Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 29.01.2016

Kick it like Trimmel

Sie ist ein toughes Mädel mit weichem Kern: Nicole Trimmel, Österreichs erfolgreichste Kickboxerin, erzählt im BURGENLÄNDERIN-Interview von ihrer Verletzung, kleinen Sünden und ihrem geplanten Comeback.

Bild nicoletrimmel7.jpg
Alltag der achtfachen Weltmeisterin. ©florianalbert.net

Mit der 33-Jährigen legt sich so schnell keiner an, obwohl es vor allem Männer gerne versuchen. Wir hüten uns davor und lernen die Osliperin lieber von ihrer sanften Seite kennen. Bei einem entspannten Frühstück im 2 Beans Kaffee in Kleinhöflein plaudern wir mit einer sehr entspannten 8-fachen Weltmeisterin. Hinter der vermeintlich harten Schale steckt eine sehr sympathische, ruhige und fokussierte Frau, die sich selbst als Partygirl outet und auch gerne ihre weibliche Seite zeigt. Die Kickboxerin erholt sich derzeit von ihrer Meniskus- und Kreuzband­operation, die nach einer Verletzung während eines Kampfes in Dublin notwendig war. Der Single sieht die Zeit gelassen, nennt es scherzhaft‚ ‚Sabbatical‘ und arbeitet daran noch stärker zurückzukommen. Mit der BURGENLÄNDERIN spricht sie über ihr geplantes Comeback, verrät, was sie von ihrer Konkurrenz abhebt und ob sich Männer vor ihr fürchten.

Wann begann Ihre Leidenschaft für Kampfsport?
Die Kampfkünste von Bruce Lee und die Philosophie von Kung Fu haben mich schon als Kind sehr interessiert, besonders welche Ästhetik und Präzision in diesen Bewegungen steckt. Ich wollte damals einen schwarzen Gürtel haben (lacht). Mit 15 Jahren habe ich in der HAK an einem Kickbox-Anfängerkurs teilgenommen und sofort gemerkt, dass mir das ‚taugt‘. Ich fand ein tolles Umfeld mit einem Trainer, der auch Ausbildungen machte.

Damals hatten Sie Ihren ersten Wettkampf?
Der Trainer meinte irgendwann ‚jetzt könntest du deinen ersten Wettkampf machen‘. Das war ein entscheidendes und positives Erlebnis. Ich habe gewonnen und das Feuer war richtig entflammt.

Wie viel trainieren Sie?
Das ist unterschiedlich. Effizienz und Abwechslung sind wichtig, dadurch bleibe ich sehr aufmerksam und werde nicht müde. Ich habe ein tolles Team, bestehend aus einem Trainer, Techniktrainer und Physiotherapeuten, mit dem ich sehr individuell und gezielt arbeite. Ich war damit sozusagen ein Pionier und habe mir nicht immer Freunde gemacht. Es hieß sehr oft‚ die Trimmel macht wieder Extrawürstel. Aber der Erfolg gab mir Recht.

Bild nicoletrimmel5.jpg
Nichts für Zartbesaitete: Leichtkontakt-Kampf von Trimmel gegen Madleine Softeland bei der EM in Ankara 2012. ©beigestellt

Kickboxen ist vor allem auch ein Kopfsport, warum ist das so?
Die Koordination Kopf-Hand-Fuß und die Konzentrationsfähigkeit sind besonders wichtig, ebenso wie ein hohes Stresspotenzial und mentale Stärke. Im Vorfeld muss so lange trainiert werden, bis die Bewegungen automatisiert sind.

Haben Sie nach Ihrem Kreuzbandriss in Dublin im März 2015 ans Aufhören gedacht?
Nicht wegen der Verletzung, aber man stellt Dinge in Frage, lässt Revue passieren und analysiert. Ich habe mich gefragt ‚gibt es noch etwas, was ich erreichen möchte oder war das wirklich mein letzter Kampf‘. Eigentlich möchte ich meinen letzten Kampf selbst bestimmen.

Wie Sind Sie mit der Verletzung umgegangen?
Ich bin generell ein positiver Mensch, habe es akzeptiert und als Chance gesehen.

