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Lifestyle | 19.06.2020

Unternehmen in der Krise

Massive Umsatzeinbrüche, Zukunftsängste, gestiegener Verwaltungsaufwand: Burgenlands Unternehmen sind durch die Coronavirus-Krise hart getroffen, aber nicht hoffnungslos. Ein Überblick mit Expertise.

Noch vor wenigen Monaten war diese Situation für viele undenkbar:

Ausgangsbeschränkungen, Geschäftsschließungen, plötzliche Arbeitslosigkeit, Masken als alltägliches Style-Utensil mit Schutzwirkung. Das Coronavirus hält Gesellschaft und Wirtschaft in Schach. Doch lassen sich alle davon unterkriegen? Und wer sieht die Krise als vielbesagte Chance – und wie? Ein Blick in die Zeitgeschichte zeigt, dass globale Krisen wie Kriege oder Finanzkrisen die Welt nachhaltig verändert haben. Die letzten zwei Monate vereinen die Sorge der Gesellschaft um ihre Gesundheit und um ihre Wirtschaft. Doch solche Wendepunkte können auch als Chance genutzt werden, ist Ulrike Treiber von Fidas Eisenstadt Steuerberatung überzeugt: „Jetzt geht es darum, nach vorne zu schauen und die Stärken hervorzuheben: Kreativität, Mut und Innovation – so wie auch Digitalisierung.“ Zahlreiche Unternehmen haben ihren Online-Umsatz vervielfacht, die Steuerberaterin hilft und berät ihre Klient*innen in dieser Hinsicht gerne. „Für viele Klein- und Mittelbetriebe war es ‚vor Corona‘ undenkbar, ihr Sortiment online anzubieten – diese Einstellung hat sich rasch geändert. Blumen vom Floristen ums Eck auf der Couch auswählen, sich sein Lieblingseis nach Hause liefern lassen, die neue Handtasche in der kleinen Boutique bestellen und nicht bei Zalando.“ Auf die Chancen der Krise angesprochen, zeigt sich Wirtschaftslandesrat Christian Illedits erfreut darüber, dass es Unternehmer*innen gibt, die infolge der Krise neue und innovative Ansätze gefunden haben, um am Markt bestehen zu können. „Wir wollen die heimische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit dazu ermutigen, neue Wege zu gehen. Dazu wollen wir entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Nur gemeinsam können wir so schnellstmöglich den Wirtschaftsmotor wieder zum Laufen bringen“, so Illedits.


Nicht alles ist Gold, was glänzt.

Der an vielen Fronten bestehende Drang zur Digitalisierung habe aber auch viele Auswüchse nach sich gezogen, weiß Elisabeth Kallinger-Iser aus Mattersburg. Die Expertin für digitales Marketing weist darauf hin, dass in den letzten Wochen „plötzlich Agenturen für Digitalsierung wie Schwammerl aus dem feuchten Boden geschossen sind“. „Es ist für Endkunden oft schwierig, zu unterscheiden, wer professionell und gut ist, weil alle mit denselben Tools arbeiten. Dabei gibt es bei der Qualität des Endprodukts sehr große Unterschiede.“ Elisabeth Kallinger-Iser selbst erfuhr in den letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle: von vollster Motivation bis Bereitschaft zur Resignation war alles dabei. Als Ein-Personen-Unternehmerin (EPU) hat sie mit speziellen Angeboten in den letzten Wochen versucht, ihren Umsatzausfall zu decken. „Ich habe mich fast täglich neu erfunden und verschiedenste Angebote ausgeschickt. Aber der Markt scheint übersättigt zu sein und die Unternehmen haben kein Geld bzw. ist ihnen eine Investition in Krisenzeiten zu unsicher. Ohne weitreichendes Netzwerk ist man hier aufgeschmissen als EPU.“ Weiters sieht sie bei vielen kleinen burgenländischen Unternehmer*innen die Notwendigkeit der Digitalisierung noch immer nicht angekommen. „Sie wissen, dass sie vielleicht sollten, aber viele haben nicht einmal einen entsprechenden Social-Media-Auftritt. Dadurch entgehen ihnen ungeahnte Chancen, vor allem in dieser Zeit.“


Mode vom Vorjahr.

Für wen Digitalsierung kein Thema war, ist Julia Geosics von Top Moden Balaskovics in Oberwart. Die Online-Präsenz ist natürlich vorhanden, aber Kleidung online zu verkaufen, ist für sie unvorstellbar, sie setzt auf persönliche Beratung und Service. Dank Kurzarbeit musste sie keine*n ihrer 16 Mitarbeiter*innen kündigen. „Unsere Mitarbeiter sind alle sehr loyal und stehen hinter uns wie eine große Familie, dafür sind wir sehr dankbar.“ Sie glaubt nicht an ein Aufholen des entgangenen Umsatzes der letzten Wochen. „Man kann nur Schadensbegrenzung erzielen. Ich hoffe, dass der Sommer halbwegs positiv wird durch Veranstaltungslockerungen. Denn Anlassmode geht zur Zeit gar nicht, da es keine Anlässe gibt. Sollte eine zweite Welle kommen, wäre das für die Wirtschaft definitiv tödlich.“ Im Juli komme schon die Herbstmode und für nächstes Jahr hofft Geosics, dass die Mode-Firmen ihr Versprechen halten und keine allzu großen Farb- und Musterunterschiede machen, sodass die Ware von heuer auch im nächsten Frühjahr noch verkauft werden kann. „Wenn wir nur 20 Prozent von heuer im nächsten Jahr verkaufen können, ist uns schon geholfen.“

Statements

Fixkostenzuschuss.

Umsatzeinbrüche hat der Großteil der Branchen zu verzeichnen. Einen Überblick über die Förderungs- und Überbrückungsmöglichkeiten geben Andreas Sommer und Fritz Zarits von der Steuerberatungskanzlei Sommer & Zarits in Eisenstadt. Sie kennen die Sorgen der Firmen und unterstützen mit kompetener Auskunft. Unternehmen mit einem Umsatzausfall von mindestens 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr können seit 20.5. einen Antrag auf Fixkostenzuschuss via Finanz-Online stellen. Die Bestimmungen dazu sind jedoch sehr kompliziert ausgefallen und lassen auch für den Experten viele Zweifelsfragen offen. „Wir empfehlen unseren Kunden daher, mit dem Antrag noch ein wenig zu warten und eine Adaptierung bzw. Klarstellung der Bestimmungen abzuwarten. Ganz grundsätzlich muss man aber festhalten, dass die versprochenen Soforthilfemaßnahmen für viele Unternehmer sehr spät kommen und in der Regel niedriger ausfallen werden als erhofft und vermutlich auch niedriger als notwendig.“


Markt bereinigt sich.

Ein Schock war der Shutdown Mitte März für Friseurmeisterin Marianne Hackl in Neudau (Bgld/Stmk). „Wir haben heuer 25-jähriges Betriebsjubiläum und hatten seit unserem Start außer sonn- und feiertags noch keinen Tag geschlossen.“ Trotzdem sieht sie die Maßnahmen der Bundesregierung als richtig. „So wie das Leben wird sich auch der Markt bereinigen und einige Unternehmen werden wegfallen. Ich hatte von einem Tag auf den anderen null Einkommen.“ Sofortige Maßnahmen, um die laufenden Kosten zu reduzieren, waren angesagt. Dazu nahm sie auch einen AWS-Kredit in Anspruch, der reibungslos abgewickelt wurde. „Trotz der schwierigen Lage bin ich realistisch und sehe positiv in die Zukunft. Wir sind in einer weltweiten Krise, in der man nicht alles auf den Staat schieben kann. Wir müssen zurückstecken und Selbstverantwortung zeigen. Leider wird es den ein oder anderen Betrieb treffen, der es nicht übersteht. Der Markt bereinigt sich selbst und Neues tut sich auf.“ Hackl hatte mit ihrem Team wieder einen positiven Start am 2. Mai. „Die Kunden und das Team sind sehr dankbar für das Wieder-da-Sein und wir alle freuen uns wieder auf ein lebendiges Miteinander.“

 

Digitaliserung senkt Bürokratieaufwand.

Dass sich das Thema Kurzarbeit bei vielen auch noch den Sommer über hinziehen wird, davon ist Kurt Lentsch von der klarkurs steuerberatung GmbH in Neusiedl am See überzeugt. „Die Kurzarbeit ist vorerst nur für drei Monate nach dem Shutdown bewilligt worden, nunmehr ist über Antrag auch eine Verlängerung vorgesehen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Stundenanzahl in der Kurzarbeit zu verändern. Wichtiges Thema ist auch der Fixkostenzuschuss, der seit Kurzem beantragt werden kann.“ Um den Unternehmer*innen in dieser schwierigen Zeit die Bürokratie zu erleichtern, rät Lentsch verstärkt zu elektronischen Zugängen zu AMS und Steuerberater. „Wir empfehlen unseren Mandanten das eAMS-Konto sowie unser hauseigenes Klientenportal. Damit können Lohnverrechnungsdaten, Zeitaufzeichnungen etc. unbürokratisch ans AMS gemeldet werden.“ Durch die Krise sei vielen Firmen bewusst geworden, dass die Digitalisierung eine notwendige unternehmerische Herausforderung ist. Dass die Branchen unterschiedlich hart getroffen wurden, sieht auch er: Lentsch glaubt z. B. an einen nur langsamen Anstieg der Umsätze in der Gastronomie.
Direkt aus der Praxis spricht hier die Geschäftsführerin des Restaurants „das Fritz“ in Weiden am See. Judith Tösch hat alle 60 Mitarbeiter durch das Kurzarbeitsmodell halten können. Doch durch den Wegfall bzw. die Absage von zwei Dritteln der 260 Veranstaltungen in diesem Jahr (Hochzeiten, Lesungen, Kabaretts etc.) rechnet die Gastronomin mit 30 bis 40 % weniger Umsatz. „In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen haben wir Essen zum Mitnehmen angeboten und haben 80 bis 150 Portionen pro Tag ausgegeben. Vor allem, um die Beziehung zu unseren Gästen aufrechtzuerhalten, denn das große Geschäft ist das nicht.“ Auch die Mitarbeiteranzahl wird sie diesen Sommer nicht so wie immer aufstocken können. „Normalerweise nehmen wir in der Hauptsaison zusätzlich 30 Mitarbeiter auf. Heuer werden wir versuchen, die vorhandenen 60 zu halten.“ Tösch zeigt sich dennoch zuversichtlich und ist froh, wieder für ihre Gäste da sein zu können. „Die Leute wollen raus, die Natur genießen, es gemütlich haben und gut essen. Die gesetzlichen Vorgaben können wir durch unsere Platzverhältnisse sehr gut einhalten. Die Gäste sind gechillt und diszipliniert. Doch wir würden uns von der Politik mehr Eigenverantwortung für die Menschen wünschen – dass die Maskenpflicht bald gelockert wird und die Gäste selbst entscheiden können, ob sie Masken tragen wollen oder nicht. Vorausgesetzt, die Zahlen und der Verlauf der Epidemie passen. Denn einen zweiten Shutdown wollen wir alle nicht.“

Fotos: Emmerich Mädl, Alex Lang


Tipps für Unternehmen von Agentur Frau Socol

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WEBSITE-TIPPS

1. Ihre Gäste/Kunden haben eine gute Website verdient, daher sollte diese gut strukturiert sein.

2. Sie brauchen eine übersichtliche und verständliche Menü­führung, Bilder und relevante Infos, jedoch nicht zu viel „happy Talk“ (= Blabla).

3. Ihr Gast/Kunde muss sich auf den ersten Blick zurecht finden.

4. Ihr Gast/Kunde liebt visuelle Gestaltung von Angeboten.

5. Mobile first – Ihre Website muss auf allen mobilen Endgeräten vollkommen dargestellt sein (nicht nur Teile davon).

6. Call to Action – wenn Sie ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen wollen, müssen Sie Ihrem Kunden eine Möglichkeit geben, aktiv zu werden (Buttons wie: Buchungen, Mehr Infos, Jetzt anrufen etc.).

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