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People | 07.07.2017

C'est ma vie

Ihr Herz schlug für Jeremy und das Jonglieren: So zog Sabine Koller nach Paris, um dort als international gefragte Jongleuse und Harfenistin glücklich zu werden. Das faszinierende Leben der zweifachen Mama und warum sie Jahr für Jahr ins Südburgenland heimkehrt.

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© Thomas Muselet, Thomas Graindorge, Erwin Muik, Arnaud Montant, beigestellt

Sie sieht sie heute noch vor ihrem geistigen Auge: „Sie war wunderhübsch und eine tolle Jazztanz-Lehrerin“, sagt Sabine James. Die Kunst genoss in ihrer Familie stets einen hohen Stellenwert; das kreative Feuer in ihr hatte die Pädagogin an der Hauptschule Güssing entfacht. Als sie die Schule verließ, fackelte die damals 13-jährige Sabine nicht lange: „Ich bot dem Direktor an, den Jazz-Unterricht zu übernehmen.“ Damit schlug sie intuitiv das erste Kapitel im bunten Buch ihres Künstlerlebens auf.

Heute ist Sabine James Jongleuse mit Kristallkugeln, mit Feuer und Led-Lichtern, sie ist Zauberin, Harfenistin – und künstlerische Leiterin der Burgspiele Güssing. Eben dafür kehrt sie Sommer für Sommer ins Südburgenland heim, denn eigentlich lebt sie mit ihrer Familie auf einem Hausboot in -Paris … Et voilà: Ein Einblick in eine ungewöhnliche Karriere, die an der Hauptschule Güssing ihren Anfang nahm.

Schüchtern in der Großstadt

Sie durfte damals schließlich in der Tat ihre Freundinnen trainieren, ließ sich Choreografien einfallen und die Gruppe trat sogar öffentlich auf. In Wien, nach der Matura, sah die Welt für die junge Südburgenländerin prompt anders aus: „Ich wollte etwas Kreatives machen, war aber für alles zu schüchtern. Musical und Theater hätten mir gefallen, aber ich habe mich nicht vorsprechen getraut, genierte mich sogar für meinen Dialekt“, erinnert sie sich. Sie entscheidet sich für ihre andere Leidenschaft: die Sprachen. Ein Zufall war es freilich keiner, dass sie als Englisch- und Französisch-Studentin über ein Freizeit-Kursbuch der Sportuni stolperte. „Das wurde mein Katalog für die weite Welt! Ich habe dort ganz günstig alles belegt, was ich nur konnte: orientalischen Tanz, Pantomime, Jonglieren, sogar mit Ballett habe ich mit 19 Jahren angefangen.“ Damit war der Bann gebrochen, schon bald gründete sie mit Freunden eine Jongliergruppe.

1993 reiste sie zum europäischen Jonglierfestival in England. „Das war unglaublich: ein Campus mit 2.000 Jongleuren, mit Paraden und Workshops“, erinnert sie sich. Am vorletzten Tag begegnet sie schließlich jenem jungen Herrn, der ihr schon bei der Ankunft aufgefallen war. „Wir aßen zu Mittag, lachten, plauderten und verbrachten schließlich die letzten Tage zusammen.“ Der Abschied kam schnell; das Herz wurde schwer, als sie feststellten, keine Adressen ausgetauscht zu haben. „Handys gab es da noch nicht und es waren erst die Anfänge des Internets.“

Zwei Jahre später folgt bei einem Festival die Überraschung. „Erinnerst du dich an mich?“, fragte sie Jeremy James, den Ringe-Jongleur aus Irland, der ihr nie aus dem Kopf gegangen war. „Wo warst du die letzten zwei Jahre?“, entgegnete er. Von da an waren die beiden unzertrennlich …

Es folgte aber eine harte Zeit der Fernbeziehung: zwischen Wien und seiner Wahlheimat Paris. Mit einem Job über die Uni kommt sie schließlich nach Frankreich und kehrt von da an nur noch für Auftritte oder als Besucherin ins Burgenland heim. Schnell fasst Sabine James in der Welt der Zirkusartisten Fuß; bereist mit ihrem heutigen Mann und spektakulären Programmen die Welt.

