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People | 11.12.2017

Auf einen Kaffee mit Sabine Ladstätter

Woher kommen wir? Wie wurden wir, was wir sind? Sabine Ladstätter, 22 Jahre Grabungsleiterin in Ephesos, im Talk.

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Archäologin Sabine Ladstätter. © Astrid Bartl

Es waren emotional sehr schwere Zeiten. Denn als Dr. Sabine Ladstätter, Grabungsleiterin in Ephesos und seit 22 Jahren dort tätig, aus politischen Gründen die Arbeit dort „innerhalb von acht Stunden“ beenden musste, „waren das die schlimmsten meines Lebens“. Im look!-Gespräch erläutert die Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts die Hintergründe.

Aber es gibt auch Positives zu berichten: Ende November wurde Ladstätter mit dem look! „Women for Science Award“ ausgezeichnet.

 

look: Wann und wie haben Sie Ihre Liebe zur Archäologie entdeckt?

Sabine Ladstätter: Mein Interesse begann schon im Kindergartenalter und seit der Volksschulzeit hatte ich fest vor, Archäologin zu werden. Und nach 49 Jahren kann ich sagen: Die Archäologie ist kein Lebensabschnittspartner, sie ist meine Lebensliebe.

 

Sie waren 22 Jahre in Ephesos. Können Sie erzählen, was in diesen Jahren alles „passiert“ ist?

Es handelte sich um ein zeitlich befristetes Forschungsprojekt und ich hatte nie geplant, länger als drei Jahre zu bleiben. Schon bald war mir allerdings klar, welches Potenzial in dem Ort steckt und wie viele Fragen eigentlich noch gar nicht gestellt, geschweige denn beantwortet sind. Langsam habe ich immer mehr Aufgaben übernommen und als dann der Grabungsleiterwechsel im Raum stand, habe ich mich zu einer Bewerbung entschlossen. Ich wollte verändern und ich wollte meine Fragen an den Ort stellen dürfen. Besonders stolz bin ich auf die Internationalisierung unseres Teams, nicht die Herkunft war maßgeblich, sondern das Fachwissen. Im Grabungshaus herrschte babylonisches Sprachengewirr – und viel Spaß!

 

 

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Weltgeschichte. 22 Jahre war Sabine Ladstätter in Ephesos, zuletzt als Grabungsleiterin. © ÖEW/ÖAI NikiGail

Was genau wollten Sie dieses Jahr vor Ort zutage fördern?

Das besonders Tragische an der derzeitigen Situation ist, dass wir die Grabungen an einem unserer zentralen Forschungsobjekte 2016 abgeschlossen hatten und nun an die Auswertung gehen wollten.

 

Sie wurden aus Ephesos nach 22 Jahren „abgezogen“. Mit welcher Begründung?

Uns wurde keine Begründung genannt, wir wurden lediglich auf Anordnung des türkischen Außenministeriums aufgefordert, mit sofortiger Wirkung die Grabung zu schließen und das Grabungshaus zu verlassen. Binnen acht Stunden musste alles erledigt sein, es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, noch heute habe ich Albträume davon.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die genauen Hintergründe?

Die Hintergründe lagen in den politischen Divergenzen zwischen der Türkei und Österreich und die Reaktion des offiziellen Österreichs auf den Putschversuch im Juli 2016. Dass gerade wir davon betroffen waren, ist wohl Ironie der Geschichte. Denn wir haben die Putschnacht in Selçuk erlebt, sind vor Ort geblieben, haben natürlich aus Verantwortung der Ruinenstätte gegenüber, aber auch aus Solidarität unseren türkischen Kollegen gegenüber weitergearbeitet.

 

Rechnen Sie damit, in Zukunft wieder die Grabungsgenehmigung als auch Forschungsvisa zu bekommen?

Wir werden auch dieses Jahr unsere Forschungsanträge einreichen. Es ist mir aber bewusst, dass das Problem ausschließlich politisch diplomatisch gelöst werden kann. Die hervorragendste Grabungsstrategie und der beste Ruf als Wissenschaftlerin wird nicht reichen. Ich kann daher nur einen Appell an die Verantwortlichen richten, sich der Sache anzunehmen.

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