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Lifestyle | 22.04.2020

Stadt mit Hang zur Selbstironie

Brno boomt: Restaurants, Bars, Kultur & Romantik – unser Trip nach Brünn verrät Ihnen, wie Stadt und Menschen ticken, Geheimtipps inklusive.

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© Nicole Schlaffer

Eine erfrischende Unbekümmertheit erwartet uns in dieser 380.000-Einwohner-Stadt, die wir bisher nur vom Hörensagen  kannten. Nur knapp 1 ½ Stunden Zugfahrt von Wien entfernt, findet man sich mitten im regen Treiben des Zen­trums von Brno (tschechisch für Brünn) wieder, von wo aus der Großteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens zu Fuß erreichbar ist. Als wir nach wenigen Gehminuten bei unserem Hotel ankamen, verschlug es uns zum ersten (und nicht zum letzten) Mal bei diesem Trip die Sprache.

 

© Czech Tourism


Rollenspiel

Im Hotel „Anybody“ können die Gäste – wie der Name schon sagt – „irgendjemand“ sein. Jedes der zehn Zimmer ist ein Erlebnis für sich und von den besten Filmen der 1960er-Jahre inspiriert. Wir ließen uns überraschen und wussten nicht, was uns erwartet. Daher stutzten wir beim Eintreten etwas: direkt im Vorraum standen  zwei Kleiderständer mit jeder Menge bunter Kleidung, vom Negligé über Federboas bis zu Kleid und Hut. Geradeaus stand die Tür offen zu einem Badezimmer, das komplett in Schwarz gehalten war. Daneben eine Tür mit der Aufschrift „Dunkelkammer“, ganz links die Tür zum „Atelier“. In diesem wich das stille Staunen dann der freudigen Erwartung und ein breites Grinsen machte sich auf unseren Gesichtern breit. Beim Tablet im Vorraum auf Play gedrückt und schon konnte das „Blow-up“-Rollenspiel losgehen …


Second City

Doch zurück zur Stadt: Die einstige Industriestadt hat sich neu erfunden. Alte Fabrikareale wurden Dienstleistungszentren, Luft- und Raumfahrttechnik stehen für Hightech auf Südmährisch und Technische Hochschulen und Start-ups machen Brünn zur digitalen Hauptstadt des Landes. Viele Studenten bevölkern die Straßen und ein frischer Gründergeist beflügelt die Stadt. Touristen sieht man so gut wie keine, daher gibt es auch keinen Touristen-Nepp – Brünn ist authentisch. Durch unsere englischsprachigen Guides, die uns diese drei Tage begleiteten, lernten wir sehr viel über Brno und seine Einwohner. Diese üben sich munter in charmanter Selbstironie und sind über die Jahre hinweg frecher geworden. Da Brünn nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens ist, wird der Landeshauptstadt zwar nachgeeifert – aber auf ironische Weise. Noch dazu mit nonchalanter Leichtigkeit und schöpferischem Ideenreichtum. Und sehr wohl in dem Wissen, immer „nur“ die „second city“ zu sein. Die Dynamik in dieser Studentenstadt ist an vielen Ecken spürbar und vermischt sich eindrucksvoll mit historischem Erbe. Hier stehen immerhin das höchste Wohnhaus Tschechiens, die größte Oper Osteuropas, die erste Moschee des Landes, das einzige Museum weltweit für Kultur und Lebensweise der Roma sowie knapp einhundert Bauten der klassischen Moderne, entstanden in den 1920er- und 1930er-Jahren. Man fragt sich allerdings, warum die Brünner und andere Touristen aus Tschechien scharenweise in diese Bauten pilgern.

 

© Czech Tourism


Nur ein Haus?

Besonders stolz ist man auf die Villa Tugendhat. Weltkulturerbe hin oder her – auf die Gefahr hin, unsere nördlichen Nachbarn zu enttäuschen: Leute, das ist nur ein großes Haus mit großen Fenstern. Viel mehr als die mir unverständlich hochgelobte Architektur interessierte mich der geschichtliche Hintergrund. Ebenso bei der Villa Stiassni, die ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. In beiden Häusern lebten in den 1930er-Jahren wohlhabende jüdische Unternehmerfamilien, die nach ihrer Flucht ihr Haus nie wieder zurückbekamen. Daher kann ich die Vermarktung durch die Stadt und die Ehrfurcht der Brünner, in solch einem Haus zu stehen, nicht ganz nachvollziehen. Zu stark ist für mich das Gefühl, das enteignete Privatrefugium von Fremden zu betreten. Außerdem wurde es großteils rekonstruiert, da sich während des Zweiten Weltkriegs und danach verschiedene Personen, Institutionen und Parteien da­rin einnisteten. Trotzdem sind die Führungen in der Villa Tugendhat Wochen zuvor bereits ausgebucht (also früh reservieren, wer sich diesen Kick geben möchte!).


Außergewöhnliche Bars

Hingegen sind die Kulinarik und das Nachtleben Brnos ein absolutes Highlight. Selten haben wir so viele authentische Lokale auf einem Fleck gesehen. Innovative Food-Konzepte, außergewöhnliche Bar-Stile gepaart mit qualitativ hochwertigem Essen und Trinken – denn darauf legen die Brünner viel Wert, haben wir uns sagen lassen. Geheim-Tipp: eine „Speakeasy Bar“ bzw. „Hidden Bar“ im Zentrum namens „Super Panda Circus“. Von außen weist nichts darauf hin, dass hier das utopischste Barerlebnis auf seine Besucher wartet. Anläuten lohnt sich – mehr verraten wir dazu nicht! Bei wärmeren Temperaturen wird das Nachtleben in der Brünner Innenstadt auch lässig im Freien gefeiert. Von außen komischerweise nicht zu übersehen, ist die „Bar, die nicht existiert“ („Bar, který neexistuje“). Drin gibt es sowohl für die Augen als auch für den Gaumen vieles zu entdecken, wo doch die Cocktail-Welle in Brünn an ihrem Höhepunkt angelangt ist. Wer jedoch glaubt, es sich mit langweiligem Sex On The Beach oder Long Island Ice-Tea gemütlich machen zu können, hat sich getäuscht. Viel einfallsreicher und spannender sind die Kreationen in den Brünner Bars.

 

© Nicole Schlaffer


Wein & Häfn

Ebenso spannend ist es, die Stadt per pedes zu entdecken. Auch wenn das Straßenbahnnetz sehr gut ausgebaut ist, lohnt es sich, zu Fuß durch die Straßen und Gassen zu wandern. Da entdeckt man zum Beispiel einen sehr netten Wein-Shop namens „Just Wine“, wo neben einigen burgenländischen auch die besten tschechischen Weine zu finden sind. Denn auch wenn Tschechien als Biernation bekannt ist, hat der Weinbau dort eine lange Tradition. Das Weinbaugebiet Südmähren – südlich von Brünn – ist das bedeutendste in Tschechien und bringt viele gute Tropfen hervor, das können wir bestätigen! Durch einen 20-minütigen Spaziergang vom Zentrum aus gelangt man auf die mittelalterliche Burg Spielberg (Špilberk), wo wir eine Stunde lang zwischen den geschichtsträchtigen Gefängnismauern der Burg wandelten, den Geschichten lauschten und über viele Stiegen die Spitze des Turms erklommen. Beim Rückweg ins Zentrum hielten wir noch ein paar Mal inne und genossen den wunderschönen Ausblick auf diese charmante Stadt. Und so bleibt uns Brünn in Erinnerung: weltoffen, sympathisch, innovativ und sehenswert.

Impressionen
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Das Nachtleben ist Brünn ist spannend und vielfältig: unterschiedlichste Barkonzepte und ein Cocktail-Hype warten auf die Gäste.

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Im Hotel „Anybody“ schlüpft der Gast in die Rolle seines Lebens.

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Mit Wow-Effekt: Die Hidden Bar „Super Panda Circus“ ist von außen
nicht zu erkennen.

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Where to go – Brünn (Brno)

Essen

• „Die Küche“ (In Kabinet Múz), vegan/vegetarisch (tagsüber Küche, abends Musik-Club), Sukova 49, 602 00 Brno-střed, www.kabinetmuz.cz

• Restaurant „Castellana Trattoria“, italienisch, Novobranská 4, 602 00 Brno-střed

• Restaurant „Kohout NA VÍNĚ“, À la carte & Degustationsmenüs mit Weinbegleitung, Malinovského nám. 652/2, 602 00 Brno, www.kohoutnavine.com

• „Lokál u Caipla“, tschechisch, Kozí 115/3, 602 00 Brno-střed, lokal-ucaipla.ambi.cz/en


Bars

• „4pokoje“,  Vachova 45/6, 602 00 Brno-střed-Brno-město, www.miluju4pokoje.cz

• „Bar, který neexistuje“ , („Bar, die nicht existiert“), Dvořákova 1, 602 00 Brno-střed, www.barkteryneexistuje.cz

• „Super Panda Circus“, Šilingrovo nám. 257/3, 602 00 Brno-střed, www.superpandacircus.cz

 

Schlafen

• „Hotel Anybody“, Zelný trh 10, 602 00 Brno, www.anybody.cz


Infos

www.czechtourism.com

[email protected]

www.gotobrno.cz/de/