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Lifestyle | 24.03.2015

Akrobatinnen des Alltags

Vier burgenländische Frauen verraten, wie sie Job, Kids & Co. schupfen, wenn sie für einen einzigen Dienst mehr als 200 km fahren. Über kluge Taktiken und lernfähige Männer.

Natascha Koo,
Steinberg-Dörfl, Bezirk Oberpullendorf
Distanz bis Wien: 102 km

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Regelmäßig pendeln ist schon keine einfache Sache, zwei Menschen mit völlig unter­schiedlichen Dienstzeiten zu koordinieren noch einmal eine knifflige Angelegenheit. Dieser Herausforderung stellen sich die Koos seit Jahren: Natascha ist Krankenschwester am Wiener AKH, ihr Mann Polizist. Die beiden sind stolze Eltern von Sofia (8) und Simon (14). Seit 2000 lebt die Familie in Steinberg-Dörfl. Seither ist Natascha Koo – mit Unterbrechungen für Karenzzeiten – Pendlerin. Sie ist Kinderkrankenschwester auf der neonatologischen Intensivstation. Und damit tut sie eben das, was sie seit ihrer Ausbildung immer gemacht und geliebt hat. Eine Möglichkeit, ihren Beruf in der Nähe auszuüben, gibt es nicht, erklärt sie. „Es ist etwas Besonderes, sich um ganz kleine Kinder zu kümmern und es beinhaltet auch viel Elternarbeit.“ 20 Wochenstunden arbeitet die 42-Jährige derzeit. Die Strecke bis zum AKH wird in einer Fahrgemeinschaft per Pkw zurückgelegt. Das zu koordinieren ist schon fast Organisationsakrobatik: Immerhin bilden fünf Krankenschwestern mit unterschiedlichen Dienstzeiten und teilweise unterschiedlichen Spitälern diese Gemeinschaft. Foto: Viktor Koo


Melanie Fritz,
Bocksdorf, Bezirk Güssing
Distanz bis Wien: 140 km


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Richtig hell ist’s da nicht einmal im Sommer: Um 4.30 Uhr klingelt der Wecker von Melanie Fritz. Auf Zehenspitzen anziehen, fertig machen, das Flascherl für Stella richten, „damit ich Mama ein bissl was abnehme“, sagt die 30-jährige Südburgenländerin. Um 5 Uhr steigt sie in Bocksdorf ins Auto, um 5.30 Uhr sitzt sie im Bus Richtung Wien. Gependelt sei sie quasi schon immer, erklärt sie. Neu ist ihre private Lebenssituation: Sie ist Mama einer zweijährigen Tochter – und seit dem vergangenen Winter Wiedereinsteigerin. „Bis jetzt läuft es sehr gut. Aber ich muss gestehen, dass wir noch verwöhnt sind, weil wir während dem Hausbau bei meinen Eltern leben und Mama fast den ganzen Haushalt macht“, gesteht sie mit einem Augenzwinkern. „Ganz ehrlich, als arbeitende Mama und Pendlerin wäre ich ohne Oma und Opa aufgeschmissen.“ Denn: Auch ihr Mann reist täglich frühmorgens gen Wien – vor 19 Uhr ist er selten zuhause. Melanie Fritz arbeitet in der Marketingabteilung eines Verlags: 20 Wochenstunden, aufgeteilt auf drei Tage die Woche. „Donnerstag ist mein kurzer Tag, da bin ich schon gegen 17 Uhr zuhause.“ Dieses „schon“ ist freilich relativ, wenn man bedenkt, dass sie gegen 14 Uhr ihre Heimkehr startet... Foto: Melanie Fritz


Katharina Fritz,
Schwiegermama von Melanie Fritz,
Neuberg, Bezirk Güssing
Distanz bis Wien: 144 km


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Vier Jahre alt war ihr Sohn erst, als Katharina Fritz Wochenpendlerin wurde. „Es ging nicht anders. In Wien bekam ich einen guten Job und ich musste einfach Geld verdienen – wir haben Haus gebaut“, erinnert sich die Neubergerin zurück. Mehr als zehn Jahre lang verabschiedete sie sich immer sonntags vom Sohn. Er blieb bei Oma und Opa. Dann ging es mit ihrem Mann nach Wien, von wo sie erst freitags heimkehrten. „Die ersten Jahre waren hart: Der Abschied vom Kleinen tat sehr weh, ich hab viel geweint“, sagt die heute 56-Jährige. Und nicht nur das: Weil das Geld knapp war, hat die ehrgeizige Familie den Großteil vom Hausbau in Eigenregie über die Bühne gebracht – und zwar jahrelang jeweils von freitags bis sonntags.
32 Jahre Pendeln liegen nun hinter der Finanzkontrollerin – in einem halben Jahr geht sie in Pension. „Ich werde wohl die Arbeit vermissen, meine Kollegen, aber nicht die Fahrerei. Ich werde es zuhause genießen – mit meiner Enkelin Stella“, schwärmt Katharina Fritz. „Wir leben hier am schönsten Fleck der Welt.“ Da erübrigt sich die Frage, ob sie je ganz nach Wien hätte ziehen wollen. Foto: Walter Fritz

 

 


Blanka Leyrer,
Pamhagen, Bezirk Neu­siedl am See
Distanz bis Wien: 91 km

 

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Ins Gewand schlüpfen, mit dem Auto schnell zum Bahnhof. Geredet wird fast nichts. Und das liegt nicht an der Ehe der Leyrers, denn die sind seit mehr als drei Jahrzehnten glücklich vereint. Die Stille am Morgen ist ausgeklügelte Taktik. „Damit wir nicht so richtig aufwachen“, sagt Blanka Leyrer. Denn es sind immerhin eine Stunde und 20 Minuten im Zug bis zum Hauptbahnhof Wien. Wertvolle Zeit, in der der Schlaf quasi fortgesetzt wird. Blanka Leyrer wurde schon mit 17 Mama, die Schule machte sie fertig, danach war sie die ersten Jahre im schwiegerelterlichen Gemüseanbau tätig. Seit den 1990ern ist sie Tagespendlerin – mit ihrem Mann. Sie fährt ins Finanz-, er ins Wirtschaftsministerium. Um der Flexibilität willen hätten sie es anfangs ein paar Mal mit dem Auto versucht. „Aber das ist zu gefährlich – allein schon wegen des Wildwechsels“, sagt Blanka Leyrer. Nach zwölf Stunden unterwegs sein, mag man vielleicht nicht unbedingt vor Energie sprühen, doch die Leyrers raffen sich regelmäßig auf, um die gemeinsamen Stunden bis zur Nachtruhe sinnvoll zu nutzen. „Wir haben im Laufe der Jahre gelernt, dass es wichtig ist, sich als Paar Zeit zu nehmen“, betont sie. Foto: Josef Layer


Den gesamten Artikel über unsere tapfere Pendlerinnen findet ihr in der aktuellen März-Ausgabe der BURGENLÄNDERIN.