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People | 14.07.2020

Lebensabschnitte

Anlässlich unseres 6-jährigen Jubiläums haben wir Burgenländerinnen in den „6er“-Jahren interviewt und dabei acht Lebensjahrzehnte mit deren Herausforderungen eingefangen.

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Sarah Frühstück, 6 Jahre
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Pippi ist die Sache nicht ganz geheuer.

Die Katze mit dem anthrazitfarbenen Fell beobachtet das Interview, das Frauchen in der Gartenbadewanne fröhlich planschend gibt, lieber elegant mit Abstand. Das war auch im Frühjahr das Schlüsselwort für Sarahs lang ersehnten sechsten Geburtstag. Die junge Dame aus Eisenstadt hatte sich dermaßen auf den großen Tag gefreut, dass ihre Eltern ihr – anstatt die Festivitäten abzusagen – eine Corona-taugliche Feier ausrichteten. Quasi nach Stundenplan durften sich die erwachsenen Gratulant*innen nacheinander im Vorgarten einfinden, mit den jungen Gästen wurde hinter dem Haus gefeiert. „Die Kinder waren außerhalb vom Zaun, das war gut so. Kinder tun sich schwer, den Abstand einzuhalten“, erklärt Sarah.

Party-Abenteuer.

Gespielt konnte trotzdem werden. „Gut, dass ich auch ein Tau geschenkt bekommen habe“, schildert sie. Das wurde nämlich praktischerweise durch den Zaun gereicht und schon konnte das lustige Kräftemessen losgehen. Auch eine Schatzsuche mit dem Fahrrad ging über die Bühne, „da waren wir ja die ganze Zeit in der freien Natur“, betont sie. Sarah ist mittlerweile auch stolze Schultaschenbesitzerin und vor Kurzem war die Zahnfee da. Die besten Voraussetzungen für September also. Ob sie schon eine Vorstellung davon hat, was in der Schule passieren wird? Sarah bittet um einen Moment zum Nachdenken und schließt fest die Augen: „Ich sehe einen großen Raum und viele Bänke. Ich weiß nicht, ob es so sein wird, aber ich sehe auch eine Lehrerin mit roten Locken“, prophezeit sie. Sie freut sich auf den neuen Lebensabschnitt, vor allem, dass sie die Schlingelschrift lernen und von da an mit den Freundinnen geheime Botschaften austauschen darf. Klare Visionen hat die junge Dame, was ihre spätere Zukunft betrifft: „Ich möchte eine Fee werden, fliegen und mit meinen Katzen reden können. Außerdem will ich meiner Oma das wehe Knie wegzaubern.“


Judith Michalitsch, 16
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Es ist ein ganz schön straffes Programm, in das wir uns mit unseren Fragen reinquetschen: Judith Michalitsch besucht das Gymnasium Zehnergasse in Wiener Neustadt und startete kürzlich mit den Theoriestunden in der Fahrschule. Hinzu kommt der sportliche Ehrgeiz der jungen Frau: Sie macht Rhythmische Gymnastik, Showdance und Eiskunstlauf. „Es ist schon oft stressig“, lacht sie, „ich hab’ selten mehr als einen ,freien‘ Nachmittag.“ Inspiriert von der sportlichen Mama, die Eiskunstlauf und Ballett machte und liebt, begann die junge Mattersburgerin mit knapp fünf Jahren mit Rhythmischer Gymnastik – und blieb dran. Zwischen 2015 und 2019 siegte sie in ihrer Altersklasse bei sämtlichen Landesmeisterschaften. „Das baut auch Druck auf, es wird viel erwartet“, gesteht sie. „Aber wenn dann die Musik beginnt, dann muss man das rocken, dann nutze ich meine Chance.“ Als Vereinsmitglied bei der Gymnastik- und Tanzunion Mattersburg fand sie auch bald Gefallen an Showdance, wo sie ebenfalls erfolgreich unterwegs ist. Und dann ist da noch das Eiskunstlaufen, für das sie während der Saison in Eisenstadt mehrmals pro Woche trainiert. „Wenn ich auf dem Eis bin, fühlt es sich an wie Schweben. Für zwei Stunden bin ich in einer anderen Welt“, schwärmt die junge Sportlerin, deren Weg auch hier viele Medaillen säumen.


