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Lifestyle | 14.08.2018

"Bin morgen wieder erreichbar"

Anrufe, Mails, SMS, Whatsapp-Nachrichten, Messages via Facebook – ist es dir manchmal auch zu viel? Wie und warum du bewusst abschalten solltest.

Wenn Ela Thurner (siehe Porträt ab S. 56) sich auf ihre Fotoshootings vorbereitet, dreht sie zur Kulisse passende Musik auf, sie schminkt sich, schlüpft in Kostüme und switcht den Alltag weg. Ist das nicht ein Geschenk – in einer rastlosen, multimedial (überfluteten) Welt? Wie wichtig sind Auszeiten, um die Akkus wieder aufzuladen? Wir fragten die Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin Elke Aufner-Hergovich von Die Tür, der Frauenberatungsstelle in Eisenstadt und Mattersburg.

BURGENLÄNDERIN: Ein Phänomen der Gegenwart: Man kann immer erreichbar sein; das hat nicht nur Vorteile …
Elke Aufner-Hergovich: Dauerndes Erreichbarsein, ständige Reizüberflutung verursachen Stress für den Körper; Dauerstress kann zu psychischen Störungen führen. Es ist wichtig, bewusst abzuschalten – auch wirklich das Handy –, um seine Akkus neu aufladen zu können.

Wie gelingt das?
Die Methoden zu entspannen sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Da gibt es Meditation und Yoga, progressive Muskelentspannung (dabei werden nacheinander verschiedene Muskelgruppen an- und entspannt, Anm.) oder Achtsamkeitsübungen – auch unter professioneller Anleitung. Für die einen ist Gartenarbeit ein schöner Ausgleich, andere bekommen beim Laufen den Kopf frei. Bewegung hilft abzuschalten – und soziale Kontakte; mit dem Mann auf der Terrasse sitzen, Freunde treffen …

Facebook & Co. wird so konzipiert, dass man sich möglichst viel damit befasst. Wie entkommt man dem?
Wichtig ist, die Kontrolle zu behalten. Man muss sich immer wieder fragen: Warum bin ich auf Facebook oder Ähnlichem? Was bringt es mir? Wie viel Zeit möchte ich damit verbringen? Wenn meine Freundin von ihrer Bergtour Fotos postet, dann ist das doch okay, wenn ich das interessiert verfolge. Aber wir müssen Informationen filtern, dürfen uns nicht antreiben lassen; es muss nicht alles gesehen und kommentiert werden. Und: Die tollen Reisen, die absolvierten Marathonläufe der anderen, all das kann Druck ausüben, dem man aktiv entgegenwirken sollte.

Zurück zum Alltag: Was kann man gegen das quälende Gefühl, ständig mit nichts fertig zu sein, tun? Mit welcher Strategie kommt man zu Freiräumen?
Das betrifft sehr oft Frauen durch die Mehrfachbelastung mit Job, Kinder und Haushalt. Gerade wir neigen dazu, zu hohe Ansprüche an uns zu stellen. Dabei gibt es natürlich keine perfekte Beziehung, keine perfekten Kinder. Die Frage ist: Wo kann ich Abstriche machen, um zu Entspannung zu kommen? Der nächste Schritt ist dann, dass ich es auch wirklich aushalte, wenn Dinge nicht gemacht sind, wenn der Rasen nicht gemäht oder die Wäsche nicht erledigt ist. Man muss versuchen sich vor Augen zu halten, was man alles geschafft hat, nicht umgekehrt.

Das sogenannte Dolcefarniente, das angenehme Nichtstun, braucht es das?
Das hat viel mit Erziehung zu tun; noch immer kursiert der Irrglaube, nichts wert zu sein, wenn man nicht arbeitet. Es ist aber wichtig, sich bewusst Pausen zu erlauben. Manche Menschen tun sich damit schwer, aber man kann es in kleinen Schritten lernen, auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen. Durch ständigen Perfektionismus kann man auch in eine Dynamik geraten, die in die Erschöpfungsdepression (Burn-out) führen kann. Alarmzeichen können Schlafstörungen, psychosomatische Reaktionen sein. Unsere Akkus halten nicht unendlich.

Also ab in den Urlaub?
Das Abschalten, während man am Meer liegt, fällt leichter. Laut Studien sind mehrere Kurzurlaube im Jahr sehr effizient. Aber: Die Balance zwischen Belastung und Entspannung sollte auch zu Hause gelingen.

www.frauenservicestelle.org