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People | 06.06.2017

Papa macht Pop

Früher waren es vorrangig Konzertnächte, heute kann auch mal ein durchbrechender Zahn für den Schlafmangel verantwortlich sein. Die Herren der Band Garish im Interview übers Vaterwerden, Kindervermissen auf Tour, famose Partnerinnen und das aktuelle Album „Komm schwarzer Kater“.

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© Julia Grandegger

Am Anfang dieser Geschichte stand eine Vision. Je näher der Drucktermin rückte, desto mehr schien sie Utopie zu werden …Garish gehört nicht „nur“ als Band zu den musikalischen Aushängeschildern des Landes; dahinter stehen vier Künstler, die auch für sich jeweils vielfältig kreative Wege gehen. Ein Bandfoto? Hat man im Talon. Ein Foto der nordburgenländischen Combo mit Kindern? „Puh“, entfuhr es Mastermind Tom Jarmer ob der Spezialbitte unsererseits. Der Koordinationsaufwand für das Shooting inklusive Minis – einige leben heute in Wien – war nicht ohne. Ein Riesendankeschön darum an alle; auch an die wunderbare Fotografin Julia Grandegger, die die Herren seit ihrer Gründung begleitet. Eben die fand vor unglaublichen 20 Jahren statt; 2017 veröffentlicht Garish erstmals zu viert – Christoph Jarmer schied kürzlich aus der Band aus – das siebente Album namens „Komm schwarzer Kater“.

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Tom Jarmer mit Sohnemann Leo, 5 © Julia Grandegger

BURGENLÄNDERIN: Welcher schwarzer Kater soll denn kommen?

Tom Jarmer: Ich hab’ eine leidenschaftliche Katzen-Allergie, trotzdem sind mir diese Tiere sehr sympathisch. Diese Ambivalenz passte letzten Sommer schön, als das Album entstand. In der Türkei, den USA, aber auch hierzulande – Turbulenzen überall, Wahlkampf, Phrasendrescherei. Da fragte ich mich: Was macht das mit mir? Welche Antwort kann man als Teil einer aufgeklärten Gesellschaft darauf geben? Daraus entwickelte sich die Attitüde, dass man sich einen Schritt auf den Unglücksbringer, auf den schwarzen Kater zubewegt. Stichwort: Initiative und Courage statt Wegducken. Meine Bildsprache war immer sehr interpretierbar; jetzt sollte klar verständlich sein, um was es hier geht.

Um politische Inhalte?

Das ist kein politisches Album, aber: ein politischer Anlass! Der Reiz liegt darin, die großen politischen -Zusammenhänge ein bisschen ins Private zu holen, ins Zwischenmenschliche.

Wie hat es euch verändert, dass ihr Väter geworden seid, wer war der Erste?

Ich war der Erste! Da waren natürlich ein paar Dinge, die ich erklären musste (lacht). Warum ich die ganze Nacht nicht geschlafen habe – und ob ich deswegen nicht so gut drauf bin? Ja! Erklärungsbedarf gab es bei der Tourplanung; für uns als Jungfamilie war viel Abstimmung notwendig. Heute sind wir alle Väter; die Zeit, die wir jetzt für die Band haben, muss effektiver sein, als sie früher war.

Geht Kreativsein unter Druck?

Ich mag’s nicht gern, aber ich weiß, dass ein gewisser Druck der Sache förderlich ist. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das Album in der Zeit schaffen, die wir uns vorgenommen haben. Gerade das Texten ist unberechenbar, langwierig, anstrengend. Das Gute ist: Es geht überall. Schon das letzte Album habe ich oft mit einem Kinderwagen in der Hand geschrieben.

Deine Frau Lis ist Sprachtherapeutin und in Kürze erwartet ihr euer zweites Kind. Wer ist wofür zuständig?

