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People | 10.10.2017

Simone Fuith

Ihr Elternhaus in St. Margarethen bleibt ihr Zufluchtsort vor der Hektik der Großstadt – und Energiequell für große Zukunftsvisionen.

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„Ich habe Zeit gebraucht, um zu wissen: Ich kann das!“ Simone Fuith, Schauspielerin © Marisa Vranjes

Einen Plan B hatte sie nie. „Für mich gab es nur das eine: Ich wollte Schauspielerin werden. Ich wusste nur nicht, wie“, lacht Simone Fuith  in die nachmittägliche Stille des Cafés Rüdigerhof in Wien. Die gemusterten Samtbezüge, die Luster und der knarrende Boden umrahmen schön die Erinnerungen an eine analoge Kindheit: „Googeln konnte ich es ja nicht, es gab noch kein Internet.“

Sie war im Volksschulalter, als sie der Publikumszuspruch im Altersheim für ihre „Knecht Ruprecht“-Darbietung dermaßen bewegte, dass sie sich kein anderes Leben als jenes im Rampenlicht vorstellen konnte. Ambitionierte Kurzfilme, erfunden und umgesetzt in Kollaboration mit dem Bruder, taten das Ihre dazu: Nach den Pflichtschuljahren musste es zunächst von St. Margarethen nach Wien gehen. „In die Kosmetikfachschule! Mein Plan war: Ich werde Visagistin, komme zum Film und werde entdeckt.“

Simone Fuith hat gerade ihre Ausbildung absolviert, als eine eingeweihte Freundin ein Plakat einer Schauspielschule sieht. „Es war einmal und es war einmal schön, da ist nichts zu erklären und niemand hat Schuld …“, rezitiert sie jenes Lied von Erika Pluhar, das ihr beim Vorsprechen die Tür zu gleich zwei Schauspielschulen öffnet. Die Platte, auf der sie es das erste Mal gehört hatte, gehörte ihren Eltern, die in St. Margarethen 30 Jahre hindurch ein Gasthaus betrieben. Der Opa, der ein Maler war, Mama und Papa, die den Austausch mit Kreativen schätzten, boten den drei Geschwistern einen offenbar inspirierenden Boden: Silvia wurde Keramikerin, Simone und Michael Schauspieler.

Vom Fleck weg engagiert.

Simone Fuith studiert schließlich an der Pygmalion Schauspielschule, „einer Brecht-gerichteten Schule, durch die ich eine wirklich intuitive Schauspielerin wurde. Danach konnte ich mich endlich freispielen“, schwärmt sie. Eines Abends sieht die große Krista Stadler die junge Burgenländerin und empfiehlt sie der Kleinen Komödie in der Walfischgasse, wo sie der Direktor vom Fleck weg engagiert. „Ich spielte ,Ein Käfig voller Narren‘, danach folgte eine schöne Rolle nach der anderen. Ich lernte Kurt Huemer kennen, der mich für ,Mariandl‘ ans Stadttheater nach St. Pölten mitnahm, ich spielte bei den Sommerfestspielen in Laxenburg – ich musste gar nicht vorsprechen, es hat einfach immer gepasst.“ Auf die fast kitschig schönen Jahre im Boulevard-theater folgt eine abenteuerliche Zeit in der Off-Szene, in der für die Miete auch schon mal gekellnert werden muss. Als Kurt Huemer die Augen für immer und die Kleine Komödie in der Wal-fischgasse ihre Pforten schließen, wird Simone Fuiths Sehnsucht nach der Kamera groß.

FILM-Fotos
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TATORT mit Harald Krassnitzer.
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In „Wehrlos“ spielt sie die naive Kriminelle Daniela.
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WANNABE. Simone Fuith als Teenager-Mama in Jannis Lenz’ viel gelobtem Kurzfilm.

Heiß begehrte Branche.

Sie bemüht sich um ehrgeizige Projekte an der Filmakademie, Kurzfilme folgen. Einer dieser ist etwa Jannis Lenz’ aktueller Streifen „Wannabe“, in der Simone Fuith die Mutter einer Jugendlichen gibt, die nichts sehnlicher als ein YouTube-Star werden möchte (sehenswert!). Sie hält dem Theater weiterhin die Treue, spielt etwa im Sommertheater Neulengbach und würde nur zu gerne bei den Schlossspielen Kobersdorf auftreten. Doch der Film, „diese heiß begehrte Branche“, übt einen magischen Reiz auf sie aus. „Menschen darstellen, die unter ganz anderen Bedingungen aufgewachsen sind und leben, sich selbst dabei total herausnehmen und mit viel Einfühlungsvermögen in das Leben anderer einschleichen – das ist eine ganz starke, faszinierende Fein-arbeit“, sagt sie.

