Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 18.02.2021

Love ❤️ Stories

Jede Liebe ist besonders. Manche Beziehungen stechen dennoch hervor. Drei außergewöhnliche Begegnungen.

Bild Aufmacher.jpg
© Shutterstock

Lifestyle | 18.02.2021

Yin & Yang

Wie Tag und Nacht, so ergänzen sich auch Vanessa und Markus – und sind dabei immer eins: unterschiedlich im Wesen und doch stets miteinander verbunden.

Vanessa & Markus
Bild 2102_B_vanessaundmarku-1.jpg

Die Hochzeit zwischen der Eisenstädterin und dem Oberösterreicher war von Romantik geprägt.

Bild 2102_B_vanessaundmarku-2.jpg

Ästhetik ist für Vanessa und Markus wichtig, sie erzeugt Harmonie.

Bei ihrem ersten Date wusste sie nicht, wie er wirklich aussieht. Für ihn hat die Begegnung mit ihr überhaupt nicht in seinen damaligen Lebensplan gepasst. Markus wollte unabhängig und frei sein, sich beruflich verändern (die Jahre als Spitzenkoch hatten ihren Tribut gefordert) – nicht sich verlieben und sich einer Partnerin zugehörig fühlen. Doch Vanessas herzliches, offenes und fröhliches Wesen hat seine Pläne aufgeweicht. Die Profi-Fotografin eroberte ein Herz, das eigentlich gar nicht erobert werden wollte. Via Instagram wurden die beiden aufeinander aufmerksam: Eine Gesichtshälfte von Markus wurde als gemaltes Bild auf der Seite einer spanischen Künstlerin geteilt, Markus wurde verlinkt. Dadurch stieß Vanessa auf Markus’ Instagram-Profil und hat sich „mal so durchgeliket“. So wurde Markus wiederum auf sie aufmerksam. Schon bald begannen die beiden, ihre Bilder gegenseitig zu kommentieren und sich Nachrichten via Instagram zu schreiben. Nach einigen Monaten kamen sie zu dem Entschluss, sich zu treffen, da sie beide in Wien wohnten. Zu diesem Zeitpunkt wusste Vanessa immer noch nicht, wie Markus wirklich aussah, denn die Bilder auf seinem Profil zeigten nie sein Gesicht. Doch sein Humor beim Schreiben war es, der sie neugierig machte. Markus hingegen ging mit Vorbehalten in die Sache hinein: „Ich bin niemand, der sich leicht begeistern lässt, ich bin ein skeptischer, oft auch oberflächlicher Mensch. Jahrelang war ich nur in meinen Beruf verliebt, da waren Beziehungen eher Randerscheinungen. Ich wusste gar nicht, dass eine so intensive Beziehung zu einem anderen Menschen für mich möglich ist“, erzählt Markus, dessen Kindheit dabei auch eine Rolle spielt. Seine Eltern stammen aus China, Markus ist geboren und aufgewachsen in Oberösterreich. Die emotionale Distanz innerhalb der Familie war prägend. „Umarmungen oder Kuscheln – das gab es bei uns nicht. Für mich war das normal. Deswegen war es am Anfang ein bissl ein Dilemma, das Vertrauen in jemanden so zu intensivieren.“


Das erste Date

Zurück ins Jahr 2015. Das erste Date war vereinbart. Doch einen Abend davor – es war ein sehr heißer August-Abend – schrieben sich die beiden Turteltäubchen Nachrichten und stellten fest, dass die Hitze unerträglich war und keiner von beiden auf einen Balkon ausweichen konnte. Kurzerhand beschlossen sie, sich genau jetzt zu treffen. „Um zu schauen, ob das Date am nächsten Tag wirklich stattfinden sollte“, lacht Vanessa. Auf die Frage nach der Gefühlslage beim ersten Treffen folgte beim Interview dieser Dialog:

Markus: „Ich war sehr skeptisch.“

Vanessa: „Ich war einfach zu nett.“

Markus: „Sie lacht halt sehr viel, ist so extrem positiv eingestellt. Ich bin da anders. Auch positiv, aber anders.“

Vanessa: „Sehr kühl.“

Markus: „Ich mag zu viele Emotionen nicht.“

Vanessa: „Lustigerweise hat mich das nicht verunsichert. Bei jedem anderen hätte ich mir gedacht: ‚Boah, bist du ein Arsch.‘ Aber bei ihm war das anders, ich hab es genossen, ihn ein bissl aus der Reserve zu locken.“

Das richtige Date einen Tag später konnte ob der guten Ausgangslage, die auf beiden Seiten so empfunden wurde, stattfinden, doch auch nicht ohne Seitenhieb. „Wir waren Sushi essen. Ich war immer von Menschen umgeben, die sehr viel Wert auf gute Kulinarik gelegt haben. Und sie hat immer nur gejammert, wie teuer das Mineralwasser hier ist.“ Vanessa: „Eine Flasche hat zehn Euro gekostet! Außerdem war ich viel nervöser als am Tag zuvor. Essen ist für mich etwas sehr Intimes.“
Doch trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Umstände gab es eine Fortsetzung. Ein paar Wochen später ging es bereits in den ersten gemeinsamen Urlaub und wieder nur wenige Wochen später zog das Paar schon zusammen. „Markus’ Wohnung war kahl und leer, es hat gehallt. Im Kühlschrank lag nur eine Banane. Ich bin da rein mit meinem Krempel und meinem Chaos wie ein Tornado.“ Es war für beide klar, dass es passt. „Manche warten Jahre. Ich frage mich manchmal, warum. Entweder es passt oder es passt nicht“, resümiert Markus. Doch Beziehung bedeutet auch Entwicklung, die mit zwischenmenschlichen Investitionen verbunden ist. Die Eisenstädterin ist der Überzeugung, eine Beziehung sei auch Arbeit. Ihr Mann führt es so aus: „Liebe allein reicht nie für eine Ehe. Disziplin ist auch wichtig. Beide müssen bereit sein, einen anderen Weg anzusehen. Und das Schwierigste ist: Dem Gegenüber Liebe dann zu geben, wenn er sie am wenigsten verdient hat. Menschen bauen Scheiße, keiner ist vor Fehlern gefeit. Wenn die Belanglosigkeit da ist, dann ist es vorbei.“ Früher war Markus oft alleine – und das sehr gerne. Heute, nach fünf Jahren Beziehung bzw. über drei Jahren Ehe (2017 hat das Paar geheiratet), denkt der 36-Jährige das nicht mehr. „Definitiv nicht. Er geht mir sogar ins Badezimmer nach, um nachzusehen, wo ich bin“, lacht die 28-jährige Fotografin. Die Nähe und Zuneigung zu Vanessa sieht Markus heute als Privileg. „Ich verstehe nicht, wa­rum die Leute im Lockdown so viele Probleme mit ihren Partnern haben. Die sollten definitiv etwas ändern. Das Leben ist viel zu kurz, um die Zeit mit den falschen Personen zu verschwenden. Da sterbe ich lieber einsam und alleine, anstatt mit irgendjemandem, nur damit jemand da ist.“ Und wer jetzt denkt, dass die beiden zu unterschiedlich seien und wie denn das überhaupt funktionieren könne, der stelle sich vor, dass ihm zwei Menschen gegenübersitzen, die sich nur durch Augenkontakt oder eine kleine Berührung so viel mehr sagen können, als andere mit 1.000 Worten. Zwei Menschen, die so unterschiedlich zu sein scheinen, aber deren Innerstes so weit nach außen im Gleichklang strahlt, dass es beinahe greifbar ist.
Die beiden verbringen ihre Freizeit ausschließlich miteinander und haben auch ein gemeinsames Business aufgebaut (www.vanessaundmarkus.com). Für ihre Zukunft sehen sie sich gemeinsam beruflich erfolgreich und wünschen sich Töchter. Dass ihre Liebe über unterschiedliche Kulturen und Einstellungen hinausgeht, zeigt auch die Abschlussfrage.


Was ist das Beste an Vanessa?

„Ich glaube, dass ich Vanessa auch in jedem anderen Leben so gern gehabt hätte wie in diesem. Auch wenn wir Schildkröten wären.“


Was ist das Beste an Markus?

„Ich liebe es, sagen zu können, dass ich mit Markus gut mein Leben lang auch alleine sein könnte. Es gibt keinen Moment, wo ich mir denke, jetzt würde ich lieber mal nur für mich sein.“

 

Text Nicole Schlaffer   Fotos Roland Faistenberger, Vanessa Hartmann


Lifestyle | 18.02.2021

Guter Stoff für eine Moderne Operette

Seit gut zehn Jahren sind Peter und Michael Dreo-Vargyas ein glückliches Paar. Davor war der frühere Bürgermeister von Mörbisch mit Frauen liiert.

Peter & Michael
Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_PeterMichael02_D31BCD27-4F3D-4AB2-80C5-973E278C815F.jpg
 
Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_PeterMichael01_5618B2CF-B5EB-4215-B923-9B6387B22966.jpg

Fulminante Verpartnerung 2017. Peter (l.) und Michael tragen seither beide den Doppelnamen Dreo-Vargyas.

Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_PeterMichael05_IMG_9164.jpg

2019 In New York. Zur Einstimmung auf „West Side Story“ in Mörbisch

Als Peter Vargyas 2011, damals Bürgermeister von Mörbisch, bei der Premiere der Seefestspiele das erste Mal in der prominenten ersten Reihe mit einem Mann an seiner Seite Platz nahm, freuten sich die einen mit, anderen fror das Lächeln im Gesicht ein. Wieder andere versuchten sich in betonter Diplomatie. „Eine Zeitung schrieb: ‚Bürgermeister Vargyas teilt sich mit Michael Dreo einen Regenschirm‘“, lacht Michael Dreo-Vargyas. Ebendort, wo sich diese Szenen abspielten, heiratete das Paar wenige Jahre später – standesamtlich und dann mit einer Open-­House-Party. Freundin und damalige Intendantin Dagmar Schellenberger sang für das glückliche Paar. Von Michaels Oma kam eine pointiert liebevolle Gratulation: „Endlich lebt ihr in geordneten Verhältnissen.“ Bald darauf genossen sie ihre Flitterwochen in der Normandie.


Tiefpunkt

Begegnet waren die beiden einander vor gut zehn Jahren; Peter war gerade dabei, sich ins Leben zurückzukämpfen, ein Chatforum im Internet war eines seiner ersten Fenster zur Außenwelt, „nachdem ich auf 48 Kilo abgemagert war“, erzählt er. Das wissenshungrige Energiebündel, das als Berufstätiger zwei Studien abschloss und heute Referatsleiter für Buchhaltung im Amt der Landesregierung ist, überlebte 2009 nur knapp. Auf ein Grippevirus folgten eine Blutvergiftung und ein Herzstillstand, später muss er auch noch einen Tumor besiegen. „Ich war nur noch Haut und Knochen. All das hat mein Leben insgesamt in andere Bahnen gelenkt.“ Seine Beziehungen gingen davor alle in die Brüche und „ich war immer schuld“, reflektiert der 46-Jährige selbstkritisch. Er habe die Prioritäten falsch gesetzt, zu sehr die Arbeit in den Mittelpunkt seines Lebens gerückt. Er war zuvor mit Frauen zusammen, „aber das Geschlecht ist mir eigentlich wurscht“. Ob Mann oder Frau, das hatte in der kreativen, weltoffenen Szene, die ihn durch sein Mitwirken bei den Seefestspielen von Kindesbeinen umgab, eine untergeordnete Rolle. Mit sechs Jahren spielte er das erste Mal auf der Bühne mit, später war er dort Billeteur, Hauswart, Techniker, Musiker, im Vereinsvorstand und bis vor Kurzem – auch gemeinsam mit seinem Ehemann – ebenso Statist.