Entscheidungen.

Immer wieder musste sie sich entscheiden, ob sie einen weiteren Schritt in Richtung Leistungssport oder einen Schritt zurück machen soll. Daran, dass sie auch der Schule genug Zeit widmen will, liegt es nicht allein, „mir wär’s zu einfach zu schade, wenn ich mich für eine Sache entscheiden müsste, ich wollte nie mit irgendetwas aufhören“. Festlegen möchte sie sich noch nicht, welchen Berufsweg sie mal einschlägt; Sport wird aber stets einen Fixplatz in ihrem Leben haben, sagt sie. Und der 16. Geburtstag? „Ich hab’ jetzt mit dem Führerschein angefangen und bin gespannt, wie meine erste Fahrstunde sein wird. Ich spüre schon, dass das jetzt ein wichtiger neuer Lebensabschnitt ist.“


Sarah Roth, 26
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Das Brautkleid hatte sie schon, gerade wollte das Paar mit den Einladungen loslegen, dann kam Corona. Trotzdem ist Sarah Roth glücklich, denn bis auf die Planänderung in puncto Hochzeit läuft es in ihrem Leben eigentlich so, wie sie es sich erträumt hatte.
Tatsächlich hatte die Bernsteinerin, seit sie denken kann, einen Traumberuf: „Ich hab’ schon als Kind auf die jüngeren Kinder aufgepasst – und wollte immer Lehrerin werden“, verrät die 26-Jährige. Somit ging es für sie nach der Hauptschule schnurstracks an die BAKIP und danach an die Pädagogische Hochschule. Seit sie diese absolvierte, unterrichtete sie im Bezirk Oberpullendorf. „Ich gehe sehr gern in die Schule und bin immer richtig stolz, wenn die Kinder etwas Neues lernen und umsetzen können“, beschreibt sie. Vom Unterrichten legt die Pädagogin vorerst eine Pause ein; vor gut einem halben Jahr wurde sie Mama eines Sohnes.

Neues Leben.

Moritz veränderte freilich alles. „Aber dass das so sein wird, habe ich gewusst“, lacht Sarah Roth. Nicht ohne Grund erfüllten sie und ihr Verlobter sich bereits 2018 einen Herzenswunsch und bereisten im Sommer wochenlang die Welt: „Wir waren in Australien, in China und in Amerika“, zählt sie auf. Ihren Zukünftigen lernte sie mit jungen 22 Jahren in Bernstein am Sportplatz kennen; er stand im Tor. „Es hat bei uns von Anfang an gepasst, wir sind bald zusammengezogen und haben schnell gewusst, dass wir eine gemeinsame Zukunft möchten“, erzählt sie. Für sie war dabei auch immer klar, dass sie möglichst früh Mama werden wollte. „Schließlich möchte ich zwei bis drei Kinder.“ Wenn ihr kleiner Moritz zwei Jahre ist, freut sie sich aber erst einmal auf die Rückkehr in die Schule. Davor wird allerdings noch geheiratet: Diesen September zelebriert das Paar die standesamtliche Hochzeit und Moritz’ Taufe. 2021 wird dann in Weiß die kirchliche Hochzeit inklusive großer Feier nachgeholt.


