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People | 24.03.2016

Ich bin, wie ich bin

Katharina Janoska ist, wie sie ist. Und genau das bringt ihr Erfolg. Seit Kurzem moderiert sie die ORF-Sendung „Servus Szia Zdravo Del tuha“. Sie ist offen für vieles und kann sich auch vorstellen, Bäuerin zu sein.

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Katharina Janoska, die sich, wie sie selbst sagt, nicht verbiegen will, um anderen zu gefallen. ©Emmerich Mädl

Ich bin Kathi“, sagt Katharina Janoska und lässt gleich wissen, dass sie für ihre Verhältnisse in der Früh viel Zeit für Schminke und Haare aufgewendet habe und dass sie ohnehin am liebsten in Jogginghosen den Tag verbringen würde. „So wie ich halt bin“. Die 28-jährige Neo-Moderatorin der ORF-Sendung „Servus Szia Zdravo Del tuha“ ist, wie sie ist. Und genau das macht vermutlich ihren Erfolg aus. Als Treffpunkt hat sie das Restaurant Zur Blauen Gans in Weiden vorgeschlagen, dort ist ihr Partner Martin Kugler Küchenchef. Mit ihm hat sie bereits ein Kochbuch verfasst, „Geschichten aus der Küche“, erschienen ist es in ihrem eigenen Verlag Bu&Bu. In Wien hat sie Literaturwissenschaft und Philosophie studiert, ihre Diplomarbeit über Roma-Literatur ist als Buch erschienen, und die Beschäftigung mit diesem Thema hat sie auch zu ihrem neuen Job geführt. Sie hielt Vorträge über das Thema, womit der Sende­verantwortliche des ORF-Minderheitenprogramms auf sie aufmerksam wurde. Bei der nächsten Gelegenheit wurde sie ins ORF-Sendezentrum gebeten, eben jener Mitarbeiter fragte sie, ob sie sich vorstellen könne, die burgenländische Minderheitensendung zu moderieren. Etwas überfordert sei sie schon gewesen, erzählt Janoska, „doch letztlich kommt so eine Chance nicht jeden Tag und man sollte einfach nur Danke sagen“.

Katharina Janoska wurde 1988 in Eisenstadt geboren, sie ist die Tochter des Komponisten Ferry Janoska und einer Tirolerin. Sie hat einen älteren Bruder, die Familie lebte drei Jahre lang in Tirol, ehe sie wieder nach Neusiedl zurückgekommen ist. Vater und Großvater, beide romnischer Abstammung, kamen nach einer spektakulären Flucht nach Österreich. Der Großvater, der als Berufsmusiker ins Ausland reisen durfte und deshalb öfter in Österreich war, war gezwungen worden, der Kommunistischen Partei beizutreten. Würde er dem nicht nachkommen, hätte die Familie Repressalien zu erwarten. Den Ausweg sah er nur in der Flucht. Man baute in einem Fahrzeug den Tank um, dass darin Menschen Platz hatten. Bei der ersten Fahrt zwängten sich dort Vater und Tante hinein, eine Woche später wurde die Großmutter abgeholt. Weil kurz vor dem Grenzübergang das Benzin ausging, wurde das Fahrzeug von Grenzpolizisten sogar noch über die Grenze geschoben. Katharina Janoska sieht sich dennoch dem Roma-Erbe nicht über Gebühr verpflichtet, es ärgert sie sogar, wenn sie permanent das Prädikat „Roma“ aufgedrückt bekommt. Sie sieht sich als Moderatorin, nicht als Roma-Moderatorin, oder als Autorin und nicht als Roma-Autorin. „Ich mag es einfach nicht, wenn man in Schubladen gesteckt wird.“ Da kann es schon mal sein, dass ihr Gegenüber Antworten bekommt wie: „Ja, wir Zigeuner hüpfen ums Lagerfeuer, sagen die Zukunft voraus und spielen immer nur Geige.“ Einen Eindruck hat sie damit hinterlassen. Wenn sie auch Verständnis für die Neugierde der Menschen über die Kultur versteht. „Was man nicht kennt, macht neugierig.“ Wobei sich Janoska noch gut an die Zeit erinnert, in der man sich die Herkunft aus Angst vor den Anschlägen auf Roma nicht sagen traute. Katharina Janoska selbst war bereits 15 Jahre, als sie sich für die Kultur der väterlichen Seite interessierte. Sie war schockiert, welche Armut und Diskriminierung es nach wie vor noch gibt.

