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Lifestyle | 30.09.2020

Corona & Weiterbildung

Was tut sich am Bildungsmarkt und wie hat die Corona­virus-Krise diesen verändert? Wir sprachen mit WIFI-Institutsleiter Harald Schermann über Chancen, Motivation und neue Aus­bildungs­zweige.

Während des Lockdowns und auch in der vorsichtigen Phase danach waren viele Menschen zu Hause, im Homeoffice oder arbeitslos. Viel Zeit zum Nachdenken war vorhanden. Auch über die berufliche Zukunft, über Weiterbildungen und Veränderungen. WIFI-­Institutsleiter Harald Schermann zieht Bilanz über die letzten Monate und wagt einen Ausblick in die Zukunft.

Wie ist es der größten Erwachsenenbildungseinrichtung des Landes in den vergangenen Monaten ergangen?

Harald Schermann: Es war schwierig. Doch es kam uns zugute, dass wir schon im Vorjahr unser digitales Angebot weiterentwickelten und zum Beispiel die digitale Lernplattform einführten. Damit ist es uns gelungen, ungefähr 40 % der Kurse im März und April auf Online-Formate umzustellen und ohne Zeitverzögerung durchzuführen. Im Sommer haben wir die restlichen 60 % nachgeholt. Das war natürlich eine Herausforderung für das Organisationsteam und unsere Trainer.


Haben sich in den letzten Monaten mehr Menschen als sonst für eine Weiterbildung interessiert?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich würde sagen, es waren nicht mehr, aber andere Fragen. Für manche Menschen war diese Zeit auch ein Anlass, umzudenken, sich neu zu orientieren. Sie haben vor allem Ausbildungsmöglichkeiten gesucht, um eine neue berufliche Laufbahn einzuschlagen. Aber es gab natürlich auch Leute, die diese Monate dafür nutzten, um sich weiterzubilden, länger vor sich hergeschobene Themen endlich umzusetzen. Im Wesentlichen merken wir aber eine gewisse Verunsicherung: Wie geht es weiter? Welche Qualifikationen braucht es? Hier wollen wir mit noch mehr Qualifizierungsberatung und Berufsorientierung entgegenhalten.

 

WIFI-Institutsleiter Harald Schermann ist stolz auf das Schulungsgerät im Mechatronik-Schulungszentrum, an dem die Steuerungstechnik für die Produktion erlernt werden kann. © Viktor Fertsak



Klassisch ist im September Kursjahrstart im WIFI. Auch heuer? Und wenn ja, mit welchen Schwerpunkten?

Wir wollen im September wieder voll durchstarten. Im Wirtschaftsbereich setzen wir klassisch auf unsere Stärken im Bereich Betriebswirtschaft, Buchhaltung, Controlling – aber auch auf akademische Lehrgänge oder unsere Kreativschiene. Hier zum Beispiel mit Ausbildungen zum Hochzeitsplaner oder die Kreativ Design Academy. Letztere etwa für alle, die in den Bereichen Grafik oder Werbung Fuß fassen wollen. Ebenfalls im Angebot sind wieder Lehre mit Matura und die Berufsreifeprüfung. Und im Technikbereich ist die Meisterausbildung nach wie vor unser großes Asset. Hier haben wir auch viele Teilnehmer aus anderen Bundesländern, das spricht für unsere Qualität.


Bedingt durch die Coronavirus-­Krise wird im Herbst mit mehr Arbeitslosen gerechnet. Hat das WIFI hier spezielle Angebote?

Ja, wir kennen die Prognosen und haben bereits Gespräche mit den Vertretern von Land und AMS geführt. Konkret wollen wir gemeinsam Ausbildungsschwerpunkte und Lernmodelle für Lehrlinge und junge Erwachsene bis 24 Jahre schnüren. Wir dürfen jene Menschen nicht vergessen, die schon eine Ausbildung haben, damit aber im Burgenland keinen Job finden können. Es geht also um Umschulungen und Höherqualifizierungen. Einen besonderen Fokus richten wir auch auf den Bereich Frauen in technischen Berufen.


Stichwort „Frauen in technischen Berufen“ – was genau ist hier der Status quo, in welchen Bereichen sind Frauen auf dem Vormarsch und wie genau fördert das WIFI Frauen, die sich um­orientieren möchten?

Grundsätzlich sollte das Geschlecht kein Kriterium für die Berufswahl sein. Vielmehr sind Fähigkeiten, Neigungen, die richtige Ausbildung und natürlich auch das regionale Angebot entscheidend. Es ist wenig sinnvoll, wenn ich Berufswünschen nachhänge, für die es aber in meinem Lebensumfeld kein Angebot gibt. Da braucht es auch bei den Arbeitssuchenden einen weiteren Horizont. Genau dabei wollen wir die Menschen unterstützen. Speziell für Frauen bieten wir gemeinsam mit dem AMS etwa ganz aktuell vom 14. bis zum 18. September die techgirls-week an. Dabei haben junge Frauen die Möglichkeit, insbesondere technische Berufe kennenzulernen. Außerdem starten wir demnächst mit einem Berufsorientierungsschwerpunkt. Im Zuge dessen können diverse Berufe ausprobiert werden, es besteht hier sogar die Möglichkeit, Praktika in Betrieben zu absolvieren. Für Frauen, die hinsichtlich ihrer Fähigkeiten noch unschlüssig sind, gibt es die WIFI-Potenzialanalyse. Hier werden die persönlichen Qualifikationen erarbeitet, Stärken und Schwächen analysiert und schließlich in einem Beratungsgespräch mit einer Berufspsychologin das eigene Potenzialprofil erstellt. Damit hat man wirklich ein gutes Werkzeug zur Hand, um weitere Ausbildungswege einzuschlagen oder sich gleich auf Jobsuche zu begeben.


Oft ist es auch notwendig, dass Firmen spezielle Ausbildungen erhalten, um am Markt weiterhin erfolgreich zu sein.

Das ist ein Bereich, der bei uns wichtiger werden soll. Unsere Bildungsberater gehen dabei in die Betriebe und entwickeln gemeinsam mit dem Personalmanagement und der Unternehmensleitung maßgeschneiderte und individuelle Bildungsprogramme, die auch vor Ort im Unternehmen durchgeführt werden können. Das kann ein Excel-Kurs sein, ein Vertriebstraining, eine Technikausbildung. Derzeit führen wir Gespräche mit einigen Betrieben, die für ihre Mitarbeiter die Berufsreifeprüfung, also das Nachholen der Matura, im Unternehmen anbieten wollen – ein tolles Angebot für die Beschäftigten und für das Unternehmen ein perfektes Instrument, um die Mitarbeiter längerfristig ans Unternehmen zu binden.