2003 verändert eine Internet-Annonce das Leben des Paares: Sie verlieben sich in ein knapp 30 Meter langes und fünf Meter breites Fischerboot, Baujahr 1915. Es soll ihr Zuhause auf der Seine werden. Tatsächlich holen sie „Stern“, so der Bootsname, aus Amsterdam nach Paris – und krempeln zunächst die Ärmeln hoch, um es in Eigenregie wohntauglich zu machen. Heute bietet „Stern“ auf mehr als 100 Quadratmetern Wohnfläche das – stets fahrtüchtige – Zuhause für die vierköpfige Familie: in Villeneuve La Garenne, einem Vorort von Paris. Wie sich das anfühlt? „Das ist ein großes, schweres Boot. Den Regen hört man stärker auf dem Metalldach prasseln, aber die Wellen spürt man maximal ein bisschen, wenn ein großer Frachter vorbeifährt.“

 

Sabine James
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CRAZY CHICKEN. Mit Jakub Rizman.
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KREATIVES QUARTETT. Ehepaar James mit Josephine und Samuel.
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AUF DEM WASSER ZU HAUSE. Das Hausboot der Familie James auf der Seine.

Lady Gaga mit der Harfe

Doch  zurück zum Zirkusleben, das der facettenreichen Künstlerin schließlich nach neun Jahren nicht mehr bunt genug war. „Es fühlte sich nach Fließbandarbeit an, also begann ich Harfe zu spielen“, lacht sie. Und zwar ganz intensiv und professionell. Dabei unternahm sie eine musikalische Reise von Klassik und keltischen Melodien über Jazz und Swing, bis sie ihr heutiger musikalischer Partner, der Slowake Jakub Rizman, zum Pop führte. Als „Crazy Chicken“ verblüffen die beiden mit schrägen Kostümen und einem Programm, in dem sie gar vor „Lady Gaga“-Scheiben nicht zurückschrecken.

Auch mit ihren Soloprogrammen – am beliebtesten sind derzeit ihre Shows mit Led-Lichtern oder Kristallkugeln – bereist Sabine James die Welt: Jüngst trat sie in Mumbai, Casablanca, Istanbul oder Palermo auf. Wie das als Mama zweier Kinder geht? „Organisationssache“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Ihr Mann Jeremy arbeitet heute in einem renommierten Unternehmen für Jonglierartikel – mit recht fixen Arbeitszeiten. „Oft kommt er abends nach Hause und ich fahre zu meinen Auftritten; wenn ich im Ausland bin, kann er sich schon mal freinehmen oder meine Mama kommt her.“

Homecoming

Einmal im Jahr, und zwar seit der ersten Schwangerschaft 2008, werden sowieso Kind und Kegel eingepackt, um den Sommer im Südburgenland zu verbringen. Bei den Burgspielen Güssing, die ihre Eltern, das Ehepaar Koller, mit einem engagierten Team aufbauten, ist sie künstlerische Leiterin und Regisseurin. Heuer steht für Erwachsene „Ein Sommernachtstraum“ nach Shakespeare am Programm; das Jugendensemble spielt „Die Goldene Gans“. „Da sind auch unsere Kinder schon dabei“, sagt Sabine James.

Josephine, 8, und Samuel, 6, wachsen dreisprachig auf. In der Schule wird Französisch gelernt, daheim wird mit Mama Deutsch und mit Papa Englisch parliert. Fast kitschig schön ist es, wie sich der Kreis schließt: Denn während sie einst schüchtern ihr Burgenländisch zu verbergen versuchte, liegt es Sabine James heute am Herzen, dass die Kinder in ihrer Heimat auch sprachlich integriert sind. Also dürfen die beiden stets ab Burgspiele-Produktionsbeginn im Juni mit ihren hiesigen Freunden die Volksschule in Güssing besuchen, in der einst schon Frau Mama die Bank drückte.

 

Sabine James demnächst in Österreich:

Burgspiele Güssing; ab 8. Juli:
„Die Goldene Gans“ mit dem Jugend-ensemble (Regie, Bearbeitung, Lieder von Sabine James); 19. Juli bis 14. August: „Ein Sommernachtstraum“ (Fassung, Regie, Harfe, Schauspiel, Jonglieren).

www.burgspiele.eu
www.sabinejames.com