Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 14.02.2017

Sei du selbst!

An einem idyllischen Plätzchen im Südburgenland lehrt ein Schamane den Menschen, zu sich selbst zu finden. Er räumt das aus dem Weg, was sie daran hindert, heil zu sein. Ein Selbstversuch mit Folgen.

Bild shutterstock_411820345.jpg
„Wie es uns geht, ist nicht abhängig von den Umständen, sondern davon, wie wir auf die Umstände reagieren. Und da ist die Frage, ob genügend Energie vorhanden ist und diese auch frei fließen kann.“ Georg O. Gschwandler ©Shutterstock

Leicht beängstigend, wenn dir ein Mann, der dich noch nie in deinem Leben gesehen hat, gleich mal erzählt, dass du einen Beckenschiefstand hast, deine rechte Unterleibsseite gerichtet gehört, du rechts oben in der Schulter verspannt bist, deine Handgelenke lautlos knacken, die Energie sich in deinem Kopf staut und deine Entzündungswerte ein bisschen erhöht sind. Selten hat man mich so lange Zeit sprachlos erlebt, als während dieses „Interviews“. Anführungszeichen deshalb, weil ich nicht viel gefragt habe. Auf mein erstauntes Gesicht nach seiner kurzen Diagnose klärte mich der Schamane und Curandero (= Heiler) Georg O. Gschwandler auf: „Das weiß im Prinzip jeder. Unsere energetischen Systeme tauschen sich schon die ganze Zeit miteinander aus, seit Sie aus dem Auto gestiegen sind und wir uns kennengelernt haben. Das ist nichts anderes, als wenn Sie sich einem Menschen gegenüber nicht wohl fühlen. Und im Nachhinein kommen Sie drauf, das ist ein linker Hund. Ich sehe halt während der Begegnung schon genauer hin.“ Das konnte der heute 50-Jährige auch nicht schon immer. Und er betont, dass er keine Diagnosen und Behandlungen im medizinisch-therapeutischen Sinne anbieten kann. Als er in seiner Jugendzeit schwer krank wurde und an Epilepsie litt, durchlebte er eine gewaltige Krise. „Ich habe alles rausgebrüllt, geschrien und getobt. Ich bin ein rationaler Mensch, aber trotzdem passierte dann etwas. Irgendwie hat irgendwas zu mir gesprochen und ich wusste plötzlich, was ich machen musste. Es zwingt einem gewisse Handlungen auf. Das ging dann über zwei bis drei Jahre so. Ich wusste nicht, was ich tat und warum. Irgendwann hat mir dann mal jemand gesagt, das ist Schamanismus, was ich da mache. Kommunikation mit der beseelten Natur, aufgrund eines Muss, nicht weil ich will. Gesundheitlich ging es mir besser und die Krankheit trat in den Hintergrund.“

 

Der schwarze Jaguar

Das Schlüsselerlebnis passierte dann bei seinem Job als Pfleger in einem Altenheim vor rund 30 Jahren. „Die Putzfrau hat sich beim Entfernen eines Topfes heiße Flüssigkeit über die Hände geschüttet. Sie hat furchtbar gebrüllt, vermutlich Verbrennungen dritten Grades, wir alle waren aufgeregt. Aus irgendeinem Impuls heraus, habe ich ihre Hände genommen und so gemacht (wischt mit seinen Handflächen über meine Handflächen). Sie hörte auf und wir brachten sie ins Krankenhaus. Dort kam die Diagnose, ihr fehle nichts. Das war der Zeitpunkt, wo ich angefangen hab zu behandeln.“ Die Jahre danach waren voll von skurrilen und faszinierenden Erlebnissen. Doch plötzlich wurde Gschwandler wieder krank: Morbus Scheuermann (deformierende Rücken-erkrankung). Sämtliche Therapien waren erfolglos. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits guten Kontakt zu meinem Krafttier, dem schwarzen Jaguar. Der sagte mir dann, dass ich allein nach Ecuador gehen soll, zu den Shuar-Indianern, dort lebe ein Schamane, der warte auf mich. Zuerst dachte ich mir, ja genau. Aber dann wusste ich, dass ich meinem Krafttier vertrauen kann. Weil so habe ich ja auch meine Frau kennengelernt.“ Seine Frau Heidi arbeitete damals in einem Heilsteingeschäft, hatte zwei Kinder und war geschieden, wollte eigentlich „ihre Ruhe haben“. „Meine Krafttiere sagten zu mir: ‚Geh in dieses Geschäft, dort ist eine Blonde drin. Geh hinein und sag ihr, ich schicke dich.‘ Das ist die blödeste Anmache, die es gibt. Aber seitdem sind wir zusammen. Ich weiß, dass das alles sehr strange klingt, aber wenn man es erlebt, dann weiß man, dass es wahr ist. Du brauchst selber Monate, um das zu verarbeiten, weil das macht was mit dir.“

