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Lifestyle | 24.04.2019

Zivilcourage kann man lernen

ZARA steht für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Wie man Zivilcourage lernen kann und warum die steigende Anzahl an Meldungen über rassistische Vorfälle auch mehr Sensibilität bedeutet.

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© Shutterstock

Ein Mann rempelt grob eine Frau auf dem Hauptplatz an. Ein Mädchen mit Kopftuch wird im Bus von mehreren Jugendlichen angepöbelt. Selbst wenn es für Sie sonnenklar ist, dass Sie solche Szenen für inakzeptabel halten: Wissen Sie sofort, wie Sie innerhalb kürzester Zeit im Sinne einer für alle friedlichen Lösung handeln sollten? Die persönliche Wertehaltung ist die eine Sache; das „Richtige“ zu tun, ohne sich selbst und andere in Gefahr zu bringen, eine andere. Aber: „Zivilcourage kann man lernen“, betont Karin Bischof. Sie hatte Kultur- und Sozialanthropologie studiert; beschäftigte sich intensiv mit dem Thema kulturelle Vielfalt in einer globalisierten Welt. Was sie dabei früh herausfand: „Der Störfaktor sind Diskriminierung und Rassismus.“ Zunächst engagierte sie sich ehrenamtlich für ZARA, mittlerweile ist sie langjährige Mitarbeiterin der Organisation. ZARA ist heuer 20 Jahre alt; sie steht für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit sowie ZARA Training. Gegründet wurde der Verein mit dem Ziel, „eine rassismusfreie Gesellschaft zu fördern“ – etwa durch sensibilisierende Initiativen. Zudem berät das ZARA-Team kostenlos und vertraulich bei Vorfällen von Hass im Netz sowie bei rassistischer Diskriminierung. Die Mission im Kern: „Zivilcourage ist die wohl wichtigste Form, in der wir unsere Solidarität ausdrücken können und für Werte wie Gerechtigkeit und Gleichheit unmittelbar einstehen können“, erklärt ZARA-Geschäftsführer Dieter Schindlauer.

 

"Viele fühlen soziale Verantwortung, wissen nur nicht, wie sie richtig reagieren können." Karin Bischof, Trainerin für Zivilcourage, Argumentationstechniken & Diversität

 

Workshops

Karin Bischof ist unter anderem Trainerin für Zivilcourage, Argumentationstechniken und Diversität; sie und ihre Kolleginnen und Kollegen des ZARA Training Pools halten Workshops in ganz Österreich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dabei gibt es sowohl von Schulen, Institutionen oder Unternehmen „angeforderte“ Trainings als auch offene Workshops für Interessierte. „Die Menschen, die zu uns kommen, tragen ein großes Gefühl von sozialer Verantwortung in sich, wissen aber oft nicht, wie sie in bestimmten Situationen reagieren können“, erklärt Bischof. Geschult kann die Handlungskompetenz werden. Dazu gehört beispielsweise auch das Wissen um das Bedienen von Notfallsystemen etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn das klassische „Dazwischengehen“ ist nicht immer die beste Lösung. Beziehungsweise will es gut überlegt sein, ob eine Intervention in Bezug auf die gerade aggressive Person gesetzt wird oder besser das Opfer, also die Person, die in Not ist, gestärkt wird. Zivilcourage sollte in vier Schritten passieren: wahrnehmen, Situation einschätzen, Verantwortung übernehmen, eingreifen (wobei damit auch schon ein „Hinschauen“ gemeint sein kann). Das Üben begünstigt eine reflexartig „richtige“ Reaktion, „denn kopflos sollte diese nicht sein“, betont Karin Bischof. „Es geht auch um die eigene Sicherheit. Die Ohnmacht kommt davon, wenn wir in der Aufregung durch das schnelle, flache Atmen zu wenig Sauerstoff haben. Wichtig ist: Dreimal tief durchatmen vor dem Eingreifen.“


Rassismus-Report

Heldenmedaillen gibt es selten. Im Gegenteil. Gerade im Widerstand gegen Rassismus und Diskriminerung kann Zivilcourage negative Konsequenzen haben, „weil es hier gilt, das Spannungsverhältnis unterschiedlicher Wertehaltungen auszuhalten“, weiß Bischof. Umso wichtiger sei es, sich seiner persönlichen Ziele bewusst zu sein. Besonders hilfreich ist hier der Austausch mit Gleichgesinnten. ZARA publiziert jährlich Ende März den Rassismus-Report. 2018 haben Zeuginnen und Zeugen sowie Betroffene fast 2.000 rassistische Vorfälle an ZARA gemeldet (2017: 1.162). Die hohe Zahl sei auch darauf zurückzuführen, dass ZARA sichtbarer wird und ebenso „auf die vielen Menschen, die Rassismus wahrnehmen und sich aktiv dagegen einsetzen“, heißt es seitens des Vereins. Positiv bewertet man die Sensibilität von Facebook-Usern für rassistischen Online-Hass: Rund 60 Prozent aller das Internet betreffenden Meldungen an ZARA kamen von Facebook-Userinnen und Usern. Zusammenfassend zu den aktuellen Statistiken betont ZARA: „Es besteht gewaltiger Handlungsbedarf.“

Info: www.zara.or.at

 

 

Fotos: ZARA/Johannes Zinner, Shutterstock

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