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Beauty | 28.10.2021

Die Haut ist unser größtes Organ. Achten wir darauf!

Sonne, Wasser und Wind lassen die Haut austrocknen. Intensive Pflege ist nun angesagt.

Bild galderma.jpg
Shutterstock

Wir alle haben das Gefühl, nach dem Sommer vermehrt Hautpflege zu benötigen. Wir diskutierten mit der Wiener Dermatologin Dr. Marie-Theres Kasimir.

BURGENLÄNDERIN: Wie viel Prozent der Bevölkerung leiden an trockener Haut?

Dr. Marie-Theres Kasimir: Trockene Haut ist eine Veranlagung. Mit dem Alter trocknet die Haut zudem aus. Ab Mitte 20 produzieren wir ein bis zwei Prozent weniger Hyaluronsäure und Kollagen jährlich. Mit etwa 40 Jahren ist die Haut trockener, ab dem 60. Lebensjahr wird sie sehr viel trockener. Einer Umfrage zufolge gaben 20 Prozent der Befragten an, dass sie an trockener Haut leiden, fünf Prozent leiden sogar an sehr trockener Haut.

Welche Symptome überwiegen?

Klassisch sind Schuppung und Juckreiz nach dem Baden oder Waschen. Trockene Haut ist dünner, empfindlicher und neigt eher zu Ausschlägen.


Reagiert Kinderhaut anders als Erwachsenenhaut?

Ja, Kinderhaut unterscheidet sich von Erwachsenenhaut durch ihren wesentlich höheren Feuchtigkeits- und Kollagengehalt. Eine Ausnahme stellt die Neurodermitis dar, die zu den häufigsten Hautkrankheiten im Kindesalter zählt und einer besonderen Pflege bedarf. Bei Gesunden zeigt sich schon in der Kindheit, ob sie zu trockener Haut neigen. Schon die Kinderhaut muss vor Trockenheit geschützt werden. Um die Hautbarriere zu erhalten, ist es günstiger zu duschen als zu baden. Je empfindlicher die Haut ist, desto eher sollte man auf ausgedehnte Vollbäder verzichten, ein- bis zweimal pro Woche ist ausreichend.


Welche äußeren Faktoren sind besonders belastend für die Haut?

Auch Umwelteinflüsse begünstigen die Entstehung von trockener Haut. Wasser, Kälte, Hitze, Wind, Wetter, Sonne, Umweltverschmutzung wie Feinstaub irritieren die Hautbarriere. So ist die kumulative Sonnenbelastung mitentscheidend, wie sehr die Haut austrocknet. Wenn man viel der Sonne ausgesetzt ist wie Menschen, die z. B. am Feld oder am Bau arbeiten und sich am Wochenende im Freien aufhalten, ist das belastender für die Haut, als wenn Büroangestellte am Wochenende eine Radtour unternehmen. Neben der UV-Strahlung tragen Feinstaub, freie Radikale und vor allem unsere Hormone zur Austrocknung bei. Frauen nach dem Wechsel produzieren nicht nur weniger Hormone, sondern auch weniger Talg, damit verliert die Haut ihre schützende Lipidschicht. Bei Männern wird die Haut ab 60 zunehmend trockener.

 

© Michaela Krauss-Boneau

Dr. Marie-Theres Kasimir, FÄ für Dermatologie, Wien



Ist Männerhaut unempfindlicher als Frauenhaut?

Männerhaut ist durch die andere Anordnung der Kollagenfasern robuster. Das männliche Hormon Testosteron produziert zudem mehr Talg, daher neigen Männer etwas häufiger zu Akne als Frauen. Für empfindliche Männerhaut ist allerdings Rasieren ungünstig; Rasierschaum, Rasierwasser und die mechanische Belastung sorgen in diesem Fall für Empfindlichkeit.


Braucht die Haut nach dem Sommer intensivere Pflege?

Je nachdem, wie man den Sommer verbracht hat. Wasser trocknet aus, Chlor irritiert den Lipidschutz und somit die Hautbarriere. Bei Hitze fühlt sich die Haut durch die Schweißabsonderung weniger trocken an. Kommt man jedoch vom Urlaub am Meer wieder zurück in kühlere Räume und Heizungsluft, stellt sich ein Spannungsgefühl ein. Das spürt man meist schon bei der Heimreise. Generell ist im Sommer weniger reichhaltige Pflege ausreichend, während Pflegeprodukte im Winter gehaltvoller sein dürfen.


Braucht die Haut nach dem Sommer eher Feuchtigkeit oder Lipide?

Das ist individuell unterschiedlich. Mein Credo lautet: Die richtige Mischung macht es aus. Sogar bei dermatologischen Erkrankungen wie der Neurodermitis gebe ich gerne zwei verschiedene Produkte zum Ausprobieren mit. Jede Creme ist eine Mischung aus Wasser und Ölen. Manche vertragen Fett, manche nicht. Man muss probieren, was angenehmer ist. Es gibt auch für die Zeit nach dem Sommerurlaub Cremen und Körperlotionen mit schälenden Zusatzstoffen wie Fruchtsäure und Urea.


Was bewirkt Urea?

Urea kann als Bestandteil der Haut Feuchtigkeit speichern. Urea ist als „natural moisturing factor“ ein natürlicher Feuchtigkeitsfaktor und guter Zusatzstoff in Cremen und Lotionen. Als natürliches Abbauprodukt des Stoffwechsels wird Urea über Schweiß ausgeschieden. Meist ist vier bis fünf Prozent Urea absolut ausreichend für die Pflege der trockenen Haut, im Alter reichen zehn Prozent, höhere Prozente an Urea braucht man nur an extrem rauen Stellen wie z. B. den Fußsohlen. Aufgrund seiner keratolytischen (hornhautabtragenden) Wirkung können pflegende Inhaltsstoffe besser von der Haut aufgenommen werden.


Wie oft soll man die Haut eincremen?

Trockene Haut ist nach jedem Reinigen oder Duschen einzucremen. Konsequente Pflege führt zu einem schönen Hautbild.


Was kann man sonst noch gegen trockene Haut tun?

Sonnenschutzfaktor! Sonnencreme schützt nicht nur vor UV-Strahlung, sondern pflegt auch. Ausreichend trinken! Die Faustregel lautet 30 ml/kg Körpergewicht. Eine gesunde Frau mit 55 Kilogramm soll 1,5 Liter Wasser trinken. Auch Kollagendrinks wird eine feuchtigkeitsspendende Funktion in der Haut zugesprochen. Und es gibt Behandlungen, die sogenannten Kollageninduktionstherapien wie das Microneedling mit oder ohne Radiofrequenz und bestimmte Skin Booster. Dabei wird Hyaluronsäure in die Haut injiziert und sorgt für Feuchtigkeit in den tieferen Schichten der Haut.