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Lifestyle | 08.03.2017

Gift raus: Das Detox-Tagebuch

Viele Mythen ranken sich um Detoxing. Doch nur wer es wagt, wird es auch wissen – frei nach diesem Motto ließ sich unsere Redakteurin Nicole Schlaffer auf eine Ayurveda-Detox-Kur ein.

Fasten, Entschlacken, Entgiften – oder modern ausgedrückt: Detoxing. Doch Detox-Kuren gibt es unzählige. Ich habe mich auf die alte Weisheit aus Indien eingelassen: Ayurveda. Spezialistin dafür ist Anja Haider-Wallner aus Eisenstadt. Die 37-Jährige entdeckte Ayurveda, als sie wegen ihres Sohnes – damals ein „Schreibaby“ – mit ihrem Latein am Ende war. Danach veränderte sie ratzfatz ihr Leben und machte die Ayurveda-Ausbildung. Im Rahmen dieser und bei ihren Besuchen in Indien hat sie die spezielle Detox-Kur kennengelernt, sie über Jahre hinweg weiterentwickelt und an europäische Verhältnisse angepasst – das war vor fast zehn Jahren.


Libelle-Löwe

Nun hat mich die Expertin in die Kur eingeweiht, die eigentlich 10 Tage dauert. Aber wir wollen’s ja nicht gleich übertreiben – schließlich mache ich diese Kur ,bevor dieses Heft erscheint, also in der Faschingszeit. Grundessenz ist, dass nicht jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse hat, also auch die Kur je nach Energietyp abweicht. Ich bin eine ayurvedische Typ-Mischung aus Libelle und Löwe – schon mal sehr spannend. Das 5-Tage-Ayurveda-Detoxing hat mich viel gelehrt und auch stolz gemacht. Lesen Sie selbst!


Tag 1

Runterkommen
Topfit und voll motiviert starte ich in meinen ersten Detox-Tag. Die Mungbohnensuppe zu Mittag ist eher ein Eintopf. Zum ersten Mal probiert, schmeckt die Pampe echt lecker, sehr markante Gewürzmischung. Und ich bin grundsätzlich ein Gemüse-Fan. Ich esse brav auf. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, dass ich für die Kinder „normales“ Essen zubereiten muss und mein Kopf sehnsüchtig danach verlangt. Am Nachmittag: Hunger und Schwindel. Mein Magen scheint mich zu fragen, was mit mir los ist und wo die Zwischenmahlzeit bleibt. Ich darf ihm ein bisschen Honig gegen die Unterzuckerung geben. Dann wäre da noch der Tee. Ich hasse eigentlich Tee. Das Abendessen wird von meinem Magen sehnsüchtig erwartet. Es gibt die zweite Hälfte vom Mittagessen. Doch schon nach ein paar Löffeln stehen mir die intensiven Gewürze bis zum Hals. Ich reiße mich zusammen und versuche aufzuessen. Meine Familie isst neben mir Palatschinken. Ich verlasse das Esszimmer.


Tag 2

Abbauen
Das leicht benebelte Gefühl hält sich den ganzen Tag, der Hunger auch, ebenso der leichte Kopfschmerz. Zu Mittag gibt’s heute eine Abwandlung des Mungbohneneintopfs. Ich versuche nicht viel zu beißen, denn ein Gewürz ist hier besonders penetrant. Meine Familie isst Pizza, ich muss weg. Ist es nicht schön, wenn alle an einem Strang ziehen und rücksichtsvoll sind? Pah, das weckt nur die Löwin in mir! In Gedanken kämpfe ich mit einem Mungbohnenschwert gegen die Pizzaräder, die auf mich zurollen. Der Heißhunger pickt mir den ganzen Tag über im Genick. Ich bin müde und mir ist kalt. Das Abendessen hat mich gelehrt: Ich muss etwas gegen dieses fiese Gewürz unternehmen. Wenn ich nur wüsste, was das ist! In diesem Sackerl sind 10 verschiedene drin! Ich freue mich auf morgen, meinen strengen Fasttag. Die Mungbohnen kann ich nicht mehr sehen. Dafür sehe ich mein WC häufig, mein Urin ist klar wie frisches Bergwasser!