Nina Bruckner, 36
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Zehn Jahre lang war sie Croupière im Casino Austria in Graz. Nur weil sie nach dem Abschluss der HTL (Bautechnik) nicht im Büro sitzen wollte. Nina Bruckner war schon immer anders als die anderen. „Ich bin gerne für mich, auch ein bissl verrückt und aus der Norm sowie offen und optimistisch“, beschreibt sich die Südburgenländerin. Als Nina mit 27 Jahren überraschend schwanger wurde, geriet ihr gesamtes Leben durcheinander. Sie trennte sich noch in der Schwangerschaft von ihrem Partner und war daraufhin alleinerziehend mit Zwillingen. Sie arbeitete weiter im Casino, zog jedoch von Graz wieder zurück nach Kitzladen, wo sie heute noch mit ihren Kindern lebt und den 170 Jahre alten Vierkanter ihrer Oma schrittweise renoviert. Nicht nur im Handwerken ist sie geschickt, sondern auch im Weiterbilden. Neben Mutterdasein und Renovieren studiert Nina an der FH Pinkafeld Energie- und Umweltmanagement, macht gerade den Master. Dazu arbeitet sie 32 Stunden pro Woche bei Forschung Burgenland am FH Campus.  Tatkräftige Unterstützung bekommt sie von ihrem Vater und dessen Frau, doch den Großteil stemmt die Powerfrau mit ihren Kids alleine.


Geld macht nicht glücklich.

Auch in privaten Angelegenheiten scheint Nina „normal“ zu langweilen. Ihr Partner lebt in der Schweiz, sie sehen sich ein Mal im Monat für ein paar Tage. Corona war da eine ganz besonders harte Zeit für die beiden Frischverliebten. Und wie steht die 36-Jährige zu ihrem Alter? „Ich bekomme schon graue Haare, habe Falten bei den Augen. Das finde ich gut. Mit 26 war ich noch dumm und hilflos, ohne Verantwortung. Ich finde es nicht schlimm, dass ich jetzt auf den 40er zugehe. Ich bin in meiner Mitte.“ Dass sie mit 26 komplett andere Träume hatte und das Leben ihr dann kurz darauf einen Strich durch die Rechnung machte, sieht sie jetzt als Segen. Und aus ihrer Zeit im Casino weiß sie auch, was wichtig ist: „Geld macht nicht glücklich. Wenn man gewinnt, will man immer mehr, wenn man verliert, will man es zurück.“


Silvia Heinrich, 46
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Schnell gefragt, weiß sie oft gar nicht, wie alt sie ist. Vollblutwinzerin Silvia Heinrich aus Deutschkreutz war zehn Jahre beruflich viel in der Welt unterwegs, bevor sie 2002 in den elterlichen Betrieb zurückkehrte – und diesen übernahm. 2003 bekam sie ihre erste Tochter. „Damals war ich 29, mein Leben hat sich mit der Geburt meiner ersten Tochter Julia komplett verändert.“ Sie hatte viele Ideen und Pläne für das Weingut und die Arbeit musste weiterhin getan werden – Julia war von Beginn an dabei, ob im Stubenwagen im Büro oder im Maxi-Cosi im Weinkeller.  


Vorgegebene Wege.

Silvia ist mittlerweile alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern. „Ich habe mir oft die Schuldfrage gestellt, aber das macht keinen Sinn.“ Ob sie etwas bereut? „Ich glaube an Schicksal. Man weiß nie, was passiert wäre, wenn man etwas anders gemacht hätte. Nicht immer sind es die geraden Wege, die man einschlägt. Manchmal bedarf es einiger Abzweigungen, bis man schlussendlich am Ziel ist.“ Durch Niederlagen habe sie sich stets persönlich weiterentwickelt. Heute sind ihre Töchter zehn und 17 Jahre alt und die drei sind ein eingeschweißtes Team. Sie leben am Weingut, wobei Silvias Eltern nur ein paar Häuser weiter wohnen. „Sie sind immer für uns da, wenn wir sie brauchen.“ Und das ist oft. Denn Silvia ist viel im Namen ihres Weinguts unterwegs. „Die letzten Monate habe ich genossen, weil ich durch die eingeschränkte Reisefreiheit viel mehr Zeit für die Kinder und mich hatte. Ich habe neue Fertigkeiten und Leidenschaften entdeckt, wie das Brotbacken.“
Über ihr Alter erzählt die Freiheitsliebende: „Früher haben die Frauen in meinem Alter und jünger Kopftuch getragen und sind nicht mehr aus dem Haus gegangen. Ich habe das Glück, durch meinen Beruf in der ganzen Welt herumzukommen und Freundschaften zu knüpfen. Sooft es geht, sind meine Kinder mit dabei und dafür bin ich dankbar. Ich lebe im Hier und Jetzt und bin angekommen. Mein Beruf macht mich aus, er ist meine Berufung.“