Je nachdem, wer wie viel Zeit hat – dynamisch (lacht). Wir haben keine genaue Rollenverteilung. Dass wir selbstständig sind, finden wir gut für unser Familienleben: Wir können uns viel selbst einteilen. Leo geht in eine elternverwaltete Kindergruppe; da sind wir beide sehr involviert.

Du bist auch als Filmmusik-Komponist unter anderem für die Regisseurin und Drehbuchautorin Elisabeth Scharang tätig sowie selbstständiger Grafiker …

Die grafische Arbeit ist quasi der Brotberuf – und der richtige Ausgleich zur Musik. Das passiert viel allein im Stillen, konzentriert, linear – ob ich nun ein Logo entwickle oder an der grafischen Gestaltung für Filme arbeite.

Wie bist du als Papa?

Wir singen viel, Leo hat mich sogar The Beach Boys wiederentdecken lassen (lacht). Ich will aufmerksam sein dafür, was ihm Freude macht, und eben das in den Fokus rücken.

Später, nach dem Interview folgte zu dieser Frage noch ein charmanter Nachrichtenregen via Handy. Ein Auszug:

Ich bemüh’ mich, ein guter Reiseleiter für meinen Junior zu sein, und damit ist die große Aufgabe verbunden, ein Weltbild zu vermitteln, das Mitgefühl und Initiative genauso beinhaltet, wie die Bewusstseinsbildung für die eigenen Wünsche und Stärken … Ich will Gelassenheit aufbringen, um Umwege und Enttäuschungen zuzulassen, mit denen er konfrontiert ist/sein wird, um zu verstehen, um daran zu wachsen. Das ist eine der härtesten Übungen …


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Julian Schneeberger und sein Junior Oskar, 4 © Julia Grandegger

Ein bissl Kind bleiben

Seit mehr als zwölf Jahren sind Lisi Kisela und Julian Schneeberger ein Paar, Oskar ist 4. Sein Papa spielt in verschiedenen Formationen: bei Bo Candy, Bernhard Eder, Worried Man & Worried Boy, Auf Pomali – und ist Gitarrelehrer.

Wie hat dich das Vatersein verändert?

Ich lerne viel, auch über mich. Ich bin vielleicht gelassener in gewissen Situationen, nach dem Motto: Was soll mich da noch umhauen? (Lacht) Und fokussierter: Wenn ich Zeit für mich habe, nutze ich sie intensiver. Auch bei der Musik: Da gibt’s kein „schau ma moi“ mehr.

Wie hast du die garish-Tour im Frühjahr erlebt?

Der Stellenwert ist extrem hoch, weil man sich wertvolle Zeit dafür nimmt, weil es viel Vorbereitung braucht. Es war fast zu schnell vorbei. Die elf Konzerte waren sehr erfolgreich – und es war super zu sehen, dass sich die Energie auszahlt.

Wie viel muss deine Partnerin zurückstecken, damit all das klappt?

Natürlich muss die Familie mitspielen! Wir versuchen trotzdem „halbe-halbe“. Wenn ich von Donnerstag bis Sonntag weg bin, bemühe ich mich, dass ich in der anderen Wochenhälfte möglichst viel für die Familie da bin, koche auch und wasche...

Was hältst du vom Vatertag?

Ich finde den Mutter- und den Vatertag schön, fände es aber schade, wenn sich die Wertschätzung auf einen Tag einschränkt.

Wie bist du als Papa?

Ich versuche gewissen Prinzipien treu zu bleiben: Schlafengehen ohne Zähneputzen geht nicht! Manchmal ist es schwierig, cool zu bleiben, beispielsweise bei so manchen Patzereien beim Essen (lacht). Gleichzeitig will ich auch ein bissl Kind bleiben, viel Spaß beim Spielen mit Oskar haben!


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Kurt Grath ist Papa von Josefine, 2 © Julia Grandegger

Nächtliches Grübeln

Kurt und Verena Grath sind die Eltern der zweijährigen Josefine. Neben Garish spielt er bei Die Präsidenten und im Haydnorchester und unterrichtet an den Musikschulen Eisenstadt und Mattersburg E-Bass und Kontrabass.

