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Events | 29.09.2020

Wo zum Teufel ist Ben?

Schon einmal einen Kriminalfall gelöst? Drei Frauen unterschiedlichen Alters wagen sich in Podersdorf über das Outdoor- Abenteuer „Lake’s Escape“.

Themen:

Der neon-korallenfarbige  Rucksack ist randvoll mit Utensilien. Da sind ein Klemmbrett für Notizen, Pläne, ein Heft mit Hinweisen, Kompass, Spiegel, Taschenlampe … Das Wetter treibt seine Späße mit uns. Statt des prognostizierten Sonnenscheins hängen bedrohlich schwarze Wolken über Podersdorf. Die wunderbare Fotografin hält voller Erwartung die Kamera in der Hand. Meine Mädels lesen kreuz und quer die Infos und stellen im Rekordtempo unzählige Fragen. „Mama, wie geht es jetzt los?“, „Welches Gewürz riecht nach Pizza?“, „Wo ist die Infotafel?“ Zu viel Publikum, um ein beherztes „Ruhe!“ zu rufen. „Lake’s Escape“-Erfinderin Nina Meran und ihr Freund lächeln: „Die Überforderung am Anfang ist ganz normal, so geht es allen“, sagen sie.

"Man spieltmiteinander. Das Besondere ist das gemeinsame Erfolgserlebnis.", „Lake’s Escape“-Erfinderin Nina Meran   © Barbara Amon

 

 

Überforderung?!

Das ist untertrieben. Könnten sie meine Gedanken lesen, wüssten sie, dass ich mich gerade selbst verfluche. Der Artikel über die neue touristische Attraktion in Podersdorf, eine Art Rätselrallye, hätte auch gut werden können, wenn er auf seriösen Interviews basiert, denke ich mir. Warum muss ich mir, die ehrlicherweise nicht mal ein besonders großer Krimi-Fan ist, den interaktiven Thrill bei Sturm und unter dunkelgrauem Himmel geben? Mit KINDERN?! Zu spät.


Hilfe!

Ben ist verschwunden. Seit 24 Stunden. Die Polizei scheint es nicht zu kümmern, dabei könnte der Surfstar sogar tot sein. Wir verstauen wieder Hilfsmittel und Co. im Rucksack und lesen den ersten Hinweis. Ich spechtle heimlich auf die letzte Seite. Es gibt 13 Hinweise und ich überlege kurz, meinen Mann, den brennenden Agatha-Christie-Verehrer, via Handy zu Hilfe zu holen. Doch freilich ist es auch dafür zu spät. „Also los, Mädels“, rufe ich motiviert – und muss feststellen, dass meine Töchter längst in die Geschichte eingetaucht sind und bereits die Hälfte des ersten Rätsels gelöst haben. Meine Kleine reißt triumphierend das Klemmbrett an sich und notiert die erste Antwort. Ich versuche zwischen meinen Rollen als Mama, Redakteurin und nun auch noch Ermittlerin zu switchen: „Nina, ich hätte dann schon noch einige Fragen an dich.“ Die Jungunternehmerin beruhigt abermals freundlich: „Wir haben dazu noch später Gelegenheit.“ Also gut: Dann richten wir mal den Fokus ganz auf den vermissten Surfstar. Mit Hinweis Nummer zwei verlassen wir unseren Start und spätestens – Achtung: Spoiler! – bei der Windmühle bin auch ich in der Story angekommen. Und wie! Wir nehmen den Kompass zur Hand, rechnen, suchen nach versteckten Zeichen, entschlüsseln geheime Schriften … Spannung und Verwirrung wachsen parallel, der Kreis der Verdächtigen will einfach nicht kleiner werden – oder lebt am Ende Ben doch noch? Wir wischen uns tapfer ein paar Regentropfen aus dem Gesicht (der Regenschirm blieb vor lauter Aufregung im Auto) und hanteln uns furchtlos von Rätsel zu Rätsel. „Jetzt kommt eine längere Strecke zum Gehen“, verrät Nina Meran und ich krame mein Aufnahmegerät hervor.


Lake's Escape © Barbara Amon

Hinter den Kulissen.

