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People | 27.07.2020

Über die Mädels und die Buam

In wahrer Freundschaft zählt nicht, was man leistet, sondern wer man ist, sind Musikerin Birgit Denk und Kabarettistin Nadja Maleh überzeugt. Ein Mädelstreff am Neusiedler See.

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"Ich lege bewusst den Fokus darauf: Meine Talkgäste sind immer ein Mann und eine Frau.", Musikerin Birgit Denk über ihre TV-Sendung „Denk mit Kultur“. © Vanessa Hartmann

Wenn etwa über die „Systemrelevanz“ debattiert wurde, besänftigte Nadja Maleh ihre Wut mit Meditation, verrät sie. Zudem begann die facettenreiche Kabarettistin eine Ausbildung zur Achtsamkeitstrainer*in und bietet nunmehr ihre Präsentation- und Performance-Coachings auch online an. „Als kreativer Mensch sucht man immer neue Wege“, sagt sie beim Plaudern am Neusiedler See mit Birgit Denk. Die Musikerin gab sich während der Corona-Zeit dem Aufräumen hin: „In mir drinnen. Ich hab’ vielen meine Meinung geschrieben, ohne dass sie das eingefordert haben“, lacht sie. „Dabei hab’ ich Knoten gelöst, Knoten gekappt und neue Verbindungen geknüpft.“

 

BURGENLÄNDERIN: Kultur im Internet, was haltet ihr davon?

Nadja Maleh: Die Magie der echten Begegnung lässt sich nicht ersetzen. Ich vergleiche einen Auftritt mit einer Liebesbeziehung, weil man sich mit dem Publikum für einen Abend aufeinander einlässt. Das kann ein One-Night-Stand bleiben oder eine lange Beziehung werden. Aber jeder Abend ist einmalig.

Birgit Denk: Als wir (die Band „Denk“, Anm.) nach Monaten das erste Konzert spielen durften, hab’ ich mit den Tränen gekämpft. Weil ich in Gesichter geblickt habe, die geweint haben. Da werden die Mühen, die man als Musikerin hat – nicht nur in Corona-­Zeiten – ganz klein. Wenn Musik so bewegt, weiß ich, warum ich meinen Beruf mache.


Wie habt ihr euch kennengelernt?

Birgit: Ich hab’ Nadja für „Denk mit Kultur“ (ihre Talkshow auf ORF III, Anm.) eingeladen.

Nadja: Ich war nervös, weil ich mit Birgit auch singen musste! (Mittlerweile veröffentlichte sie zwei Alben, Anm.) Aber ich hab’ gespürt, die ist eine coole Socke, herzlich und ein „groder“ Michl – Michaela muss man sagen (lacht)!

Birgit: Bei manchen Leuten merkt man einfach, da will man mehr wissen, da hat man sich etwas zu geben. Dann ist Nadja auch noch so eine Umtriebige: Sie hat diese konspirativen Mädchentreffen ins Leben gerufen …

Nadja: Da führ’ ich meine Freundinnen aus allen Ecken zusammen. Wir tauschen uns aus, lachen, trinken Prosecco. Viele kennen sich vorher gar nicht, aber connecten sofort. Wenn ich dann über den Tisch schaue und manchmal 15 Frauen sehe, denke ich mir: Die Weltherrschaft wäre eine Option.


Was ist das Besondere an Frauenfreundschaften?

Birgit: Frauen muss man nicht ständig erklären, wie super man die andere findet. Das ist angenehm, wenn man sich angenommen fühlt, ohne die Leistung, die man ständig bringt. Es ist tatsächlich wurscht, ob die Nadja meine Musik super findet oder nicht.

Nadja: Ich steh’ auf deine Musik!

Birgit: In einer Frauenfreundschaft geht es vielmehr darum, wer ich bin. Dabei ist auch klar: Ich bin da für dich, rühr’ dich, wenn du mich brauchst.

Nadja: Es ist ein herzliches Geben und Nehmen, ein freudiger Austausch und total entspannt.


Männer nutzen ihre Netzwerke quasi schon immer auch beruflich, bei Frauen wird es auch mehr. Was meint ihr?

Birgit: Es wird besser. Ich mache seit 22 Jahren auf Radio Orange eine Sendung, da hat man mal zu mir gesagt, ich soll mehr Frauen spielen. Ich hab’ mir gedacht: Ich bin eh eine Frau, was wollt ihr von mir? Wenn ich eine Stunde lang Typen spielen will, dann mache ich das. Mittlerweile hat sich bei mir der Schalter umgelegt: Auch meine Gäste in der Fernsehsendung sind immer ein Mann und eine Frau. Von allein passiert nichts, erst wenn ich als Frau meine Mächtigkeit einsetze und auch andere Frauen in die erste Reihe stelle. Ich hab’ das von jungen Musikerinnen wie Mira Lu Kovacs oder Yasmo gelernt. Ich komme aus einer extrem männerlastigen Branche – und nach Seiler und Speer, Pizzera und Jaus warte ich sehr aufs erste Frauenduo.


Das Kabarett ist ähnlich männerlastig, oder?