Wie hast du die Tour im Papamodus erlebt?

Nicht so anders als zuvor. Witzig ist die Vorstellung von einem Bandmusiker als cooler Typ. Ich aber war vielleicht vor dem Konzert noch kurz beim Kinderarzt oder habe die Nacht zuvor nicht geschlafen, weil Josefine wach war (lacht).

Wie lebt ihr eure Rollen in der Familie?

Josefine ist noch klein, vielleicht auch dadurch noch eher klassisch: Verena kümmert sich verstärkt um sie, steckt auch beruflich zurück.

Wie bist du als Papa?

Ich bin der gute Cop (lacht). Das ist sicher oft so, dass Mütter die strengeren sein müssen. Wenn ich abends beispielsweise vom Unterrichten heimkomme, dann erlaube ich Josefine vielleicht mehr, damit sie nicht weint in der kurzen Zeit, in der ich sie sehe. Wenn ich dann im Bett liege, grüble ich schon, ob und wie ich etwas ändern könnte, um mehr Zeit zu haben. Einmal in der Woche haben wir einen fixen Tag zusammen; da ist Verena arbeiten.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass wir gesund bleiben, genug Zeit für die Familie bleibt und ich trotzdem meinen musikalischen Weg gehen kann.

Vier Väter, viele eigene Projekte, auch geografisch etwas verstreut. Wie bringt ihr Probentermine zusammen?

(Lacht) Meistens nimmt das Julian in die Hand, schickt zehn Termine aus – und dann bleiben meistens zwei über, bei denen vielleicht nur zwei Leute jeweils einen Termin absagen müssen.


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Max Perner und sein abenteuerfreudiger Wenzel, 2 © Julia Grandegger

Skypen mit dem Sohn

Wenzel, 2, ist der Sohn von Julia Grandegger und Max Perner. Der Schlagzeuger spielt neben Garish etwa bei Thees Uhlmann und tourt auch mit anderen Formationen; zudem ist er (Film-)Musikproduzent.

Wie hat dich das Vatersein verändert?

Ich musste lernen, zurückzustecken. In gewissen Dingen bin ich gelassener geworden; es muss nicht immer alles perfekt sein. Es taugt mir schon sehr, dass es da jemanden gibt, dem ich zeigen darf, wie er gut durchs Leben kommt. Das ist aber eine irrsinnig große Aufgabe!

Wie klappte es mit der Tour?

In erster Linie brauchst du eine verständnisvolle Partnerin; ich finde es super, dass Julia akzeptiert, dass ich mich für die Selbstständigkeit entschieden habe! Für uns war die Garish-Tour nicht so arg: Ich war im Vorjahr mit anderen Bands in Europa unterwegs und sogar drei Wochen auf Amerika-Tour. Das ist hart: Wenn du in einem Hotel sitzt und dein Sohn dich via Skype fragt, wann du nach Hause kommst. Da hast du schon Angst, dass du zu viel versäumst, dass er den Bezug verliert. War aber nicht so; er war superhappy, als ich daheim war! Wir sind beide selbstständig; das macht auch Druck. Andererseits nehmen wir uns immer wieder mal ein paar Tage für Kurzurlaube.

Wie teilt ihr die Aufgaben auf?

Ich putze die Wohnung, das entspannt mich, die Wäsche macht eher Julia. Je nachdem, wer wie viel Zeit hat, teilen wir das auf.

Wie bist du als Papa?

Teilweise entspannt, dann wieder hätte ich gerne mehr Geduld. Ich glaub, ich bin ein lustiger; Julia rügt mich manchmal, wenn ich zu oft der gute Cop bin. Ich kann schon streng sein, aber Wenzel soll auch seine Erfahrungen machen und ich bin ebenso für Blödsinn zu haben.

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