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Lifestyle | 18.06.2019

Unter einem Regenschirm

12 Weisheiten zum Thema Humor

Beate Falbesoner zitiert gerne Erich Kästner: „Humor ist der Regenschirm der Weisen.“ Da stellen wir uns gerne darunter und sammeln mit ihr Weisheiten zum Mundwinkeln-Raufziehen. Warum die Eisenstädter Psychologin und Psychotherapeutin Beate Falbesoner da die ideale Expertin ist? Dem Thema widmete sie schon ihre Dissertation: Unter dem Titel „Humor und Partnerschaft“ untersuchte sie, wie sich Humor auf Stressverarbeitung, Konfliktlösung und Problemverhalten auswirkt. „Überraschung: natürlich positiv“, lacht Beate Falbesoner, die dabei freilich noch viel Spannendes herausfand. Die oft zitierten drei Säulen der Gesundheit würde sie um eine weitere erweitern: „Die Rede ist von Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung – dem Humor würde eine eigene Säule gebühren.“

 

"Humor fördert eine positive Beziehungsgestaltung." Beate Falbesoner, Psychologin

Humor tut der Beziehung gut.

Beate Falbesoner hat für ihre wissenschaftliche Arbeit im Burgenland 200 Paare jeden Alters befragt. Bei Paaren mit harmonierendem Schmäh-Verständnis „ist die Beziehungszufriedenheit größer, sie haben mehr gemeinsame Erinnerungsmomente und die Beziehungen halten länger“, erklärt Falbesoner. Denkwürdiges Detail: Spaßbremsen im Doppelpack, also Beziehungen, in denen beide Seiten tendenziell ernsthaft sind, haben auch gute Aussichten auf eine lange Partnerschaft. Humor gilt aber prinzipiell als ein gutes Werkzeug für positive Beziehungsgestaltung; am Anfang einer Beziehung geht sie zumeist leicht von der Hand, später muss man vielleicht bewusst nachhelfen.

Humor ist immer eine Gratwanderung.

„Er soll nämlich nicht verletzen“, sagt die Psychologin. Wichtige Zutaten sind Empathie und Feingefühl. Wenn man mal unbeabsichtigt übers Ziel hinausschießt, ist das kein Beinbruch. Den Spaßvogel weist man am besten mit ehrlichen Worten in Schranken. „Aber wenn jemand ausschließlich mit abwertendem Humor unterwegs ist, geht man lieber auf Distanz“, weiß Falbesoner. Besonders in Partnerschaften können solche Menschen Schlimmes anrichten – bis hin zum Rückzug und Resignation ihres Gegenübers. Mit Humor hat das aber herzlich wenig zu tun, mitunter steckt Wut über die eigenen Unzulänglichkeiten dahinter.

Notorische Witze-Erzähler sind nicht immer lustig.

Die meisten Menschen ärgern sich, dass sie Pointen vergessen oder ihre Anekdoten nicht amüsant genug wiedergeben können. Allerdings sind die genannten Varianten in Gesellschaft trotzdem unterhaltsamer als ein Vulkan an auswendig gelernten Witzen, der unter seinem Pointen-Lava jede Unterhaltung in der Runde erstickt. Andersrum: „Guter Humor fördert die Interaktion und die Gemeinschaft“, betont Beate Falbesoner. Wir mögen: sozialen Humor. Der hilft auch, bestimmten Momenten und Menschen mit Gelassenheit zu begegnen bzw. schwierigen Situationen den Druck zu nehmen.

Die hohe Kunst des schwarzen Humors.

Ein klar deklariertes No-Go von gutem Schmäh gibt’s nicht; selbst in schlimmen Krisen darf gescherzt werden, wenn man das Gespür dafür hat. „Humor kann helfen, dem Schrecken die Spitze zu nehmen“, beschreibt die Psychologin. Ein tiefschwarz glänzendes Beispiel: Beim Begräbnis eines Komödianten treffen alte Freunde aufeinander. Als sich der mit 90 Jahren älteste Kollege verabschieden will, reicht ihm einer seine Freunde die Hand und sagt: „Dass du noch heimgehst, zahlt sich jetzt auch nicht mehr aus.“

Lachen kann man trainieren.

