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Lifestyle | 13.08.2020

Liebes Tagebuch …?

Journaling ist der neue Lifestyle-Trend. Mindfulness-Coach Simone Stocker erklärt, was das tägliche Schreiben bringt und wie wir im Leben zu mehr Achtsamkeit und Selbstliebe finden.

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© Roman Ullrich

Ein One-Way-Ticket nach Bali, kein Plan, aber eine Überzeugung: Sie will ein anderes Leben. So sah es aus, als Simone Stocker 2017 ihren Marketing-Job kündigte, ihre Wohnung verkaufte und ihren Heimatort nahe Schladming zurückließ. In Bali machte sie Ausbildungen zum Yoga-Teacher und zum Life-Coach, beschäftigte sich mit der Frage, warum so viele Menschen es sich selbst nicht erlauben, sich ihre Träume zu verwirklichen. Sie reiste weiter nach Thailand und hatte dort die Idee, ein eigenes Journal zu kreieren. Mittlerweile lebt Stocker in Wien und ihr „Blossome Journal“ mit Übungen und Tipps für ein Leben voller Selbstliebe, Dankbarkeit und Erfüllung ist mittlerweile erschienen. Sie bietet auch einen Selbstliebe-Onlinekurs an. Die STEIRERIN hat mit Stocker über Träume und Wege zum eigenen Inneren gesprochen.

 


STEIRERIN: Simone, du hast dich intensiv mit der Frage beschäftigt, warum so viele Menschen sich selbst nicht erlauben, ihre Träume zu verwirklichen. Hast du denn eine Antwort gefunden?

Simone Stocker: Ja, es sind drei Gründe: Erstens liegt es am großen Bedürfnis von uns Menschen nach Liebe und Zugehörigkeit. Deshalb glauben wir oft, eine bestimmte Rolle erfüllen und den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen. Zweitens sind viele in unserer schnelllebigen Welt permanent im Stress und haben es nicht gelernt, sich zu fragen: Was möchte ich eigentlich? Und der dritte Punkt ist der Wunsch nach Sicherheit. Aus unserer Komfortzone auszubrechen, macht uns Angst. Mit Selbstzweifeln und Glaubenssätzen möchte unser Gehirn uns schützen. Unser Unterbewusstsein hat in erster Linie das Ziel, dass wir überleben. Aber das macht natürlich unser Herz nicht glücklich.


Um diese Probleme zu überwinden, braucht es mehr Achtsamkeit. Aber was ist Achtsamkeit genau?

Achtsamkeit bedeutet, dass ich mich, meine Gedanken, meine Taten, meine Gefühle und alles, was um mich herum passiert, bewusst wahrnehme. Dass ich nicht in dieser unbewussten Schleife wie beim Zähneputzen und Autofahren bin, wo ich mit den Gedanken eigentlich ganz woanders bin, sondern dass ich mich ganz bewusst in diesen aktuellen Moment zurückhole. Es geht darum, den Kontakt zu unserem Unterbewusstsein, zu uns selbst, wiederherzustellen. Viele Menschen haben diesen Kontakt verloren. Das schafft man zum Beispiel durch Atemtechniken, Meditation, Yoga, Tanzen, Bewegung in der Natur oder Embodyment-Practices, wo man mit Berührung arbeitet.

 

"Es geht darum, den Kontakt zu unserem Unterbewusstsein, zu uns selbst, wiederherzustellen.", Simone Stocker

 


Hast du einen Tipp für eine einfache Achtsamkeitsübung?

Lege eine Hand auf dein Herz, die andere auf deinen Bauch. Schließe die Augen und erlaube dir, den Bauch ganz locker zu lassen. Dann atme ganz tief durch deine Nase ein und aus. Beobachte, wie sich deine Bauchdecke langsam hebt und senkt, wie du dich mit deinem Herz verbindest und ihm zuhörst, wie es schlägt. Mach das für zehn Atemzüge. Verbinde dich mit deiner Mitte und mit deinem Herzen. Indem du dich selbst berührst und in dich einfühlst, verbindest du dich mit dir und deinem Körper. Ich mache das sehr oft, wenn ich vor einer Entscheidung stehe oder eine schwierige Frage beantworten muss. Ich stelle mir vor, mein Herz zu fragen.



Was können wir durch Achtsamkeit erreichen?

Wir können unseren Glaubenssätzen auf den Grund gehen und sie hinterfragen. Wenn du dir bestimmte Glaubenssätze angeeignet hast, etwa dass du mit den Dingen, die du liebst, kein Geld verdienen kannst, bist du dir dessen nicht bewusst. Wenn du nicht achtsam bist, bist du dir dessen nicht bewusst, was du dir erzählst. Deine Gedanken sind aber die Ursachen für deine Gefühle und deine Gefühle sind die Ursachen für deine Taten. Oft setzen wir bei unseren Taten an und wollen da etwas ändern, aber eigentlich muss man viel tiefer gehen und sich fragen, was eigentlich zu den eigenen Taten führt. Wenn wir den Kontakt zu uns selbst wiederhergestellt haben, ist Journaling der nächste Schritt, um unsere Gedanken zu ordnen.

 


Was ist das Besondere an deinem Blossome Journal?

Es ist eine Kombination aus Journaling und verschiedenen Übungen, die dir dabei helfen, dich selbst kennenzulernen und herauszufinden, was dich besonders macht, welches Leben du dir kreieren möchtest. Der erste Teil besteht aus angeleiteten Übungen, wo du dir klar wirst: Was möchte ich in meinem Leben eigentlich machen und was mache ich dafür? Im ersten Bereich machst du also das Konzept. Im zweiten, freien Bereich versuchst du, das, was du dir vorgenommen hast, umzusetzen. Dieser Teil umfasst 40 Tage, denn in der Yoga-Tradition sagt man, dass man 40 Tage braucht, um Gewohnheiten zu ändern.

 

Wie könnte eine gute Journaling-Routine aussehen?

Ich würde das am Morgen machen, weil es am einfachsten ist, das Journaling an etwas zu knüpfen, das man ohnehin schon macht, zum Beispiel Kaffee trinken. Außerdem geht man dann mit einem klareren Kopf in den Tag und kann sich auch ein Ziel für den Tag setzen. Grundsätzlich empfehle ich, dass man das eine Zeit lang wirklich streng durchzieht, denn das Ändern von Gewohnheiten ist eine Herausforderung. Dabei ist es wichtig, viel Mitgefühl mit sich selbst zu haben und nicht zu denken, dass man gescheitert ist, wenn man es einmal nicht gemacht hat. Dass man sich selbst Zeit gibt.


www.bysimonestocker.com