Nadja: Vor wenigen Jahren erst hat eine sehr bekannte Tageszeitung „unsere besten Kabarettisten“ aufgelistet. Das waren sicher 30 Namen und ich schwöre, da war keine einzige Frau dabei. Niemand will Almosen, sondern einen Platz für unsere Leistung wie alle anderen.

Birgit Denk & Nadja Maleh
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"Niemand will Almosen, sondern einen Platz fürunsere Leistung wie alle anderen.", Kabarettistin Nadja Maleh (r.).

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Nadja, du hast ein Buch geschrieben: „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht …“ Worum geht es?

Nadja: Es geht darum, wie wir uns mit der eigenen Stärke verbinden können, die wir manchmal für andere zurücknehmen. Selbstliebe bedeutet: die Bedürfnisse wahrnehmen und leben. Ich selbst musste lernen, meine Frau zu stehen. Das ist manchmal schwer, weil ich keine bin, die rauspoltert. Es ist ein spielerisches Achtsamkeitsbuch mit lustigen Geschichten aus meinem Leben und konkreten Übungen; Selbst­entdeckung und Selbstfreundschaft sollen Freude machen.

 

Birgit, du warst für die Romy nominiert. Das Galakleid durften wir leider nur auf Facebook sehen …

Birgit: Ich hab’ mich wahnsinnig über die Nominierung gefreut. Ich wusste, dass ich nicht gewinnen werde, das war wurscht. Ich hab’ mich auf die Gala gefreut. Ich hätte jeden abgebusslt, in jede Kamera meinen Senf gegeben und hätte viel genetzwerkt. Dann kam die Absage (wegen Corona, Anm.) und ich hab’ geweint, weil ich mich so geärgert habe. Die Fernsehsendung, die sie dann gemacht haben, habe ich gut gefunden, nur wir Nominierten kommen nie wieder vor, das ist schade. Aber eine sehr gute Freundin hat mir ein Päckchen geschickt: mit einer selbstgebastelten Romy und einer Einladung zu einem privaten Galaabend. Das ist heute! Ich werfe mich in Schale, Alex (Horstmann, Lebenspartner und Bandkollege, Anm.) zieht sich den Anzug an und wir fahren nach Wien (lacht).


Ich muss leider abermals in Wunden wühlen. Ihr feiert heuer Band-Jubiläum …

Birgit: Macht nichts, die Wunden sind schon leicht vernarbt. Wir konnten tatsächlich eine ausverkaufte Tour nicht ausführen; viele Termine wurden verschoben, einige mussten abgesagt werden. Jetzt starten wir im Sommer (siehe www.bdenk.at) und haben so viel Spielfreude!


20 Jahre „Denk“. Wie habt ihr euch entwickelt?

Birgit: Die Menschen haben Partner gewechselt, Häuser gekauft, Kinder gekriegt – und all das spiegelt sich in unserer Freundschaft und musikalischen Großartigkeit wider. Es ist ein Privileg, immer mit denselben Leuten zu musizieren. Wir sind zaumgeheizt durchs gemeinsame Großwerden und durch „Denk mit Kultur“. Es gibt keine bessere Showband als meine Buam.


Nadja, du stehst seit 1997 auf der Bühne. Wie hast du es bisher erlebt?

Nadja: Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich mit eigenen Texten auf die Bühne zu stellen. Ich bin auch jedes Mal entzückt, wenn Leute kommen und Eintritt zahlen. Es ist ihre Lebenszeit! Davon habe ich als junge Künstlerin geträumt, deswegen gebe ich jeden Abend hundert Prozent (Termine: nadjamaleh.com). Ich bin Künstlerin mit Leib und Seele. Ich hab’ das Buch geschrieben, ich habe meine CDs, ich illustriere gerne, ich mache Regie, spiele … Ich hab’ ununterbrochen Ideen und zum Glück auch die Gabe, sie umzusetzen.


Birgit, du bist vor zehn Jahren ins Burgenland gezogen, Nadja, du kommst aus Wien gern hierher. Warum?

Nadja: Das liegt an diesem einmaligen Feeling am Neusiedler See. Wenn ich mich dann auch noch mit einer lieben Freundin treffe, dann ist es wirklich ein perfekter Tag.

Birgit: Während Corona bin ich in den Weinbergen spazieren gegangen, mit dem Rad nach Illmitz gefahren und ich hab’ Vögel gesehen! Die waren mir früher so wurscht, aber seit ich hier lebe, sehe ich sie sogar in meinem Garten.

Nadja: Ich hab’ eine Blumenerkennungsapp, das gibt’s sicher auch für Vögel.

Birgit: Meine App heißt Leopoldine (lacht). Das ist meine 89-jährige Oma aus Bad Deutsch Altenburg.


Du schickst ihr mit dem Handy Vogelfotos?

Birgit: Ja, das haben wir hingekriegt, weil wir uns ja nicht sehen konnten. Ehrlich: Ich liebe das Burgenland noch mehr, seit ich da festgesessen bin, weil es keinen schöneren Ort gibt, um nicht wegzukommen.