Gabriele Karner, 56
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Burgenländerin ist sie „erst“ seit 16 Jahren, aber dafür aus tiefster Überzeugung. Mit 18 Jahren zog Gabriele Karner mit ihrem ersten Mann zusammen, 1983 heiratete sie, 1985 und 1986 bekam sie ihre beiden Söhne. 2002 trennten sich ihr Mann und sie und Gaby stürzte sich in ihr neues Leben, auf der Suche nach einem neuen Wohnort. Diesen fand sie 2004 im Burgenland (Neufeld/Leitha). Kurz darauf lernte sie ihren jetzigen Mann Hannes kennen, „einen waschechten Burgenländer“, mit dem sie heute in Pöttelsdorf lebt.  Das Fernweh und die Abenteuerlust trieb das Paar 2013 nach Spanien. Und zwar nicht zum Urlauben, sondern zum Leben. Doch der Traum vom Auswandern hatte ein Ablaufdatum. „Nach drei Jahren hatte ich die Hitze satt, ich vermisste alles und jeden in Österreich. 2016 stand mein Entschluss fest: Ich geh zurück. Mein Mann war anfangs geschockt, denn er liebte die Hitze und das Leben dort – dennoch entschloss er sich, mitzukommen.“ Somit wurden alle Zelte in Spanien abgebrochen, alles verkauft und es ging wieder zurück in die Heimat. „Als wir über die Grenze nach Österreich gefahren sind, hab ich vor lauter Freude geheult! Es war mir klar, dass ich unter Umständen auch alleine hätte gehen müssen, aber so hat sich alles gut gefügt und wir sind nun happy in Österreich.“

Alles macht Sinn.

Wie sich Gaby selber beschreibt? „Genau, konsequent, lernbegierig, zuverlässig, aber auch anlehnungsbedürftig – so ein bisserl harte Schale, weicher Kern. Ich stehe zu meinem Alter und bin froh, dass ich gesund bin und mein Leben genießen kann.“ Rückwirkend anders machen möchte sie nichts, denn „alles macht irgendwie Sinn“. Wenn sie nicht gerade arbeitet (selbstständig mit Büro-, Haus- und Gartenservice), dann hält sie sich im Garten bei ihren Paradeisern auf. Und für die Zukunft gibt es wieder Pläne: eventuell noch einmal umsiedeln und auf jeden Fall reisen. „Der Norden ruft!“


Margarete Glatz, 66
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Eine Wahrsagerin hat ihr einmal prophezeit, dass sie 104 Jahre alt wird. Mit ihren 66 Jahren hält sich Margarete Glatz an den Udo-Jürgens-Hit: „Jetzt fängt mein Leben (wieder) an“. Und ihr Leben ist tatsächlich vor knapp drei Jahren komplett auf den Kopf gestellt worden, als ihre große Liebe plötzlich an einer Lungenembolie verstarb. Am gleichen Tag erfuhr sie von ihrer Tochter, dass sie zum ersten Mal Oma wird. „Du realisierst das nicht. Zwei Ärzte-Teams haben versucht, meinen Mann zurückzuholen, und es leider nicht geschafft. Da flüstert mir meine Tochter Yvonne zu, dass sie ein Baby bekommt. Trauer, Glück, Schmerz im Herzen – es war ein heftiger Moment.“ Die Zeit nach Georgs Tod war schlimm. Margarete fiel in ein tiefes Loch. Dank ihrer Familie und Freunde schaffte sie es, heute das Leben wieder zu genießen. Ihre Enkelin Valerie Charlotte ist dabei ihr Jungbrunnen und Lebenselixier. Margarete engagiert sich wieder im Dorfleben in Hirm und steht mit beiden Beinen im Leben. Ihr ganzes Arbeitsleben lang hat sie immer umgesetzt, getan – war eine Macherin. Sie ist es gewohnt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – und auch das Positive aus jeder Situation zu ziehen, war immer ihr oberstes Gebot.