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Janoska mit ihrem Lebensgefährten Martin Kugler, Küchenchef des Restaurants „Zur Blauen Gans“ in Weiden. ©Emmerich Mädl

Mit ihrer Familie verbindet sie ein festes Band. Ihre Eltern beschreibt sie als Vorbilder, die Mutter mit ihrem Durchhaltevermögen, ihrer Stärke und Großzügigkeit. Beim Vater fasziniert sie nach wie vor die „Tellerwäscher“-Karriere, gehört er heute zu einem der bekanntesten Komponisten im Land. Die Familie, die nur mit dem, was sie am Leib trug, nach Österreich kam, wurde hier freundlich empfangen, wurde der 28-Jährigen immer berichtet. Möbel und Kleidung erhielten sie von hilfsbereiten Nachbarn, auf der Straße wurden die Janoska-Kinder angesprochen, ob sie denn nicht Eis haben wollten, oder Schokolade. Wer so empfängt, sollte auch weitergeben, dachte sich Katharina Janoska im Sommer. Als die Flüchtlinge über die burgenländische Grenze drängten, verbrachte sie Tage in Nickelsdorf, um den Menschen Lebensmittel zu geben und sie zu versorgen. „Ich weiß, wie traumatisch eine Flucht ist. Dabei hat sie bei meinen Vorfahren nur 30 Minuten gedauert.“

Es waren Kleinigkeiten in diesem Fluchtsommer, die Janoska nachhaltig geprägt haben. Wie sich die ausgehungerten Flüchtlinge bei der Essensausgabe geduldig angestellt hätten, Männer, Frauen und Kinder vorgelassen. Oder was es bedeutet, wenn Familien nur die Wahl haben, ein Familienmitglied vorauszuschicken, wobei die, die zurückbleiben, nicht wissen, wie es dem Flüchtenden ergehen wird, aber auch umgekehrt: Was ist mit denen, die zurückbleiben? „Wenn ich daran denke, wie lange diese Menschen schon unterwegs waren und wie lange sie es noch sein werden! Und dann gibt es doch wirklich Leute, die sie um ihre Handys beneiden!“ Beeindruckend sei es hingegen gewesen, die Hilfsbereitschaft der Österreicher zu sehen, schlimm, den Rechtsruck in der Bevölkerung zu verfolgen. Ob sich nach Köln für sie etwas geändert habe? Janoska sagt: „Das dürfte nicht passieren, keine Frage. Doch es geht zu weit, das jetzt als Ausländerproblem zu machen und nur die als Schuldige hinzustellen.“ Sie schmunzelt: „Betatscht zu werden, kann dir auch am Golser Volksfest passieren.“ Auf die Frage, ob sie Feministin sei, zögert Janoska etwas. „Jein“, sagt sie. „Auf der einen Seite kann ich schwer nachvollziehen, warum nach meinem Magister unbedingt ein ,a‘ stehen muss, das wertet weder auf, noch ab. Auf der anderen Seite war mir schon immer wichtig, für meine Rechte einzustehen. Dafür bin ich schon früh eingetreten, auch innerhalb der Familie.“ Gleichstellung ist für sie aber nicht per se auf Frauen bezogen. Es schließt alle Ethnien ein.

Ihre eigene Zeit des Erwachsenwerdens war stets von Rebellion geprägt, erinnert sich Janoska. Sie beschreibt sich nach den Kinderjahren, als sie von der Mutter gerne in Rüschen gesteckt wurde, als burschikos, mit kurzen Haaren, sportlicher Kleidung, eine Außenseiterin mit den Hobbys Zeitunglesen, politische Bildung und Foto­grafieren. Erst durch ihre Schulzeit im Pannoneum kam etwas Rosa in ihr Leben, Janoska passte sich an die dortige Mädchenhaftigkeit an. Was ihre persönliche Entwicklung betrifft, so beschreibt die 28-Jährige ihre Studienzeit in Wien als prägend. Aus langen Jahren des sich Probierens entwickelte sich Janoskas klare Haltung: „Ich tue nichts, um anderen zu gefallen. Eigentlich ist mir egal, was andere Menschen von mir denken.“
Selbstverantwortung ist für Janoska ein wichtiger Pfeiler im Leben. Nicht den anderen die Schuld geben, wenn etwas nicht klappt, etwa wenn man arbeitslos ist. Und schon gar nicht neidig. „Ich glaube, dass der Spruch, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, zu 100 Prozent passt“, sagt sie. Ihren aktuellen Lebensentwurf genießt Janoska sehr. Sie kann sich aber auch gut vorstellen, irgendwann in der Zukunft auf einem abgeschiedenen Hof zu leben, Tiere zu halten und ihre Lebensmittel selbst herzustellen. Marmeladen kocht sie gerne, sie hat sich auch schon an Käse ausprobiert. Es ist so etwas „fetaähnliches“ entstanden, lacht sie. „Geschmeckt hat’s!“