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Lifestyle | 03.05.2016

Schönheit hat viele Gesichter

Von kleinen Eingriffen ohne Skalpell bis hin zu OPs mit Vollnarkose. Die BURGENLÄNDERIN sprach mit Medizinern über Trends und befremdliche Operations-Ergebnisse.

Der Blick in den Spiegel ist nicht für alle Menschen ein freudiger Anblick. Schönheit ist ein subjektives Gefühl, etwas, das jeder anders empfindet. Was der eine verspürt, muss der andere nicht mal mögen. Immer öfter wird der Schönheit durch medizinische Eingriffe nachgeholfen. Ob das in allen Fällen auch sinnvoll und notwendig ist, sei dahingestellt. Experten gehen davon aus, dass der Schönheitsdruck auch mit dem Internet und den digitalen Medien wächst. Früher haben sich Menschen mit ihrem Umfeld verglichen. Heute sehen sie Millionen von Fotos im Netz – wo fast überall strahlende und faltenfreie Gesichter abgebildet sind. Dies erzeuge Unzufriedenheit und Neid, bis hin zur Depression. Gleichzeitig steigen die optischen Standards. Fakt ist: Chirurgische Eingriffe rund um die Schönheit nehmen auch in Österreich zu, die jährliche Zahl wird auf rund 50.000 geschätzt. Am beliebtesten sind hierbei Lidkorrekturen, Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und Haartransplantationen.

Der Faktor des Unwohlfühlens im eigenen Körper ist jedoch nicht zu unterschätzen. Studien belegen, dass, wenn der subjektive Leidensdruck hoch ist, ästhetisch-chirurgische Eingriffe sich positiv auf das Lebens-gefühl auswirken. Denn es lässt sich nicht abstreiten, dass die Haut mit den Jahren trockener, faltiger und -fleckiger wird. Die Kollagenfasern unter der Haut verlieren an Elastizität.
Es kommt zu einem Volumenverlust, das Gewebe erschlafft und sackt ab. In kosmetischen Cremes dürfen nur bestimmte Wirkstoffkonzentrationen enthalten sein, daher geht der Trend immer mehr in Richtung medizinische Kosmetik. 

Trend: ohne Skalpell.

Und wem die medizinische Kosmetik nicht ausreicht, richtet seinen Blick in Richtung Ästhetische Medizin. Die Nachfrage nach minimal- oder nicht-invasiven Methoden – da gibt es bereits zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten: Botox-Spritzen, Hyaluronsäure, Mesotherapie, Eigenbluttherapie, Ultraschall, Peeling und Laser – ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Also Eingriffe, bei denen ambulant durch kleinste Verletzungen die gewünschten Ergebnisse erzielt werden können. Sie führen meist zu geringeren Schmerzen und einer rascheren Erholung. Denn das ist dem Großteil der Patienten sehr wichtig: schnell wieder gesellschaftsfähig sein und wenig Schmerzen haben. Alle sechs von uns befragten Mediziner bestätigen das Voranschreiten dieser Verfahren, denn immer mehr Patienten scheuen das Skalpell. „Für Patienten ist es besonders wichtig, nach einer Behandlung sofort wieder gesellschaftsfähig zu sein, sodass ein zunehmender Trend zu nicht-invasiven (= nicht chirurgischen) Eingriffen zu erkennen ist“, so der Ästhetische Mediziner Stefan Horwath. Für ihn gilt die Regel, dass der Eingriff zum Charakter und Alter des Menschen passen soll: „Da das Gesamtbild dem Alter entsprechend realistisch bleiben muss, ist eine ausführliche Aufklärung und Planung vor dem Eingriff unumgänglich.“ Auch für den Plastischen Chirurgen Wolfgang Michlits geht der Trend Richtung Natürlichkeit: „Die Patienten wollen frischer und jünger aussehen. Niemand möchte operiert, verändert oder gar entstellt wirken.“ Doch weist er auch auf die Risiken hin, die in der Auswahl des Arztes bestehen, da nicht alle Mediziner den gleichen Ausbildungsweg hinter sich haben: „Die wissenschaftlich erprobten Methoden in der Plastischen Chirurgie per se sind in aller Regel sehr sicher. Problematisch finde ich vielmehr den Umstand, dass diverse plastisch-chirurgische Techniken und Methoden ohne die dafür nötige Ausbildung angeboten werden.“ Er rät seinen Patienten daher zum genauen Hinsehen, wenn es darum geht, den Arzt oder die Methode auszuwählen.