Das „Comeback stronger“ ist für 2016 geplant. Erfinden Sie sich neu?
Ja, man kann dadurch wieder ein bisschen den Stil ändern. Meine Werte sind weiterhin sehr gut. In der Rehaphase gab es schon eine Zeit, in der mir bewusst wurde wie sehr die Beinmuskeln abgebaut haben. Aber es ist so, wie ich immer sage ‚use it or loose it‘. Du musst den Körper, den du hast benutzen und formen, das gilt für jedes Alter. Entscheidend für das Comeback ist auch, dass ich eine Bühne dafür habe. Es muss gesundheitlich passen, aber es wird nicht um jeden Preis stattfinden. Ich würde gerne einen Titelkampf machen, wir werden sehen.

Bild nicoletrimmel1.jpg
©florianalbert.net

Sie sind 8-fache Weltmeisterin, haben vier EM-Titel und sind seit 2004 Österreichische Staatsmeisterin, eine unglaubliche Performance.
Für mich ist das auch ein Qualitätsmerkmal, denn wenn man einmal gewinnt, kann das Glück sein. Wiederholt man es mehrmals, spricht man eher von Können. Derjenige, der es schafft, eine Konstanz hineinzubringen, ist für mich ein Ausnahmekönner und das sieht man in einigen Sportarten. Diesbezüglich merke ich auch eine hohe internationale Wertschätzung.

Wo stehen die Trophäen?
Bei mir daheim, dort sind die wichtigsten und schönsten. Auf die andere passt die Oma auf (lacht).

Können Sie von Ihrem Sport leben?
Nein, denn es gibt beim Kickboxen keine Preisgelder. Es geht vor allem um den Spaß an der Sache. Gewisse Dinge übernimmt der Verband, ansonsten wird das meiste über Sponsoren finanziert.

Sie sind seit zwei Jahren Felix Austria Testimonial. Wie kam es dazu?
Ich lernte durch Zufall zwei führende Mitarbeiter von Felix Austria bei der Gala­nacht des Sports kennen. Gegen Ende der Gala habe ich mit Julia Dujmovits geplaudert und die beiden gesellten sich zu uns. Wir haben uns gut verstanden und daraus ergab sich das Sponsoring.

Gab es je einen anderen Berufswunsch?
Früher dachte ich daran in Richtung Medizin oder Physiotherapie zu gehen. Nach der HAK wollte ich einen Job mit Verantwortung und Action, keinen reinen Bürojob. Dann bin ich in einer internationalen Spedition gelandet und reiste nach England, um Kunden zu besuchen. Nebenbei trainierte ich und machte die Trainerausbildung, was mich viel Urlaub gekostet hat. Aber ich habe gesehen, dass mein Herz für den Sport schlägt und bin meinen Weg in diese Richtung gegangen. Seit 2008 arbeite ich 30 Stunden im Sportreferat der Landesregierung, wo ich für das Volksschulprojekt „Urfit, ich mach dich fit“ verantwortlich bin. Der Vorteil ist, dass ich mein Sportnetzwerk nutzen kann.

Nicole Trimmel
Bild nicoletrimmel8.jpg
©Christopher Kelemen Photography
Bild nicoletrimmel4.jpg
©Christopher Kelemen Photography
Bild nicoletrimmel2.jpg
©Christopher Kelemen Photography
Bild nicoletrimmel3.jpg
©Christopher Kelemen Photography

Nicole Trimmel

  • geboren: 13. Oktober 1982
  • aufgewachsen in Oslip
  • HAK Eisenstadt, Matura 2001
  • Familienstand: ledig
  • Jugendstaatsmeisterin, 8-fache Weltmeisterin, 4 EM-Titel, von 2004-2014 Österreichische Staatsmeisterin
  • seit 2008 beim Sportreferat der Landesregierung tätig, davor 7 Jahre bei einer internationalen Speditionsfirma
  • Felix Austria Marken­botschafterin
  • Verein: Kickboxing
  • Academy Eisenstadt

www.nicole-trimmel.at

 

Lest mehr in der Feber-Ausgabe 2016 der BURGENLÄNDERIN!