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Lifestyle | 18.04.2017

Forschen gegen den Krebs

Mit uns sprach die Trausdorferin Beate Lichtenberger über Experimente im Labor, Faltenfreiheit und strahlende Augen, wenn Haut im Röhrchen künstlich entsteht.

Dass sie selbst so wenig Falten im Gesicht hat, liegt vermutlich an ihrer Arbeit, die sie „mit kindlicher Neugier und großer Zielstrebigkeit“ durchführt. Vor rund 30 Jahren hat sie als Kind Kaulquappen gefangen und untersucht. Heute erforscht Beate Lichtenberger an der MedUni Wien am AKH-Campus Krebszellen und deren Metier. Dazu zog sie für fünf Jahre nach England, wo sie mit den weltbesten Forschern in Cambridge und London zusammenarbeitete. 2013 bzw. 2016 konnte sie ihre Entdeckung publizieren: „Früher wurden von Forschern oft nur die Krebszellen isoliert betrachtet und versucht, sie zu bekämpfen. Erst vor einigen Jahren hat man begonnen, auch andere Zellen in deren Umfeld miteinzubeziehen. Vor Kurzem ist meinem Team und mir der Durchbruch gelungen: Wir konnten belegen, dass es in der Haut zwei Arten von Fibroblasten (Anm.: Bindegewebszellen) mit unterschiedlicher Funktion gibt, die mit den Krebszellen auf verschiedene Art und Weise kommunizieren.“

"Wenn meine Forschung auch nur einem einzigen Patienten hilft, dann bin ich schon glücklich."
Beate Lichtenberger © VanDeHart Photography

 

 

Strahlen in den Augen

Nun ist die 36-Jährige seit rund einem Jahr wieder in Österreich und erhielt für ihre Forschungsarbeit in England vor wenigen Monaten den Österreichischen Dermatologen-Preis. an der MedUni Wien baut sie nun ihr eigenes Labor auf und forscht weiter an den Fibroblasten und deren Zusammenhang mit den Krebszellen. Ihr Antrieb ist nicht nur ihr Ehrgeiz, sondern auch der Umstand, dass eine sehr gute Freundin von ihr an Brustkrebs erkrankt ist. „Das gibt mir natürlich noch weitere Motivation zu forschen, wie der Krebs bekämpft werden kann.“ Doch Wissenschaft ist nicht nur erfreulich, sondern kann auch deprimierend sein – wenn Experimente nicht funktionieren oder eine Hypothese sich nicht bewahrheitet. Umso schöner findet Lichtenberger es, wenn junge Forscher sich nicht entmutigen lassen: „Meine Mitarbeiterin hat kürzlich versucht, künstlich Haut zu generieren – und sie hat es geschafft. Das Strahlen in den Augen der jungen Studenten finde ich besonders toll mitanzusehen.“

Pro Jahr braucht ein Mitarbeiter des Forschungslabors 20.000 Euro nur für das Verbrauchsmaterial. Das Geld dafür muss Lichtenberger selbst beschaffen. © VanDeHart Photography

Niemals aufgeben

Die harte Seite in der Forschung gibt es jedoch auch: Der Konkurrenzdruck um die Fördergelder verschlingt sehr viel Energie. „Pro Jahr brauche ich rund 20.000 Euro pro Mitarbeiter nur für das Verbrauchsmaterial. Das Geld muss ich selber beschaffen. Da muss ich immer wieder um Förderungen ansuchen. In den letzten Jahren sind die Gelder, die in die Forschung fließen, leider geringer geworden. Und es ist deprimierend, wenn man wochenlang an einem Antrag schreibt und dann eine Absage bekommt, mit der Begründung: ‚Ist zwar ein super Projekt, aber wir haben leider nicht genug Geld.‘“ Doch Aufgeben gehörte noch nie zu Lichtenbergers Repertoire. „Ich war schon immer zielorientiert. Als Frau muss man doppelt so hart kämpfen, doppelt so hart arbeiten. Frauen in einem gewissen Alter werden oft nicht eingestellt, weil es dann immer heißt, die bekommt sicher bald ein Kind. Aber wenn man etwas will, muss man daran festhalten. Natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu, die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu treffen.“ Sie stellt jedoch im gleichen Atemzug klar, dass sie einmal Kinder haben möchte. Mit ihrem Partner lebt sie in Niederösterreich, ist aber auch oft im Burgenland bei ihrer Familie. „Wir Frauen müssen auch an uns selbst arbeiten. Frauen trauen sich oft nicht so viel zu wie ein Mann. Ein Mann geht oft mit einer ganz anderen Haltung in ein Gespräch rein. Erst wenn wir selbst an uns glauben, können wir es auch den Männern beibringen.“

Lichtenberger war schon immer zielorientiert: „Als Frau muss man doppelt so hart arbeiten, doppelt so hart kämpfen.“ © VanDeHart Photography

Sonnenschutz

Diese gesunde Portion Selbstbewusstsein hat die Biologin auch dorthin gebracht, wo sie heute steht. Neben den Krebszellen wird von ihr auch die Wundheilung erforscht. Auf dem Gebiet der Dermatologie ist Lichtenberger besonders bewandert. Und einen Tipp für schöne Haut bekommen wir obendrein von ihr: „Egal ob im Winter oder im Hochsommer: morgens immer eine Tagescreme mit UV-Schutz auftragen. Die Sonne kann die Haut sehr schädigen und wenn die Temperaturen niedrig sind, denkt man oft nicht an Sonnenschutz, obwohl er aber trotzdem notwendig ist.“

Beate Lichtenberger zeigt Redakteurin Nicole Schlaffer Gewebeschnitte von Hautkrebspatienten und gesunder Haut. © VanDeHart Photography

 

Dr. Beate Lichtenberger

  • geboren am: 7.2.1981
  • aufgewachsen in: Trausdorf an der Wulka
  • Ausbildung: Bundesrealgymnasium Eisenstadt, Diplomstudium Genetik/Mikrobiologie an der Uni Wien, Doktoratsstudium Genetik/Mikrobiologie an der Uni Wien
  • Beruf: Wissenschaftlerin/Forschungsgruppenleiterin
  • Auszug aus den zahlreichen Auszeichnungen: THP Forschungspreis, sanofiaventis Forschungspreis, Heinz Maurer Preis für dermatologische Forschung, Preis für Innovative Interdisziplinäre Krebsforschung der Stadt Wien, Österreichischer Dermatologen Preis und viele weitere internationale Auszeichnungen
  • Hobbys: Skifahren, Joggen, Lesen, Nähen, Chillen