Großer oder kleiner Po?

Auch im benachbarten Ungarn liegen Eingriffe für die Schönheit im Trend. Und das auch immer öfter bei Männern, wie uns der Plastische Chirurg János Görcsi wissen lässt. Wenn es nach ihm ginge, sollte ein Plastischer Chirurg vor allem empathisch, diskret und wohl überlegt sein: „Er muss sich über seine eigenen Grenzen im Klaren sein.“ Ganz klar drückt sich auch Hautärztin Vera Kaier aus: „Wenn Patienten Eingriffe oder Ergebnisse wünschen, die sie befremdlich aussehen lassen würden, rate ich ihnen davon ab.“ Patienten, die mit surrealen Vorstellungen zum Arzt gehen, gebe es leider öfter, wie wir von den befragten Medizinern hören. Auch der Ästhetische Mediziner Hannes Klenner zählt auf Aufklärung: „Da Patienten oft Fotos irgendwelcher Models oder Filmstars mitbringen, kläre ich sie über die subjektive Eigenwahrnehmung auf, die den Patienten oft ein unrealistisches Ziel suggeriert.“ Es muss aber auch nicht alles gemacht werden, was theoretisch machbar ist. Hier erzählt uns der Plastische Chirurg Sándor Pap einige Beispiele: „Sinnlose Eingriffe dürfen nicht um jeden Preis durchgeführt werden. Zum Beispiel wollte eine 35-jährige Patientin unbedingt ein Facelifting. Sie hatte jedoch eine schöne, straffe Gesichtshaut. Die OP hätte keinen Sinn gehabt. Eine andere Patientin wollte eine Fettabsaugung am Po, da sie glaubte, einen viel zu großen Po zu haben. Jedoch war das absolut nicht der Fall, ihr Po passte völlig zu ihrer Figur. Ich habe die Fett-absaugung nicht durchgeführt.“

Nutzen-Risiko-Abwägung.

Obwohl die Risiken in der modernen Schönheitsmedizin eher gering gehalten werden können, wenn sich Patienten in die Hände von erfahrenen Ärzten begeben, sind sie dennoch nicht auszuschließen. Aber es gibt auch Methoden, die einige der von uns befragten Mediziner für zu riskant halten. „Manchmal erachte ich Unterspritzungen als zu riskant. Vor allem bei Behandlungen im Bereich des Auges bedarf es einer konsequenten Nutzen-Risiko-Abwägung, sodass in diesem Beispiel eine Behandlung bei sicherlich der Hälfte der Patienten nicht indiziert ist“, gibt Stefan Horwath zu bedenken. Das Um und Auf ist in jedem Fall eine ausgewogene Beratung seitens des Arztes, da sind sich alle Mediziner einig. János Görcsi bringt es hierbei auf den Punkt: „Vor einem plastisch-ästhetischen Eingriff muss man vielerlei Aspekte berücksichtigen. Die allerwichtigsten sind das Alter des Patienten, die Körpermaße, die komplexe Anatomie und die Erwartungen des Patienten. In einer seriösen Beratung müssen alle Aspekte geklärt werden, damit entschieden werden kann, ob ein Eingriff grundsätzlich in Frage kommt.“ 

Egal, warum sich jemand für oder gegen einen Eingriff entscheidet, wichtig ist die Information und Beratung davor. Und jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass er selbst mit sich zufrieden sein muss und nicht die anderen. Dieser Zufriedenheit kann auf die Sprünge geholfen werden oder man lernt, sich zu lieben, so wie man ist.

Plastische Chirurgen kommen zu Wort…