 

 

Bild _EM48800.jpg
Georg O. Gschwandler ist Heiler und Schamane. Der gebürtige Tiroler ist bereits um die halbe Welt gereist und lebt seit acht Jahren mit seiner Frau Heidi im Bezirk Jennersdorf. ©Emmerich Mädl

"Ich weiß, was dir fehlt."

Und darum gehe es beim Schamanismus im Unterschied zur Esoterik. „Man muss an nichts glauben, die Menschen kommen nicht zu mir und müssen mir ihre Leidensgeschichte erzählen. Ich weiß, was ihnen fehlt oder wovon sie zu viel haben. Und das behandle ich. Meine Klienten bekommen eine Behandlung und keine Besprechung.“ Gesagt, getan, wurde auch an mir besagte Behandlung durchgeführt. Und es war faszinierend. Nach einigen praktischen Beispielen, wozu der Energiekörper des Menschen imstande ist, wurde ich aus meiner wohligen Komfortzone geholt. Die Behandlung war nicht ganz schmerzfrei, aber energetische Blockaden wurden angeblich gelöst und mein Körper energetisch gereinigt. Die Rassel, die Trommel, die Federn, die Düfte, das spanische Gemurmel in Kombination mit den Behandlungsgriffen – wirklich ein Erlebnis. Abschließend stand ich in einem (realen) Flammenkreis und war etwas benommen. Das Gefühl nach der Behandlung war wohlig schwummrig, als ob ich auf Wolken gehen würde.

Wie neu geboren

Bei der schamanischen Behandlung gehe es darum, das aus dem Weg zu räumen, was es schwer macht, das zu tun, was man tun sollte. Eine neue Sicht der Dinge zu ermöglichen, alte Prägungen zu verlieren. „Das Leben ist eh so ehrlich. Der Umstand offenbart immer deinen Zustand. Manche sagen: ‚Ich krieg immer die falschen Partner.‘ Nein, das sind immer die, die in deinem Zustand zu dir passen. Wenn ich etwas verändern will, dann muss ich mich selbst ändern. Meine Energie in die Mitte bekommen. Jeder kann das lernen.“ Mehrere Reisen nach Ecuador und Mexiko und die dortige Einweihung in das traditionelle Heilwissen des Schamanismus und Curanderismo gaben dem Heiler die geistigen Werkzeuge für seine Arbeit mit. Die Schulmedizin stehe ihm zur Seite, er sei nicht gegen sie. Seit acht Jahren ist das Südburgenland seine Heimat. „Wir kamen von Tirol ins Burgenland, weil das, was wir wollten, dort nicht leistbar ist. Hier haben wir unser Juwel gefunden. Das Haus und das große Grundstück. Wir haben hier eine 50 m2 große Jurte gebaut und den Schwitzhüttenplatz angelegt.“ Ach ja, die Schwitzhütten. 25–30 Menschen auf engstem Raum, leicht bekleidet, es ist stockdunkel und heiß. Ein Reinigungsritual, nach dem sich die Teilnehmer angeblich wie neu geboren fühlen. Wo auf das Wesentliche reduziert wird. Das ruft nach einem weiteren Selbstversuch … www.curandero.at

Impressionen
Bild _EM48812.jpg
In Mexiko wurde Georg Gschwandler von einem Curandero zum Heiler initiiert. „Südburgenland ist das Mexiko Österreichs, hier ist alles so entspannt.“ ©Emmerich Mädl
Bild _EM48768.jpg
Die gemütliche Jurte (mongolisches Rundzelt) auf seinem Grundstück ist Teil vieler Seminare und Kurse, die Gschwandler im Südburgenland gibt. ©Emmerich Mädl
Bild _EM48868.jpg
Das Zeitgefühl geht bei der Behandlung komplett flöten. Das Erlebnis ist intensiv. ©Emmerich Mädl
Bild _EM48846.jpg
©Emmerich Mädl
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus