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Lifestyle | 07.12.2020

Industrial Chic

Bei Julia und Mario Seckel geht es roh zu. Nicht zwischenmenschlich, sondern bei den Materialien, die sie für ihr Zuhause gewählt haben. Wir besuchten die sympathische Familie zu Hause in Weppersdorf.

Die Ansprüche an Innen­einrichtung sind so individuell wie die Bewohner. Modern, praktisch, zeitgemäß und doch mit einer Sehnsucht nach Gelebtem und Geschichte. Der industriell inspirierte Wohnstil verbindet beides. Der Industrial Look hat seine Kühle abgelegt und zeigt sich bei den Seckels gemütlich, kreativ und wohnlich. „Wir sind nicht perfekt, daher wollten wir auch keine perfekten Materialien für unser Zuhause. Der oberste Anspruch war die Gemütlichkeit“, erzählt Julia Seckel. Die Volksschullehrerin übt derzeit nicht ihren gelernten Beruf aus, sondern arbeitet im familieneigenen Versteigerungsunternehmen, ist Mama zweier Kinder und hat den Rest ihrer Zeit und Energie in den letzten Monaten in den Umbau des Elternhauses ihres Ehemanns Mario in Weppersdorf investiert. Mario Seckel ist als Schmuckdesigner edle Metalle und hochwertige Verarbeitung gewohnt. Daher war es ihm ein besonderes Anliegen, seine persönliche Handschrift in die Innenarchitektur und Einrichtung des Hauses zu integrieren. Die Lampen sind großteils von ihm selbst entworfen und gefertigt sowie auch das Stiegengeländer. „Ich habe jeder Lampe durch Gravuren einen persönlichen Touch gegeben. Ich habe so lange daran gearbeitet, bis sie für uns alle gepasst haben. Da waren einige Tage dabei, an denen ich um 1 Uhr schlafen und um 5 Uhr wieder aufgestanden bin.“ Dabei lacht seine Frau auf, denn es sei „nicht immer einfach gewesen. Mario ist ein radikaler Perfektionist!“

 

"Wir sind nicht perfekt, daher wollten wir auch keine perfekten Materialien für unser Zuhause.", Julia und Mario Seckel


Kein Konzept

Viele Entscheidungen hat das Paar „aus dem Bauch heraus“ getroffen. „Der Dekoration liegt kein vorgefertigtes Konzept zugrunde. Wir müssen beide erst im fertigen Raum stehen, damit wir wissen, welcher Teppich, welche Vorhänge, welche Lampe und welche Möbel dort hineinpassen.“ Dabei kombinieren die Seckels auch das Alte mit dem Neuen. Der Kamin samt Tür ist bereits über 40 Jahre alt und fügt sich perfekt in die neue Umgebung ein. Licht und Beleuchtung sind ebenso ein wichtiger Aspekt für die beiden. Hier gilt es, so viel Wärme und Gemütlichkeit wie möglich zu erzeugen. „Am Abend, wenn es draußen dunkel wird, gewinnt der Wohn-/Essbereich noch mal gewaltig an Charme. Wenn dann auch noch das Feuer im Kamin lodert, ist das an Wohlgefühl für uns nicht zu überbieten.“

 



Heimatgefühl

Materialien wie Stahl, Kupfer, Messing, Gold, aber auch Holz ziehen sich wie ein roter Faden durch jeden Raum. „Die Herausforderung war, den industriellen Stil nicht zu kühl wirken zu lassen, sondern Wärme reinzubringen.“ Eine Herausforderung war auch das Umbauen an sich. Die Familie Seckel entschied sich in letzter Sekunde gegen einen Neubau in einem anderen Ort und nahm sich des Elternhauses von Mario in Weppersdorf liebevoll an. „Der Grundstil des Hauses hat uns gefallen, außerdem wohnen ein Teil unserer Familie sowie unsere Freunde hier. Hier haben wir ein starkes Heimatgefühl.“ Der Umbau barg jedoch einige Überraschungen und Hindernisse. Da werden alte Leitungen entdeckt, es müssen Handwerker-Termine zeitlich abgestimmt werden und es muss viel selbst Hand angelegt werden. „Dann gibt es da natürlich ständig Stimmen rund um einen, die jenes oder dieses raten oder die meinen, das geht gar nicht. Dazwischen ist uns oft die Puste ausgegangen und wir haben gesagt, wir pfeifen drauf und machen es einfach ‚normal‘. Aber dann haben wir uns wieder aufgerappelt und gesagt, nein, das wollen wir nicht.“

 


Hanf statt Sockelleisten

Und weil normal ja auch langweilig ist, haben sich die Seckels ganz oft dagegen entschieden. Zum Beispiel bei den Sockelleisten, die praktisch nicht vorhanden sind, stattdessen werden Wände und Boden mit Hanfseilen „verbunden“. Die Wände sind großteils mit einer eigens von Mario angemischten Farbe und einer eigenen Auftrage-Technik verschönert, während der Boden aus Nivelliermasse besteht, die mit Parkettöl versiegelt wurde. All diese Details wurden nach und nach in den Gesprächen zwischen den Familienmitgliedern entschieden. „Jeder hat aufgeschrieben, was ihm wichtig ist, was er unbedingt in seinem Zuhause haben möchte. Auch unsere Tochter Valentina. Danach haben wir dann die Inneneinrichtung und Raumaufteilung gestaltet.“ Neben rohen Naturmaterialien lieben die Seckels auch besondere Stoffe. Die Sitzecke im Essbereich ist mit weichem Rindsleder bezogen. Heikel? „Nein, sind wir nicht. Es soll ruhig mal was ausgeschüttet oder die Sitzfläche abgewetzt werden. Hier soll gelebt werden. Wir lieben es, wenn mit den Jahren auch Veränderungen sichtbar werden.“ Welchen Rat hat das Paar für alle Häuslbauer und -umbauer? „Wir sind oft mit hängenden Köpfen auf der Baustelle gesessen und konnten einfach nicht mehr. Aber wir haben nie aufgegeben, das ist das Wichtigste!“

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