Tag 3

Fasten
Guten Morgen, Hunger, alter Kumpel. Nach dem morgendlichen Smoothie gibt es bis zum Abend nichts außer Tee und stilles Wasser. Zu Mittag verspüre ich plötzlich tiefstes Verständnis für unseren Hund. Am liebsten würde ich mich jetzt auch unter den Tisch setzen und warten, bis ein Stück Nudel runterfällt. Dann würde ich es ganz heimlich verspeisen, wieder auf meinen Platz spazieren und so tun, als wäre nie etwas passiert.
Am Nachmittag nehme ich das Gewürz-Problem in Angriff. Nach einem Anruf bei Anja, die mir sagt, dass mein Darth Vader unter den Gewürzen Koriander-Samen ist, verbringe ich eine geschlagene Stunde damit, aus dem Sackerl alle, aber wirklich ALLE Koriander-Samen rauszupicken. Das Fastenbrechen am Abend ist wahrlich ein Genuss! Und auf die Gemüse-Suppe meiner Kinder bin ich auch nur noch halb so neidisch.


Tag 4

Aufbauen
Grummel, grummel, grummel. Da mein Darm sich seit Beginn der Kur nicht selbst entleert hat, muss ich wohl nachhelfen. Und siehe da: Kaum komme ich aus der Apotheke nachhause, meldet er sich von alleine, der alte Hund. Hatte wohl Angst vor der „Klistierspritze“ (obwohl ich in der Apotheke so leise gesprochen hab, dass mich zuerst nicht einmal die Angestellte verstanden hat). Aber wenn ich mal zu etwas entschlossen bin, dann gibt es kein Entkommen. Pech für meinen Verdauungstrakt, das hätte er sich mal früher überlegen müssen. Am Ende waren wir beide erleichtert!
Wie freue ich mich zu Mittag schon auf die Restportion Kichadi vom Vorabend. Und das Beste kommt heute zum Schluss: Kohlenhydrate! Am Abend gibt es Burger! Es hat zwar mit Burger, so wie sie die meisten von uns kennen, nicht viel zu tun – ok, eigentlich gar nichts. Aber hey, wer wird denn da pingelig sein – Hauptsache Kohlenhydrat-Power! Es fühlt sich an wie richtiges Essen und ich schwebe im Dinkel-Himmel. Und das Beste: Ich schaffe nicht mal die ganze Portion. Denn wie es sich beim Ayurveda-Detoxen gehört: Ich höre auf, wenn ich satt bin.


Tag 5

Kräftigen
Der Hunger ist zu einem ständigen Begleiter geworden, sodass ich mich frage, ob er überhaupt da ist oder ich ihn mir nur einbilde. Dann die Überraschung: Die Portion Kichadi beim Mittagessen ist mir sogar zu viel. Den Nachmittag übersteht mein unterzuckerter Körper mit nur 2 Löffelchen Honig. Der Tee hängt mir schon zum Hals raus. Die Kinder essen neben mir Gummikirschen – igitt, riechen die süß! Aber die Schokolade sieht schon lecker aus … Mein Mann darf sich über seine Fleischportion mit Gemüse hermachen. Mir bringt der Abend eine große Portion Kartoffeln mit viel Ghee und Schwarzkümmel gebraten im Backrohr, lecker und Balsam für meinen leeren Magen. Zufrieden schlafe ich abends früh ein – wie ein Stein. Die nächtlichen Hustenanfälle der Kinder bearbeitet mein Mann, ich bekomme nichts mit. Ich schlafe den Schlaf der Gerechten und kann kaum glauben, dass die fünf Tage schon um sind.


Fazit

Ich bekenne mich schuldig: Ich bin ein Genuss-Mensch. Essen nicht um der Nahrung willen, sondern weil ich es gern tue. Aber ich bin auch gerne stolz auf mich. So wie jetzt. Ich könnte vor Stolz platzen, wie eine Mungbohne im Wasser. Ich habe es geschafft, fünf Tage lang sämtlichen „Giften“ wie Zucker und Weizen zu entsagen, die tierische Genusswelt einfach mal sich selbst zu überlassen sowie Magen und Geist beizubringen, was entbehren heißt – ja, das ist schon ein tolles Gefühl. Nebenbei hat sich mein Schlaf verbessert, meine Harnleitungen waren ständig am Durchspülen und zwei Kilo weniger auf der Waage machen sich auch nicht schlecht. Zwei Mal im Jahr kann ich mir die Prozedur gut vorstellen. Denn jetzt weiß ich ja, dass ich es schaffen kann. Yeah – die innere Schweinelibelle ist besiegt.