Liebe auf den ersten Blick.

Aufgewachsen ist die 66-Jährige im Südburgenland, hat als junges Mädchen ihre Freiheitsliebe ausgelebt und an verschiedenen Orten in Österreich und Deutschland in der Gastronomie gearbeitet. Ihrer großen Liebe Georg begegnete sie mit 18 Jahren in DEM In-Lokal in Mattersburg, wo sie damals arbeitete. „Es traf mich wie ein Blitz, das war Liebe auf den ersten Blick.“ So einfach war es dann doch nicht, als sie erfuhr, dass Georg noch verheiratet war und bereits einen kleinen Sohn hatte. Doch die Liebe war stärker als die Bedenken. Ein schwerer Schicksalsschlag ereilte die Familie, als Sohn Mario viele Jahre später, 2011, verstarb – kurz bevor er 40 wurde. Mit 66 Jahren weiß Margarete heute, was das Leben alles kann, und mittlerweile weiß sie auch damit umzugehen.


Anna Pieler, 76
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Drei Tage durfte ihr Papa sie in den Armen halten, wenige Monate später fiel er im Krieg, erzählt Anna Pieler. Die gebürtige Dörflerin – sie wurde dort geboren, wo sie heute lebt – wuchs an der Seite ihrer Mama und ihrer älteren Schwester zu einer jungen Frau heran, arbeitete daheim in der Landwirtschaft mit. „Als ich 19 war, bin ich dann nach Wien gegangen“, sagt sie mit strahlenden Augen. Sie bekam eine Stelle als Dienstmädchen bei einem Rechtskonsulenten, kümmerte sich um die Kinder, für Küche und Haushalt gab es weiteres Personal. „Das war eine ganz liebe Familie und ich hab’ gut verdient“, schwärmt sie. Wenige Jahre später lernt sie ihren Mann kennen, einen Lackendorfer, der seine Brötchen als Schneidermeister in Wien verdiente. Das Paar bekommt zwei Töchter, lebt und arbeitet unter der Woche in Wien und verbringt die Wochenenden in Dörfl. „Hier war immer zu Hause“, sagt Anna Pieler.


Schicksalsschlag.

Das Familienglück währt leider viel zu kurz, ihr Mann erkrankt schwer und stirbt 46 Jahre jung. Die Kinder waren noch klein, es galt, zwei Wohnsitze zu erhalten, selbst für die Trauer blieb kaum Zeit. Die Jahre vergingen, die sympathische Dörflerin ging keine weitere Beziehung mehr ein. Und heute? „Dafür bin ich schon zu alt“, lacht sie, „aber wenn ich höre, dass sich jemand scheiden lässt, sage ich den Jungen immer: Bleibt’s nicht allein.“ Bis zum 60er lebte Anna Pieler wochentags in Wien, zuletzt hatte sie die Wirtschaftsleitung einer Tourismusschule über. „Ich hab’ gern dort gearbeitet, immer umgeben von Kindern.“ Ihr Herz gehört heute ihren Enkelkindern Sarah und Matthias. Und weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht, bekocht sie die Familie gern – und zwar täglich frisch. Welche Lebensphase sie am meisten genoss? „Jede Zeit hat ihr Schönes gehabt“, findet die 76-Jährige. „Es war lustig, als wir im Schnee zu Fuß nach Steinberg sind, die Freiheit in Wien war schön, genauso als ich die Kinder gekriegt habe. Und heute bin ich glücklich über meine Enkeln. Es ist gut, so wie es ist.“


© Viktória Kery-Erdélyi, Leo Michalitsch, Dániel Pálhegyi, Viktor Fertsak, Mirco Paolo Taliercio, beigestellt