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People | 05.10.2017

Ein Frühstück mit PINK RIBBON

Dreamteam. Krebshilfe-Geschäftsführerin Doris Kiefhaber und Magazin-Gründerin Uschi Fellner machten Pink Ribbon in Österreich gemeinsam zur starken Marke. Der Talk.

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breakfast mit schleife. Der Kaffee wird, dem Thema entsprechend, aus speziellen Pink Ribbon-Tassen getrunken, die es ab Oktober als Limited Edition bei Meinl am Graben gibt. © Stefan Joham

Es begann an einem Apriltag im Jahr 2002. Doris Kiefhaber und die Autorin dieser Zeilen trafen einander zu einem ­Erstgespräch. Die Krebshilfe-­Geschäftsführerin und die ­damalige woman-Herausgeberin wollten eruieren, inwieweit man künftig zusammenarbeiten könne. Daraus entwickelte sich nicht nur eine beispiellose Zusammenarbeit, sondern auch eine Lebensfreundschaft. Und die bekannteste Frauen-Vorsorge und Soforthilfe-Aktion des Landes. Pink Ribbon Österreich war ­geboren. Ein Gespräch über Teamwork.

 

Uschi Fellner: Doris, seit 15 Jahren sind wir beide im Brustkrebsmonat Oktober besonders beschäftigt. Was ist deine schönste Erinnerung an die vergangenen 15 Pink Ribbon-Jahre?

Doris Kiefhaber: Einer der schönsten Momente war, als wir durch Pink Ribbon zum ersten Mal finanzielle Soforthilfe leisten konnten. Wir unterstützten eine Patientin, die sich entscheiden musste: Darf ich mein Kind auf Schulskikurs schicken, oder kauf ich mir um das Geld lieber eine Perücke? Das werde ich nie vergessen, denn so etwas darf es in Zukunft nie wieder geben. Genau deshalb ist der Pink Ribbon-Soforthilfe-Fonds so wichtig. Und dann waren da natürlich diese vielen wichtigen Momente, wenn wir Frauen den Sinn der rosa Schleife erklärt haben … Kannst du dich erinnern?

 

Sehr genau. Viele dachten, die rosa Schleife bedeutet „Ich habe Brustkrebs“. Ein offensichtliches Tabu nach außen zu kehren, war unverständlich …

… und es hat ein paar Jahre gedauert, bis es dann wirklich jedem klar war: Die rosa Schleife steht für Vorsorge. Du hast mit woman damals entscheidend zur Aufklärung beigetragen, weil du dich als erste Medienfrau in Österreich getraut hast, das Tabuthema Krebs auf ein Cover zu bringen …

 

Ich habe meine große Community ­genutzt und damit die Chance, möglichst viele Frauen zu erreichen. Krebs war komplett negativ besetzt. Wir haben das Thema aufgewertet und gesellschafts­fähig gemacht. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir das gemeinsam mit dir geschafft haben. Wobei du ja täglich mit dem Thema Krebs, in allen Facetten, ­direkt konfrontiert wirst. Wie verarbeitest du das Thema Verlust in deinem ­Beruf als ständigen Begleiter?

Nicht nur der Verlust, sondern auch die Hoffnung ist mein ständiger Begleiter! Wir erleben bei der Krebshilfe täglich, dass Menschen die Diagnose Krebs überleben, geheilt werden und trotz Krankheit eine lange, gute Lebenszeit haben. Natürlich erleben wir auch oft das Gegenteil. Dann geht jedes Mal ein Stück von uns mit. Dagegen müssen wir uns als Krebshilfe-Mitarbeiter professionell schützen, wir haben eine verpflichtende psychologische Betreuung. Aber natürlich vergisst man „seine“ Patienten auch nach Dienstschluss nicht. Wenn wir eine Patientin verlieren, wirft das emotional zurück. Und man stellt sich die Frage: Hätte man noch etwas tun können? Einen Wunsch erfüllen? Blieb noch etwas unausgesprochen zwischen der Patientin und ihren Liebsten? Jeder Verlust ­beschäftigt mich lange … Ich werde nie immun dagegen sein.

