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Fashion | 19.07.2021

Dressed to play

Sport und Mode: Über eine Fusion, die schöner nicht sein könnte.

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Ob Leggings, Turnschuhe oder Radlerhosen: Die untrennbare Verbindung von Mode und Sport ist spätestens seit dem vergangenen Jahr evident. Mit dem Aufkommen des „Athleisure“-Trends wurden sportliche Freizeitoutfits endgültig zur Alltags- und Bürotauglichkeit erhoben. Das zeigt auch ein Blick auf den Laufsteg: Die kürzlich gelaunchte Kollaboration des Outdoor-Labels „The North Face“ mit Gucci etwa soll die nostalgisch-opulenten Designs des italienischen Luxushauses auf die Berggipfel dieser Welt bringen, Couture-Größen wie Fendi, Chloé, Balenciaga oder Chanel wiederum bedienen bewegungsfreudige Fashion-Freaks mit sportlichen Capsule-Kollektionen. Wer würde zu einem Tennisschläger von Chanel auch „Nein“ sagen?

Umbruch. Doch gehen wir zunächst einen Schritt zurück. Wer sich früher körperlich ertüchtigte, tat dies nämlich gemeinhin in seiner Alltagskleidung. Weil sich das jedoch auf Dauer als etwas unpraktisch erwies – immerhin waren die verwendeten Materialien nicht halb so elastisch und feuchtigkeitsabsorbierend wie heute – bildete sich nach und nach eine eigene Nische der Sportkleidung heraus. Gerade für Frauen war diese Entwicklung auch von emanzipatorischer Bedeutung: Vorbei war das Zeitalter des Korsetts und der körperlichen Restriktionen, endlich wurde das weibliche Bedürfnis nach Bewegungsfreiheit anerkannt!

Pionierin. Zu verdanken ist diese Entwicklung nicht zuletzt der überaus aktiven Coco Chanel, die schon vor dem Ersten Weltkrieg damit begann, bequeme Kleidung aus Jersey zu schneidern. Sie sollte es den Damen erlauben, frei zu atmen und uneingeschränkt Sport zu treiben. Nicht nur im Trockenen: 1914 entwarf sie auch die ersten elastischen Stoffe für Badeanzüge.

Die Bademode galt als besonders heikles Terrain, da das öffentliche Zeigen nackter Haut nach wie vor verpönt war. Dennoch sah man in öffentlichen Bädern immer häufiger knie- und schulterfreie Badetrikots, was vor allem Sportschwimmerinnen zugute kam. Sogar das vormals „unweibliche“ Reiten mit gespreizten Beinen, Radfahren und Wandern wurde allmählich gesellschaftlich toleriert und bewirkte schließlich das Aufkommen funktioneller Sportkostüme für Damen. Manch einer munkelt sogar, dass der Einzug der Hose in die Damenmode nur durch die „Hintertür“ der Sportbekleidung möglich geworden sei.

Rock on, Rock off. Schon bald folgten die ersten weiblichen Sportmodekollektionen, etwa jene von Jean Patou: Der französische Modeschöpfer erfand den ersten Tennisrock, dessen Prototyp durch Weltstar Suzanne Lenglen 1921 in Wimbledon erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Was zunächst als anrüchig galt, resultierte letztlich sogar in der Vorschrift, dass Damen auf Turnieren ausschließlich weiße Röcke tragen durften – zumindest, bis Serena Williams auf der Bildfläche erschien und mit ihren exzentrischen Catsuits auch diese Konvention brach. Nichtsdestotrotz avancierte das charakteristische Tennis-Outfit zu einem starken modischen Statement, das sich schon bald seinen Platz auf den Laufstegen sicherte: Die Kollektionen von Lacoste, Hermès oder Louise Goldin waren immer häufiger mit weißen Faltenröcken, V-Neck-Strickpullovern und Frottee-Stirnbändern gespickt.

 

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Aerobic-Mania. Mitte der 1980er-Jahre war die Verstrickung von Mode und Sport schließlich intensiver denn je. Fitness- und Fashion-Pionierin zu dieser Zeit war – wie könnte es auch anders sein – Jane Fonda. Mit dem aufkommenden Aerobic-Fieber eroberten hautenge Leggings, Bodys, Trikots und Turnanzüge die Modewelt im Sturm, elastische Stirnbänder, Stulpen und knöchelhohe Sneakers gehörten ebenso zur Grundausstattung. Blockbuster wie „Fame“ oder „Flashdance“ bereicherten den sportiven Trend zusätzlich um übergroße, schulterfreie Sweatshirts. Zu diesen kombinierte man am liebsten Radlerhosen und weiße Sneaker. Wer mit offenen Augen durch die Straßen spaziert, wird merken: Heute, nach über 30 Jahren, ist der Look wieder en vogue. 

Karls Alptraum. Unter all den genannten Beispielen gibt es jedoch kaum ein Kleidungsstück, das sich von seiner sportlichen Zweckhaftigkeit weiter entfernt hat als die Jogginghose. Das Key-Piece unserer Home-Office-Uniform wurde zwar bereits in den 1920ern vom französischen Sportmodenhersteller „Le Coq Sportif“ auf den Markt gebracht, allerdings erst in den 1990er-Jahren durch das Aufflammen der amerikanischen Hip-Hop-Tanzkultur in die Alltagsmode übertragen. Der Trend schwappte bald nach Europa über und hat seither von der Couch bis zur Couture nahezu jeden Bereich unseres Lebens durchdrungen. Die grauen Zeiten sind inzwischen glücklicherweise vorbei: In dieser Saison trägt man etwa Jogginganzüge in zauberhaften Pastellfarben wie Flieder, Zitronengelb oder Mintgrün. Damit ist auch die Motivation, später noch zum Sport zu gehen, etwas höher. Theoretisch zumindest. Ja, Karl – we hear you …