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Lifestyle | 09.05.2018

S.O.S. Mamacoach

Gute Mama werden, gute Mama sein – Eltern sind in der Erziehung verunsichert, schwanken zwischen Strenge und Laissez-faire und vergessen dabei auf sich selbst. Ein Gespräch mit Elterncoach Sabine Wirnsberger.

Und plötzlich ist man Mama. So scheint es zumindest, auch nach neun Monaten ziemlich intensiver Vorbereitungszeit. Sofern man sich auf die unergründlichen Tiefen und emotionalen Höhen des Mutterseins vorbereiten kann. Und sogar noch nach 13 Jahren aktiver Mutterschaft, wenn dann die Pubertät mit einem Schlag das harmonische Familiengefüge aus den gewohnten Bahnen lenkt, selbst dann fühlen sich Eltern erneut ratlos und wissen nicht, wo sie in der Erziehung ansetzen sollen.  Dann, wenn der familiäre Weg sich gabelt und man alleine nicht mehr weiter weiß. Wenn es einen scheinbar grundlos und völlig unvorbereitet trifft. Erste Hilfe kann dann ein Elterncoach leisten. Aber er tut auch in reibungslosen Zeiten gut – um Blickwinkel zu ändern, das eigene Verhalten zu reflektieren und neue Lösungsansätze zu finden. Im Coachingprozess heißt es dann für viele Mütter vor allem: sich selbst besser kennen lernen. Und: willkommen im Abenteuer „Erziehung“.

 

Hilfe mit Elterncoaching. Sich alleine im undurchdringlichen Erziehungsdschungel zurechtzufinden ist heute jedoch kein Muss mehr. Die moderne Mutter greift nicht nur in Sachen Geburtsvorbereitung, sondern auch noch später bei der Erziehung zum Profi. „Dabei geht es meist darum, erneut Mut und Selbstvertrauen aufzubauen“, weiß Sabine Wirnsberger vom Institut für Familienförderung. „Wenn es Konflikte gibt oder das Gefühl entsteht, alleine nicht mehr weiter zu wissen, dann ist das Elterncoaching eine Möglichkeit, neue Perspektiven wahrzunehmen.“ Dabei stehen Mütter oder beide Elternteile im Zentrum der Aufmerksamkeit, denn kleine Kinder seien laut Elterncoach niemals für ihr eigenes Verhalten verantwortlich. Es sind schließlich Eltern, die Verhalten entweder zu- oder auch nicht zulassen. Was wie aus einem klassischen Familienratgeber (der laut Wirnsberger vorwiegend von Männern geschrieben wird, die nicht aktiv in der Kindeserziehung involviert waren) klingt, ist in der Realität harte Arbeit: „Dass Erziehung leicht sei, hält sich hartnäckig – ist jedoch völlig unrealistisch. Wenn im Familienalltag dazwischen einmal spaßige Zeiten aufkommen, ist das schon nahe an perfekt“, versucht Wirnsberger falsche Erwartungen bei Eltern herunterzuschrauben. Denn am Ende seien es gerade diese, die Eltern überfordern.

 

Die Leichtigkeit des Seins. Daher gilt: Loslassen, entspannen und für eine dauerhaft gute Basis, bestehend aus sicherer Bindung zum Kind (sich Zeit nehmen) und konsequentem Grenzensetzen (das gibt Sicherheit), sorgen. „Kinder lernen am meisten durch Nachahmung. Daher ist die stärkste Maßnahme für eine geglückte Erziehung: Beobachten Sie sich selbst!“, weiß der Familiencoach. „Eltern, die sich zunächst mit ihrer eigenen Geschichte und falschen Mustern auseinandersetzen, sie aufarbeiten und Frieden damit schließen, verhalten sich automatisch richtig.“ Spaß im Alltag sowie eine gewisse Leichtigkeit seien dabei wichtigste Ingredienzien einer guten Mischung aus vielerlei Erziehungstipps. Denn: Ist Mama relaxt, ist es auch das Kind. „Stress spüren Kinder schon im Säuglingsalter“, warnt Wirnsberger. Und imitieren gleich darauf ihre Mutter. „Entschleunigen Sie also und geben Sie Stress keinen Raum.“

 

Generation „Stark und selbstbewusst“. Damals war in der Kindeserziehung vieles anders, vergleichen lasse sich diese mit jener von heute kaum: „Erziehung ist stets das Resultat der Gesellschaft und passiert von Generation zu Generation fließend.“ Im Heute angekommen, freuen wir uns über starke und selbstbewusste Kinder, die Dank ihrer demokratischen Eltern Freiraum zur Entfaltung und Individualität haben. Anders als damals. Streit sei dabei sprichwörtlich das Salz in der Suppe: „Im konstruktiven Streiten lernen Kinder mit Konflikten umzugehen, Eltern lernen zu führen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden“, möchte Wirnsberger darauf aufmerksam machen, dass Familien-Streite eine reinigende Wirkung haben und nicht überbewertet werden sollen. „Schließlich müssen wir unsere Kinder auf den Stress und die Herausforderungen jener Gesellschaft vorbereiten, die sie dann selbst vorfinden werden.“