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Lifestyle | 21.11.2017

Genial Regional

Wir sprachen mit drei Frauen, die genau darauf viel Wert legen: Ihre Produkte sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, sie sind Spezialistinnen für Direktvermarktung.

Viele Menschen legen heute viel Wert auf gesunde Kost, wollen selbst kochen und haben großes Interesse daran, wo die Produkte dafür herkommen. Diese sind in einem Bauernladen oder bei einem Ab-Hof-Verkauf bestens aufgehoben. Bei Maria Tschögl aus Krensdorf (Bezirk Mattersburg) und Regina Rokob aus Großhöflein (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) läuft alles nach folgenden Prämissen: natürlich, regional, saisonal, verantwortungsvoll. Tschögl ist seit 17 Jahren Bio-Bäuerin mit Herz und Seele. Für ihren Ab-Hof-Verkauf bäckt sie ihre mit Auszeichnungen überhäuften, berühmten Bio-Dinkelbrote in sieben verschiedenen Varianten (zwei davon auch zur Verkostung) und vertreibt auch selbst gemahlenes Mehl. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef bewirtschaftet die Bio-Bäuerin einen landwirtschaftlichen Meisterbetrieb und baut verschiedene Ackerkulturen an. Die Bio-Dinkelbrote werden nach spezieller Rezeptur in der hofeigenen Backstube liebevoll hergestellt. Dazu verwendet Tschögl nur selbst angebauten, selbst gemahlenen Bio-Dinkel sowie reines persisches Wüstensalz: „Es ist mir ganz wichtig, kein raffiniertes Salz zu verwenden, den Unterschied schmeckt man. Das Wüstensalz ist etwas ganz Besonderes, laut aktuellem Analysebericht der TU Graz ist es rein basisch, mit über 80 Spurenelementen.“

Gemüse-Raritäten-Bäuerin und Kräuterhexe.

Ganz auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist auch der Betrieb von Regina Rokob aus Großhöflein. Mit ihrem Bauernladen „Altes Kaufhaus“ bietet sie aus Überzeugung seit fast vier Jahren eine ausgewählte Produktpalette an. Neben frischem Obst und Gemüse auch Milchprodukte von Kuh, Schaf und Ziege sowie Brot, Fleisch, Wurst, Eier, Nudeln, Mehl, Getreide, Öle und Essige, Saucen, Konserviertes, Marmeladen und Chutneys, sogar prall gefüllte Geschenkskörbe. „Es kommen viele Leute aus dem Ort, aber viel mehr Menschen kommen aus der Umgebung.“ Als Gemüse-Raritäten-Bäuerin und Kräuterhexe stellt Rokob viele ihrer angebotenen Produkte selbst her. Den Betrieb schupft sie alleine, die drei Kinder und ihr Mann unterstützen sie jedoch in ihrem Vorhaben, aber trotzdem: „Ich bin Einkauf, Verkauf, Marketing, Produktion, Putzfrau und Buchhalterin in einem.“

 

 

Gutes aus der Region

Gesellschaft ist kritischer.

Und das Konzept der Nachhaltigkeit und Regionalität geht auf. Immer mehr Menschen legen Wert auf eine bewusste Ernährung und wollen wissen, woher die Produkte kommen und was genau drin steckt. Und dafür nehmen sie auch eine weite Anreise in Kauf. „Es kommen sowohl ältere Menschen, die in Gesundheit leben wollen, sowie viele junge Menschen, die Kinder haben und kritisch sind, was ihre Lebensmittel betrifft. Sie kommen aus der ganzen Region zu uns“, erzählt Tschögl.

Gründe, kritisch zu sein, gibt es genug: Laut Lebensmittelkodex muss z. B. Dinkelbrot nur zu 60 % aus Dinkelmehl bestehen, der Rest dürfen andere Mehle sein. Vor allem in Bezug auf Unverträglichkeiten und Allergien ist das oft ein Problem. Ebenso heißt es Augen auf beim Mehlkauf: „Der Konsument weiß oft nicht, dass wenn er herkömmliches Vollkornmehl kauft, dass das gar kein Vollkornmehl ist. Der Keimling, das Hochwertigste beim Vollkorn, wird separiert. Im Handel ist das anders gar nicht möglich wegen der Lagerungsfähigkeit. Bei uns sieht der Kunde den Weg vom Korn zum fertigen Produkt. Vor allem für Kinder ist es ein Erlebnis zuzusehen, wie das Mehl gemahlen wird und aus den Getreidekörnern Brot entsteht.“

Auch Regina Rokob hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Gesellschaft im Wandel befindet und ein Umdenken stattfindet: „Es ist für die Leute schwer zu fassen, was sie bekommen, wenn sie im Supermarkt Produkte kaufen. Bei uns wissen sie genau, wo es herkommt und was drin ist.“

Das Gesicht der Lebensmittel.