Wir kennen sie alle, diese „Wäh-Tage“, an denen schon das Spiegelbild am Morgen ein Graus ist. Wer sagt, dass man sich dieser Laune als Opfer hingeben muss? Also: fokussierter Blick in das reflektierte Feindbild und Mundwinkel rauf. Falbesoner: „Man kann sich leicht austricksen. In dem Moment, wenn man sich im Spiegelbild noch so gezwungen anlächelt, schaltet das Hirn auf positive Stimmung. Schlimmstenfalls kommt man sich dabei so blöd vor, dass man deswegen lachen muss.“ Übrigens: Mit etwas Konzentration funktioniert der Trick sogar ohne Spiegel. Notfalls nimmt man einen Bleistift zwischen die Zähne.

Humor ist nicht genetisch festgelegt.

Miese Laune rechtfertigt man besser nicht mit unlustigen Vorfahren; im Genpool schwimmen zwar Charaktermuster, Humor gilt nicht als ein solches. Sehr wohl aber Extravertiertheit, was allerdings den Humor in der Regel fördert.

Humor kann man trainieren.

„Einfach ausprobieren“, lautet die Devise. Was kann Schlimmeres passieren, als dass niemand lacht? Am besten fängt man bei sich und klein an. Die Zubereitung: Man nehme eine ärgerliche Situation, wie beispielsweise einen Platzregen, der die penibel zurechtgezupfte Frise im Nu zerstört – und serviert die Realität mit einem Schmäh. „Warum nicht beim vereinbarten Treffen gleich auf die kreative Frisur hinweisen?“, schmunzelt Beate Falbesoner. Zwischen den Menschen braucht es auch humoristische Kompatibilität; selbst wenn es das Gegenüber nicht witzig findet, so hat man zumindest für sich eine negative Situation in eine positive umgewandelt.

Humor braucht manchmal Rückenwind.

Der Alltag frisst oft auf, sodass selbst den Lustigsten der Schmäh ausgehen kann. Wenn schon das Aufstehen am Morgen auf die Dauer mühsam wird, droht eine Spirale, aus der man schwer rauskommt. Bei Depressionen helfen Fachleute und Therapie, traurigen Verstimmungen kann man versuchen, selbst entgegenzuwirken: mit einem witzigen Kinofilm, Tanzen, Sport oder indem man Freunde trifft.

Humorkiller.

„Der Ernst des Lebens, da muss man durch oder man muss einmal reinbeißen – wenn ich diese Phrasen schon höre“, ärgert sich Beate Falbesoner. „Mir gefällt: Zuerst der Spaß, dann das Vergnügen.“ Ihre Empfehlung: „Halten Sie es wie Mary Poppins: In jeder Tätigkeit gibt es etwas, das Freude macht.“ Beispielsweise mit Musik und rhythmischen Bewegungen Fenster zu putzen, erfreut das eigene und im Idealfall auch das Herz der Nachbarschaft.

Lachen ist gesund.

Wissen Sie längst? Trotzdem, zur Erinnerung: Beim Lachen sind nicht nur eine Vielzahl an Muskeln in dynamischer Bewegung, man atmet dabei zudem stoßweise, es wird mehr Sauerstoff zum Hirn transportiert, was wiederum die Kreativität fördert. Lachen stärkt das Immunsystem, Stresshormone werden reduziert. Angeblich soll eine Minute herzliches Lachen so wirksam sein wie 45 Minuten Entspannungstraining.

Humor braucht Authentizität.

Ein eher introvertierter Pädagoge wird in der Schulklasse vermutlich nicht den großen Brüller landen, wenn er zwecks Auflockerung der Stimmung mit zittriger Stimme einen Witz vorliest. „Aber er könnte beispielsweise ein witziges Cartoon an die Wand projizieren.“ Das will heißen: Es darf herzhaft und passend zum Charakter experimentiert werden; verbissene Pointenjagd führt aber selten zum Ziel.

Humor hilft in der Erziehung.

Der Kübel, der beim Aufwaschen umkippt, ist per se kein Grund zum Feiern („Wie praktisch, da kann ich mir gleich die Füße waschen!“). Genauso wenig wie ein Fünfer in der Schule. Doch wenn man sich dazu gerade psychisch in der Verfassung fühlt – das ist nämlich Bedingung – darf über beides gescherzt werden. „Die schlechte Note kann ich trotzdem auch ernst nehmen und mit dem Kind besprechen. Aber: Sie lernen so für das spätere Leben, dass Missgeschicke kein Weltuntergang sind“, findet Beate Falbesoner.