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Lifestyle | 02.04.2020

Ja, ich bin überfordert!

Editorial von Chefredakteurin Nicole Schlaffer

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© BURGENLÄNDERIN

Ich wurde in den letzten Tagen bei einem Interview gefragt, was ich als meine Stärke in der jetzigen Zeit sehe. Meine Antwort: Schwäche zuzulassen. Machen wir uns nichts vor: Homeschooling und Homeoffice vertragen sich nur bedingt. Jeder, der viel zu tun hat, weiß, dass er nichts weiterbringt, wenn kleine Kinder im Haus – und wach – sind. Setzen wir uns nicht damit unter Druck, uns gegenseitig vorzumachen, wie entschleunigend es ist, dass jetzt alle daheim hocken und man so intensiv Zeit miteinander verbringen kann. Die, die es wirklich genießen – zu denen darf ich an manchen Tagen auch gehören ;) – sollten dankbar sein, aber diejenigen nicht vergessen, denen es nicht so geht. Wird es um den Jahreswechsel herum mehr Geburten oder in den kommenden Monaten mehr Trennungen geben?

 

„Jeder, der viel zu tun hat, weiß, dass Homeschooling und Homeoffice sich nur bedingt vertragen.“


Viele Frauen verspüren nun noch mehr Belastung: zu Hause arbeiten, die Kinder betreuen, bei den Schulaufgaben helfen, den Haushalt schupfen (der jetzt viel mehr Aufwand ist als sonst), sich Zeit für sich selbst nehmen – und das alles konzentriert an nur einem Ort. Wie muss es da Alleinerzieherinnen gehen oder Familien, in denen es vor der Ausgangssperre schon kriselte? Bleiben wir digital und telefonisch in Kontakt mit unseren Freunden, die jetzt in Umständen leben, die nicht gerade entschleunigend und kreativ sind. Bieten wir unsere mentale Unterstützung an, auch wenn wir selbst grad überfordert sind. Denn sobald wir uns und unserem Gegenüber eingestehen, dass einem grad alles zu viel ist, fällt die Anspannung ab, es wird leichter. In diesem Sinne, bleiben Sie entspannt und gesund – wir versorgen Sie weiterhin mit Lesestoff, der Sie berührt, der tiefgründig und unterhaltsam ist.

Nicole Schlaffer

Chefredakteurin BURGENLÄNDERIN