Auch Friederike Schmitl von der Landwirtschaftskammer (Fachbereichskoordinatorin und Spezialberaterin für Direktvermarktung; Projektleitung Burgenländische Seminarbäuerinnen) stellt ganz klar einen Trend zum regionalen Einkaufen fest. „Durch den Direktverkauf im eigenen Hofladen, auf Bauernmärkten oder in Bauernläden entsteht ein verstärkter Dialog, der Vertrauen schafft. Lebensmittel bekommen ein ‚Gesicht‘. Die Produzenten agieren als authentische  Lebensmittelbotschafter.“ Schmitl spricht jedoch auch von begrenzenden Faktoren: Für die Produzenten seien das vor allem die hohen gesetzlichen Auflagen und der intensive persönliche Arbeitseinsatz. Gesellschafts- und umweltpolitisch positiv zu sehen, seien die kurzen Transportwege sowie auch die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region, sei es direkt in der Landwirtschaft und, was häufig vergessen wird, in den nachgelagerten Bereichen wie Gewerbe, Tourismus, Handel und Industrie.

Nachhaltig statt „Geiz ist geil“. Die positive Entwicklung in der regionalen Vermarktung geht schon seit Jahrzehnten mit einem intensiven Bildungs- und Beratungsangebot einher. Seitens der Landwirtschaftskammer werden laufend Kurse zu allen Themen rund um diesen Betriebszweig angeboten. Mit der Marke „Gutes vom Bauernhof“ wurde ein österreichweit standardisiertes Qualitätsprogramm geschaffen, das den Kunden Orientierung bietet und strengen Richtlinien und externen Kontrollen unterliegt. Im Burgenland nehmen derzeit 50 Betriebe daran teil. Darüber hinaus steht den Betrieben, die zum Verein „Bäuerliche Selbstvermarkter Burgenland“ beitreten, eine zusätzliche Plattform zur intensiveren Vernetzung und vertiefenden Betreuung zur Verfügung. Doch am Ende ist der Kunde am Zug. Jeder Einzelne kann durch sein Einkaufsverhalten die gesicherte regionale Lebensmittelproduktion wesentlich beeinflussen. Statt „Geiz ist geil“ lieber regional und nachhaltig.


INFOS

Seminarbäuerinnen: Werte schmackhaft machen

Seminarbäuerinnen schulen praxis-orientiert den sorgsamen Umgang mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln vom Einkauf bis zum Teller und vermitteln auch Wissen über die Produktion von Lebensmitteln und weitere landwirtschaftliche Themen. Sie sind authentische und qualitätsgeprüfte Kursleiterinnen. Die zertifizierten Seminarbäuerinnen wollen Personen aller Altersgruppen anregen, mit Lebensmitteln wertschätzend umzugehen, z. B. im Rahmen von Kochseminaren für Erwachsene, bei Schulworkshops mit Kindern sowie bei Messeeinsätzen und Aktionstagen.

Dipl. Päd. Ing. Friederike Schmitl • Projektleitung Burgenländische Seminarbäuerinnen • Bgld Landwirtschaftskammer/LFI Burgenland • Esterházystraße 15 • 7000 Eisenstadt • Tel.: 02682/702 403 • [email protected] • www.bgld.lfi.at

 

Maria Tschögl

Ödenburgerstraße 23 • 7031 Krensdorf • Mobil: 0699/888 13 453 • [email protected]

Ab-Hof-Verkauf: Jeden Freitag von 14.30 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung

 

Altes Kaufhaus Regina Rokob

Hauptstraße 81 • 7051 Großhöflein • Mobil: 0664/395 53 49 • [email protected]

Öffnungszeiten: Dienstags von 15 bis 19 Uhr, Freitags von 8.30 bis 19 Uhr