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soforthilfe. Hundert Krebshilfe-Beraterinnen in Österreich betreuen ca. 30.000 Patientinnen. Doris Kiefhaber und ihre Kollegin Martina Löwe sind zum Wohl der Patientinnen täglich „on duty“. © Stefan Joham

Bist du, was die Diagnose Krebs und Brustkrebs betrifft, grundsätzlich persönlich optimistisch?

Das kommt auf die Tumor-Art an. Bei manchen Tumoren fällt es sehr schwer, optimistisch zu bleiben. Aber unsere Aufgabe als Krebshilfe ist es nicht, Optimismus zu verbreiten, sondern den Patienten und Angehörigen einen Weg zu zeigen, wie sie mit der Erkrankung umgehen können. Diesen Weg geben wir nicht vor. Aber wir begleiten. Wir unterstützen im Alltag, im Hier und Jetzt. Oft geht es um den Schock der Bewältigung der Diagnose. Die Zukunft mit der Diagnose ist, auch für uns, ein Fragezeichen.

 

Zu deinen Aufgaben zählen auch Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten, z. B. der stundenweise Wiedereinstieg in den Beruf …

Ja, dieser Wunsch kam von Patienten. Mithilfe von Barbara Prammer und Sabine Oberhauser haben wir es geschafft, dass ein Wiedereinstieg für Patienten nun gesetzlich möglich ist. Zum Wohl der Patienten, für die ihre Arbeit ja auch eine Form der Therapie ist.

 

Doris, 40.000 Menschen erkranken jährlich an Krebs. Wie viele genau an Brustkrebs?

In etwa 5.500. Die Zahlen sind leicht steigend. Das hat auch damit zu tun, dass mehr Frauen zur Mammografie gehen und Brustkrebs früher erkannt wird. Als Zeichen der Solidarität und Hoffnung lassen wir jährlich 5.500 rosa Luftballone in den Himmel steigen. Einer für jede Frau, die betroffen ist.

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stronger together. Die Krebshilfe und look! bitten Frauen in ganz Österreich, zugunsten der Pink Ribbon Aktion „Pink Ribbon Breakfasts“ zu organisieren. © Stefan Joham

Infos: pinkribbonbreakfast.at

 

Aus Pink Ribbon ist binnen 15 Jahren eine der erfolgreichsten Spendenaktionen Europas geworden. Weißt du noch, wie viele Spenden im ersten Jahr gesammelt wurden? Und wie hoch ist die Spendensumme heute?

Im ersten Jahr waren es 5.000 Euro, im zweiten Jahr schon 21.000 und im dritten Jahr waren es schon 200.000 Euro. Bis Herbst 2017 sind in 15 Jahren 6,5 Millionen Euro gespendet worden. Damit konnten wir 75.000 Mal Soforthilfe leisten. Dank der medialen Unterstützung, die du ja immer beispielgebend angeführt hast, ist Pink Ribbon überall ein Begriff …

 

… und zur erfolgreichen Marke geworden. Ich kann es manchmal gar nicht fassen, was alles aus unserem Erstgespräch entstanden ist: Abgesehen von der Spendensumme gibt’s ja auch die sehr erfolgreichen Pink Ribbon-Produkte von unseren starken Partnern. Und die vielen Events, bei denen schon Weltstars wie Olivia Newton-John oder Ornella Muti aufgetreten sind. Pink Ribbon hat die Gesellschaft verändert, weil die Gesellschaft dabei sein will. Was wünschst du dir ­eigentlich für die Pink Ribbon-Zukunft?

Ganz ehrlich: Am schönsten wäre es, wenn wir Pink Ribbon eines Tages nicht mehr brauchen, weil Krebs nicht mehr existiert. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Also hilft nur Vorsorge. Die Botschaft von Pink Ribbon.

 

 

"Die Hoffnung ist mein ständiger Begleiter. Genauso wie der Verlust.", so Krebshilfe-GF Doris Kiefhaber.

© Stefan Joham

 

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