Es war quasi Neuland, das es nach vielen Bühnenjahren zu bearbeiten galt. Und doch kam für die leidenschaftliche Mimin das Aufgeben nie in Frage. „Gehadert habe ich schon, wenn mal eine Absage gekommen ist. Doch wenn ich den Schmerz, die Wut und die Enttäuschung zugelassen habe und ich mich dann immer gefragt habe, ob ich mir das wirklich weiter antun will, kam immer ein klares Ja! Ich bin wie ein Stehaufmandl“, erzählt Simone Fuith. „Und auf einen Durchhänger folgt immer ein neues Projekt.“

Vorstadtweiber.

Und Neues gab es in jüngster Vergangenheit so einiges: So spielte sie in „Tatort: Wehrlos“, schlüpft für die erfolgreiche ORF-Serie „Vorstadtweiber“ in die Rolle von Caros Schwester, dreht für „Soko Kitzbühel“ und die Komödie „Herrgott für Anfänger“.  Und wie es weitergehen soll? „Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um das Selbstbewusstsein zu kriegen und um zu wissen: Ich kann das! Ich will drehen – und zwar vor allem Hauptrollen, starke Frauencharaktere. Es wäre eine Ehre, in die Riege der Tatort-Ermittlerinnen aufzusteigen, und sehr gerne möchte ich mit dem burgenländischen Regisseur Wolfgang Murnberger zusammenarbeiten“, verrät sie.

Starke Familienbande.

Rückenstärkung bekommt sie von ihrem Lebensgefährten, der seine Kreativität in das Entwickeln von Computerspielen packt – und von ihrem Bruder Michael. Mit etwas zeitlichem Abstand war er der „großen“ Schwester in die Filmbranche gefolgt; 2011 stand sie an seiner Seite am Red Carpet in Cannes, als dort die Premiere des aufrüttelnden Films „Michael“ von Markus Schleinzer lief. Michael Fuith hatte darin die herausfordernde Rolle eines Pädophilen übernommen. „Das war richtig harter Tobak, wir haben uns oft nach Drehtagen zum Reden zusammengesetzt“, erzählt sie.

Konkurrenzgefühle sei den beiden Geschwistern stets fremd gewesen. „Wir unterstützen uns immer gegenseitig und freuen uns für den anderen.“ Der Zusammenhalt sei überhaupt eng. Die Zeit mit der Familie in St. Margarethen, wo die Fuiths nun – seit die Eltern das Gasthaus geschlossen haben – die Feiertage endlich feiern können, wie sie fallen, empfindet sie als ein Geschenk. Und irgendwann möchte Simone Fuith auch selbst ein kleines Haus im Burgenland haben. „Mit einem Gemüsegarten, Hendln und eigenen Eiern“, schmunzelt sie.

WORDRAP mit Simone Fuith

SELFIE. Mit Redakteurin V. Kery-Erdélyi

 

Wie startest du in den Tag? Mit Tee und meinen Morgenseiten. Ich schreibe jegliche Gedanken nieder, die mir durch den Kopf gehen. Das ist so befreiend! Ich mache das schon seit zehn Jahren.

Das inspiriert mich … Romy Schneider und französische Filme. Ich liebe die Drehbücher von Claude Sautet; seine Frauenrollen sind „alltäglich“ und trotzdem so besonders.

So bereite ich mich auf eine Rolle vor … Ich lese das Drehbuch ganz genau – und zwar nicht nur meine Szenen. Ich suche nach jeder Kleinigkeit, nach jedem Hinweis über meinen Charakter, um mir ein ganz genaues Bild machen zu können.

Vor dem Dreh … Mache ich mentales Training und Atemübungen zum Zentrieren, zum Runterholen. Spätestens in der Maske kommt dann eine ganz starke Energie durch die Vorfreude aufs Spielen.

 

Fotos Andi Widmer, Marisa Vranjes, Silvia Freudensprung-Schöll/ORF Burgenland, ORF-Screenshot

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