Die „Lake’s Escape“-Erfinderin lebt in Parndorf und ist mit Leib und Seele Volksschulpädagogin in Niederösterreich. In ihrer Freizeit liebt sie aber den Nervenkitzel: „Ich lese und schaue total gerne Krimis“, erzählt sie. Und nicht nur das: Sogenannte „Escape Rooms“ – Spiele, bei denen es gilt, im Team Hinweise zu entdecken, Rätsel zu lösen, um gemeinsam zum Ziel zu kommen – wurden zum großen Hobby. „Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum muss man dafür nach Wien fahren, warum gibt es nicht so etwas auch in der Nähe?“ Damit war eine Vision geboren und sie fing an, ganz nebenbei Ausschau nach einer geeigneten Location zu halten. „Ich habe nach einer Gemeinde gesucht, die Spannendes zu bieten hat und auch touristisch Sinn macht. Da ist mir Podersdorf eingefallen: Es liegt am Neusiedler See und ist auch durch den Surf World Cup bekannt“, schildert die 27-Jährige. Gleichzeitig begannen in ihrem Kopf die Story und die Figuren zu entstehen: der vermisste Surfstar Ben, die fesche Portugiesin Susan, die Jugendliebe Paulina, die schmerzhaft ersetzt wird, der Rivale Jack, der geldhungrige Investor Ivan …



Corona-Maßnahmen.

Als Nina Me­ran die Idee kam, war die Pandemie noch weit weg. Im Frühjahr wurde immer klarer: Mit ihrem Outdoor-Konzept für Kleingruppen war sie noch mehr am Puls der Zeit, als sie im Winter gedacht hatte. Dann rückten die großen Ferien in greifbare Nähe und es schien mehr als logisch, dass man im Sommer loslegen sollte. Ihr Freund Christoph Schnitter ist von Beginn an ein tatkräftiger Support, doch „Lake’s Escape“ ist ihr Baby. Es war an ihr, die Story zu schreiben, an den Rätseln zu feilen. „Ich war über Wochen tagsüber Lehrerin, abends begann mein zweiter Arbeitstag“, sagt sie. „Aber wenn ich etwas wirklich machen will, dann brenne ich dafür und gebe alles, auch wenn das oft bedeutet hat, bis Mitternacht zu arbeiten.“ Und dann, nach erfolgreichen Test­runden im Familien- und Freundeskreis und mit dem Tourismusverein Podersdorf als starken Partner an der Seite, startete sie am 3. Juli offiziell durch. „Als die ersten drei, vier Buchungen eingingen, waren wir ganz aus dem Häuschen“, lacht Nina Meran. Bis Ende August waren es schließlich mehr als 140 Buchungen, teilweise mit Gruppen mit bis zu zehn Personen. Das sind Cliquen, Frauen und Männer jeden Alters, Familien, Firmen können „Lake’s Escape“ zwecks Teambuilding nutzen, „sogar Polter-Runden hatten wir schon“, sagt sie stolz. Da klinkt sich die Fotografin diplomatisch ins Gespräch ein: „Wir haben bald kein Licht mehr“, sagt sie und deutet in Richtung Sonnenuntergang. Tatsächlich: Beim Rätseln, Grübeln und Fragen haben wir weder von den fortgezogenen Regenwolken noch von der Dämmerung Notiz genommen. Und ich schwöre: Ich habe den Kindern – sie sind übrigens neun und zehn Jahre alt – keine Belohnung versprochen, aber sie jammerten kein einziges Mal über den Fußmarsch (das Spiel funktioniert auch mit dem Rad) durch die Seegemeinde. Angetrieben von der Neugier wurden sie im Finale sogar immer schneller. „Das ist meistens so: Die Gruppen gehen ganz gemächlich los, am Ende haben dann viele schon ein Nordic-­Walking-Tempo drauf“, weiß Nina Meran. Sie selbst begleitet die Tour übrigens sonst nicht; immerhin können Gruppen im Halbstundentakt täglich von 9 bis 19 Uhr starten. Die „Lake’s Escape“-Handynummer ist aber stets erreichbar, wenn man sich mal wo verfranst bzw. bekommt man auch via Smartphone Hinweise.


Impresssionen von Unterwegs

Heureka!

Wir schaffen es tatsächlich, den Kriminalfall zu lösen. Aufgeregt reißen wir das Kuvert an der letzten Station auf, staunen – und ich bin unendlich stolz auf meine Mädels und auch auf mich. Dieses besondere Gefühl hat uns Nina Meran tatsächlich im Vorfeld schon prophezeit: „Was das Spiel so besonders macht, ist das gemeinsame Erfolgserlebnis. Man tritt hier nicht gegeneinander an, sondern macht alles miteinander.“ Und um das zu feiern, gibt’s bei der Abgabe des Rucksacks noch einen 10-Euro-­Getränke-Gutschein …

 

Unvergesslich.

„Lake’s Escape“ steckt voll magischer Momente.

 


Infos und Buchungen:

[email protected]

Tel.: 0699/150 38 070

www.lakesescape.at