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People | 06.03.2017

The only ONE

Zum Valentinstag grübeln wir nicht über Scheidungsstatistiken, sondern interessieren uns für die besonderen Liebesgeschichten von Menschen. Lasst euer Herz aufgehen!

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©Tibor Csepregi

Katharina und Andreas Kainrath, Strebersdorf bei Lutzmannsburg

Als er zu arbeiten begann, robbte sie noch in Windeln herum. Sie ist 26, er 42 – aufgewachsen sind die beiden Mauer an Mauer, waren von Beginn an Nachbarn. Vor rund vier Jahren packte sie die Liebe, nur wenige Monate später sind sie bereits zusammengezogen und haben mit der Hausbauplanung begonnen. Geheiratet wurde im August 2016, im Oktober darauf fand der Einzug ins Eigenheim statt.

Katharina und Andreas Kainrath aus der 300-Seelen-Gemeinde Strebersdorf bei Lutzmannsburg sind vielleicht kein gewöhnliches Paar, aber dafür eines der humorvollsten. „Es gab nie die große Kennenlernphase bei uns, weil wir uns schon immer gekannt haben. Aber durch den großen Altersunterschied haben wir uns eigentlich nie füreinander interessiert.“ Als Katharina mit 22 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr beitrat, änderte sich das. Gleiche Interessen, gleicher Freundeskreis. Man entdeckte die Liebe zueinander, was anfangs natürlich für Aufsehen im Ort sorgte.

Katharina glaubt, dass ihre Liebe zu Andreas Schicksal war. Und 19 Flaschen Eierlikör, die im Laufe der Zeit geleert wurden, haben auch das ihre dazu getan, wie uns das Paar lachend erzählt. „Ich hab mir gedacht, was die anderen wohl sagen werden. Wir haben uns am Anfang ein paar Mal in Wien getroffen, wo es keiner mitbekam. Aber als Andi mich dann daheim am Maibaumfestl unter 200 Leuten abgeschmust hat, dachte ich mir, okay, jetzt wissen’s alle.“

Doch ist es nicht langweilig, wenn man den anderen schon sein Leben lang kennt? „Ich habe nie etwas anderes darstellen müssen, als ich bin“, erinnert sich Katharina und lacht, „weil er mich in allen Lebenslagen kannte. Und wenn man in Strebersdorf aufwächst, dann lebt man sowieso damit, dass man keine Geheimnisse vor irgendwem hat.“ Der Altersunterschied war ihnen von Beginn ihrer Liebesgeschichte an egal. „Es war nur manchmal Thema, weil es die anderen zu einem gemacht haben.“ Die beiden haben einen ausgeprägten Humor und nehmen sich selbst nicht allzu ernst – Streit gibt es eigentlich nie. „Viele Leute sagen immer, man muss miteinander streiten können. Bei uns stimmt das aber nicht. Wir sind in allen Grundsätzen auf einer Wellenlänge, manchmal gibt es Diskussionen über Fachfragen.“ In ihren Eigenschaften ergänzen sich die beiden ebenfalls: Sie, die Planerin und Kopfdenkerin, er, der in sich ruhende Bauchmensch. Besonders sind auch ihre Eheringe: Dort ist nämlich nicht der Name des jeweils anderen eingraviert, sondern der Herzschlag.

Katharina und Andreas Kainrath
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16 Jahre mehr Herzschläge – Katharina und Andreas Kainrath, Strebersdorf bei Lutzmannsburg ©Tibor Cspregi
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©beigestellt

Elsbeth und Alfred Dodel, Wiesfleck

Die vergangenen Monate waren schwer für das Ehepaar Dodel. Viele Monate musste Elsbeth im Spital verbringen. Der scharfsinnige Humor ist der körperlich etwas geschwächten Dame aber keineswegs ausgegangen. „Wieso er mürrisch schaut? Nach mehr als 60 Jahren Ehe darf er das schon“, scherzt die sympathische 82-Jährige, als unser Fotograf ihrem Ehemann ein Lächeln entlocken will.

Die Dodels zelebrierten 2015 ihre Diamantene Hochzeit. Dafür reisten sie in den Landesnorden, um in trauter Zweisamkeit ein paar romantische Tage zu verbringen – Fotoshooting inklusive. Nicht minder berührt ihre Liebesgeschichte. Ihren Anfang nahm sie mit einer Brieffreundschaft in der Nachkriegszeit: Alfred lebte damals in Wien, Elsbeth in Deutschland. Fotos wurden keine ausgetauscht, ein einziges Mal sahen sich die beiden, ehe sie Ja zueinander sagten. „Im Mai 1955 hieß es: ,Österreich ist frei‘ und bald darauf heirateten wir“, erinnert sie sich zurück. Der Frau Mama in Wien war Elsbeth glücklicherweise schon beim ersten Treffen sympathisch, verrät Alfred. Schwieriger war der bürokratische Hürdenlauf, weil sie aus Deutschland kam.

