem viele österreichische Autoren wie Andreas Gruber, dessen Krimis ich verschlinge, oder die Romane von Vea Kaiser. Erika Pluhar erzählt so schön und Gerhard Altmann ist ein wunderbarer Poet, den ich seit der Studentenzeit kenne und schätze. Schrecklich komisch sind die Bücher von Marc-Uwe Kling. Gary Larsons Comics bringen mich zum Lachen – das brauche ich, wenn ich grade so Bücher lese wie „Trennt euch!“ vom Schweizer Thomas Meyer – übrigens ein Pflicht-Beziehungsratgeber. 


Barbara Karlich …

… wurde am 7. Jänner 1969 in Wien geboren und wuchs in Trausdorf im Burgenland auf. Nach der Matura in Eisenstadt studierte sie Publizistik, Psychologie und Theaterwissenschaft in Wien. Ihre Karriere beim Radio begann 1996 beim Privatsender 92.9 RTL. 1999 wurde Karlich vom ORF engagiert. Am 27.10.1999 ging die erste Barbara Karlich Show auf Sendung. Karlich ist Mutter einer zwölfjährigen Tochter, mit der sie in Neufeld an der Leitha lebt.

 

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