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Fashion | 15.04.2021

MINImal Lifestyle

Ein minimalistischer Kleiderschrank macht glücklich! Sagen nicht wir, sondern Modestylistin Jasmin Teichtmeister. So gelingt die „Capsule Wardrobe“, die reduzierte und nachhaltige Garderobe für den Frühling, in nur wenigen Schritten.

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© Shutterstock

Der Minimalismus als Gegenströmung zum vorherrschenden Materialismus ist keine neue Erfindung, entsprungen aus der aktuellen Coronakrise. Ihn gab es bereits in der Antike, als dereinst schon Stoiker und Seneca Ordnungssinn und Verzicht als persönliches Lebensglück ausriefen. Dass Verzicht durchaus befreit, durfte die Konsumgesellschaft wohl ausgiebig im letzten Jahr lernen, und selbst die Fast-Fashion-Industrie mit ihren üblichen zwölf Kollektionen pro Jahr entschleunigte. Der Wunsch ging hin zur gemütlichen Lounge--Fashion, zum bewussten Umgang mit Materialien und den Ressourcen. Selbst Mode-Influencer ließen sich durch die Krise beflügeln und setzten mit dem Styling für zu Hause aus bestehenden It-Pieces einen neuen Trend – von Leander Medine Cohen vom Blogazine „Man Repeller“ mit dem Hashtag #going-nowherebutfuckitimgetting-dressed ins Leben gerufen. „Sich vom materiellen Ballast zu befreien tut der Seele gut. Dazu zählt auch der Kleiderschrank. Die Zeiten des Fast-Fashion-Booms sind fast vorbei“, weiß Personal Shopper & Fashion-Stylist Jasmin Teichtmeister von Pur Style, die eine Capsule Wardrobe in vier Saisonen einteilt und selbst eine für Reisen, Strand und Sport anlegt.

 

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© Julia Malinowska

Der minimalistische Lifestyle im Kleiderkasten ist sozusagen die Quintessenz einer Mode-Persönlichkeit, der ihren individuellen Stil klar widerspiegelt. „Sie kennt ihren Körper und weiß ihn mit den richtigen und hochwertigen Teilen in Szene zu setzen“, so die Personal Shopperin. „Figurtyp und die passende Farbpalette spielen genauso eine wichtige Rolle.“ Für Jasmin Teichtmeister, die von Graz nach Wien und aktuell nach Barcelona gezogen ist, ist die Capsule Wardrobe eine kleine, feine Auswahl an Kleidungsstücken, die perfekt auf die Person abgestimmt ist. Dabei stammt die Idee aus den 70er-Jahren und wurde in den 80er-Jahren erstmals von Modedesignerin Donna Karan im High-Fashion-Bereich gelauncht. „In einer Capsule Wardrobe hat man 37 Teile, inklusive Schuhe und Jacken, aus denen man idealerweise um die 100 Looks kombinieren kann. Diese werden pro Saison gewechselt und aus dem Sichtfeld geräumt“, erklärt Jasmin Teichtmeister das Prinzip.

Was ziehe ich heute an? Damit entgehe man endlich der Reizüberflutung, die viele Kleiderschränke zu Hause auslösen: „Man steht vor einer großen Auswahl und weiß am Ende nicht, was man anziehen soll.“ Gerade zu diesem Thema hat sich die Modestylistin im Lockdown Gedanken gemacht und die Idee zum „Style Poker“ geboren – 52 kreative Stylingideen für den Kleiderschrank, um auf spielerische Weise die eigene Garderobe besser zu nutzen und modischen Input im Handumdrehen parat zu haben. „Man stellt die Box in die Garderobe und wenn man nicht weiß, was man anziehen soll, einfach Karten mischen und eine Idee ziehen!“ Wer den Überblick über seine Kleidungsstücke behält, der weiß auch, was er anziehen kann.Minimal Fashion schließt übrigens Trends nicht aus. Das Gute sei laut Jasmin Teichtmeister, dass vergängliche Modetrends immer wieder kommen. Ihr Tipp daher für baldige Shoppingtouren: auf trendige Accessoires und Oberteile setzen, sich vielleicht einen modischen Hosenschnitt, der zum Figurtyp passt, zulegen. Teile wie Jacken, Mäntel, Kleider bleiben jedoch klassisch. Und frau sollte auf hochwertige Klassiker wie eine Levi’s-Jeans, einen Burberry-Trenchcoat, Stiefletten von Chloé, einen feinen Kaschmierpullover in der richtigen Farbe, ein weißes T-Shirt und gut sitzende Blazer setzen. „Mein Lieblingstrend in dieser Saison sind Teile mit weiten Ärmeln und Wide-leg-Stoffhosen. Nach über einem Jahr Cosy Lounge--Wear möchte ich mich wieder herausputzen und einen tollen Anzug in frühlingshaften Pastellfarben shoppen“, empfiehlt der Profi. Auf keinen Fall sollte man bei der Umstellung auf eine Capsule Wardrobe zu streng mit sich sein, gar alles wegwerfen und neu kaufen. Laut Jasmin Teichtmeister reicht es, sein Handy einzusetzen: Wer sich in seinen schönsten Looks fotografiert und diese Ganzkörperfotos (inklusive Schuhe) in einem eigenen Album abspeichert, hat genug Inspirationen parat. „So hat man seine Looks immer in der Tasche und kann auch morgens schnell nachsehen, wenn man nicht mehr weiß, wie man ein gewisses Teil kombiniert hat.“

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© Julia Malinowska

Schritt für Schritt zur Capsule Wardrobe

1. Analyse Wunschstil
• Klassischer Typ: Jeans-, T-Shirt-, Blazer-Typ oder Stoffhosen-, Blusen- und Pumps-Typ
• Feminin: dieser Typ trägt gerne Kleider, Röcke, figurbetonte Teile.
• Modern Minimalist: organische Stoffe, oversized geschnittene Kleidung, Blusenkleider, weite Stoffhosen oder Jeans mit Sneakers.

2. Figurtyp bestimmen
Falls nicht bekannt, bietet Jasmin Teichtmeister einen gratis Figurtyp-Test auf ihrer Website purestlye.net an – die richtigen Maße eingeben und am Schluss erhält man ein Styling-Tutorial passend zu seinem Figurtyp.

3. Farbschema festlegen
Wichtig ist, dass sich die Farben gut untereinander kombinieren lassen. Testen Sie Farben in Gesichtsnähe – diese sollten den Typ unterstreichen und nicht zu sehr einnehmen.

4. Wunschteile sammeln
Man muss nicht alles auf einmal kaufen, lieber sich nach dem ersten Capsule-Winter einen Wunsch für den nächsten Winter notieren (z. B. Wollmantel in Beige). So lässt man sich nicht von schnellaufkommenden Trends ablenken.

5. Ausmisten, verkaufen, verschenken, verstauen!

6. Kombinieren und alle Looks fotografieren