Die Liebe zum Reisen verband das Paar von Beginn an; gemeinsam erkundeten sie viele Länder rund um den Erdball, erlebten unvergessliche Abenteuer. „Weißt du noch: Damals in der Abenddämmerung auf dem Boot am Tigris …?“, kramt er vergnügt in seinen Erinnerungen – und sie kennt das Ende jeder einzelnen Geschichte auf Knopfdruck.

Heute sind die Dodels auf drei Kinder und sechs Enkelkinder stolz. Lange lebten sie in Mödling, ehe sie die Sehnsucht nach Landleben packte. So verliebten sie sich in das südburgenländische Wiesfleck und bauten dort in der Pension ihr „Aries Domus“, wie es auf der Mauer kunstvoll geschrieben steht: das Widder-Haus (als Anspielung auf ihrer beider Sternzeichen). Und das Geheimnis des mehr als sechs Jahrzehnte währenden, spürbaren Eheglücks? „Auch wir hatten schwierige Zeiten; man muss immer alles besprechen. Wichtig sind gegenseitige Achtung und Verständnis für jede Situation, in die der andere hineingerät“, schildert Elsbeth Dodel. „Und Liebe gehört auch dazu“, fügt ihr Alfred mit einem Augenzwinkern hinzu.

Elsbeth und Alfred Dodel
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Ihre Liebe entfachte eine Brieffreundschaft. ©beigestellt
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©Emmerich Mädl

Miteinander gewachsen – Irina und Johannes Wutzlhofer, Sigleß

Ihre erste Begegnung? „Er hat mich aufgezogen, ich mochte ihn gar nicht“, verrät sie. „Und nach einem Ball hat er mir zum Abschied die Hand gegeben. So förmlich, mit 17!“, empört sie sich lachend. Doch da war eine sehr, sehr gute Freundin, die das Knistern zwischen den beiden trotz allem spürte und der Sache charmant auf die Sprünge half. All das ist mehr als 20 Jahre her, Irina und Johannes Wutzlhofer, mittlerweile auch verheiratet, sind seit eben diesen Begegnungen ein Paar – und Eltern eines Sohnes.

Die Hürden, die unweigerlich in zwei Jahrzehnten kommen, meisterten die beiden im Team. So bauten sie ein Haus, ohne zuvor je zusammengelebt zu haben. Selbst ein Jahr Fernbeziehung, als Johannes Wutzlhofer, heute erfolgreicher Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Dax und Partner in Eisenstadt, in den USA studierte, hielt ihre Liebe aus. „Wenn man weiß, dass es passt, stellt so etwas eine Beziehung nicht in Frage“, findet er. Ob sie je das Gefühl hatten, etwas verpasst zu haben? „Nein. Wir waren beide jung, als wir uns kennengelernt haben – und sind so miteinander gewachsen“, beschreibt die Sigleßerin, die am Gymnasium Oberpullendorf mit Leib und Seele Religion unterrichtet. Während seine Wochen gar 80 Arbeitsstunden zählen, hat sie ihr Pensum reduziert, um für den vierjährigen Sohnemann da zu sein. „Er hat mich vorgewarnt: Er hat mir immer gesagt, dass er kein Mann ist, der von 9 bis 17 Uhr arbeitet. Aber: Wenn er da ist, zum Beispiel am Wochenende, ist er wirklich zu hundert Prozent für seinen Sohn, für uns als Familie da.“ – „Ich könnte all das nicht leisten, würde es familiär nicht passen“, ist er dankbar.

Die Notbremse ziehe sie allerdings schon, wenn es ihr zu viel wird. „Je weniger wir reden, desto mehr kann sich die Situation zuspitzen“, schmunzelt sie. „Wir streiten aber eigentlich nicht“, kontert er prompt. „Da folgt dann Irinas irrationale Stille“, müssen beide schließlich lachen.

Prickelnde Romantik geht sich vielleicht nicht täglich aus, aber sie hätten beide gelernt, gemeinsame Zeit effizient zu nutzen. „Und wenn es nur eine gemeinsame Autofahrt zu einem Termin ist“, schilderte Irina Wutzlhofer. Ein Fix-punkt in ihrem Kalender ist jedenfalls der Valentinstag: „Da werde ich immer schön ausgeführt“, erzählt sie. Und was wohl ihrer beider Glaskugel spricht? „Das Einzige, das wir fix beschlossen haben, ist, dass wir uns nie scheiden lassen werden“, sagt sie – und er nickt mit Nachdruck.

Irina und Johannes Wutzlhofer
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Miteinander gewachsen – Irina und Johannes Wutzlhofer, Sigleß ©beigestellt
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©Emmerich Mädl
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