Mehr als Freunde

Peter und Michael kannten einander über mehrere Ecken und durch die Musik: Peter war Kapellmeister in Mörbisch, Michael kommt aus der Musikerfamilie Dreo. Durch Zufall beginnen sie zu chatten, nach Monaten ergibt sich eine „schicksalhafte“ Fahrgemeinschaft nach Wien. „Er hatte eine Kappe auf und eine weiße Weste, ich fand ihn gleich süß“, verrät Michael. Für Peter war es damals der Beginn einer schönen Freundschaft. Die zwei Männer treffen sich immer wieder, gehen essen oder ins Kino. Irgendwann gibt es quasi kein Entrinnen mehr vor den Gefühlen, 2012 ziehen die beiden zusammen.


Schatzis

Heute machen sich Freund*innen manchmal liebevoll lustig über sie, wenn sie einander stets mit „Schatzi“ ansprechen. „Wir sind ein eingespieltes Team. Wer früher aufsteht, stellt um sechs Uhr morgens dem anderen ein heißes Getränk aufs Nachtkästchen“, erzählt Michael. „Und jeder Tag beginnt mit einem ,Guten Morgen, ich liebe dich‘“, ergänzt Peter. Er selbst ist eher „der Küchentyp“, Michael, seines Zeichens AHS-Mathematik- und Chemie-Lehrer, ernannte ein Zimmer zum „Labor“, wo er mit destilliertem Wasser die Wäsche bügelt. Peter sieht lieber Actionfilme, Michael mag Horror „und beim Tatort treffen wir uns“, lachen sie. Auch verbindet sie die Liebe zum Reisen. Zur Einstimmung auf das für 2020 bei den Seefestspielen geplante Musical „West Side Story“ flogen sie 2019 eigens nach New York. Apropos Reisen: Ebenso der Heiratsantrag fand unterwegs statt – bei einem Trip nach München. Verkündet wurde die Verlobung dann im Jahr, als „Viktoria und ihr Husar“ in Mörbisch gespielt wurde, also 2016. Denn – und das ist köstlich zum Zuhören – die beiden sind mit den Seefestspielen so eng verbunden, dass sie beim Erzählen jedes bemerkenswerte Ereignis ihrer privaten Biografie sofort der jeweiligen Mörbisch-Produktion zuordnen können.


Schattenseiten

Neben all den schönen Anekdoten gab es freilich auch Schattenseiten. Einen Makler, der irritiert war, warum sich zwei Männer eine Wohnung nehmen, einen langjährigen Freund, der mit der Liebe des Paares nicht klarkam, oder dass Peter und Michael Sorge hatten, dass die Möglichkeit der Verpartnerung grundsätzlich gestrichen wird, wenn die Bundespräsidentschaftswahl „anders ausgegangen wäre“. Den negativen Erfahrungen wollen die beiden jedoch nicht zu viel Raum geben. Dass bei ihrer Hochzeit 2017 der ORF Burgenland einen Beitrag machen durfte und ebenso ihre Bereitschaft für dieses BURGENLÄNDERIN-Interview hat einen Herzenshintergrund für die beiden. Michael formuliert es so: „Ob in einem Buch oder einem Film, bis heute gehen Geschichten mit homosexuellen Menschen oft schlecht aus. Das soll nicht das einzige Vorbild sein. Es ist wichtig, glückliche gleichgeschlechtliche Paare zu zeigen, mit denen man sich identifizieren kann. Die Leute sollen sehen: Wir führen eine normale Beziehung. Das macht es auch für Homosexuelle leichter, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist.“ Eine Begegnung von Peter bestätigte das nach der Hochzeit: „Kurze Zeit später hat eine Mörbischerin erzählt, dass sich ihr Neffe geoutet hat. Er meinte: ,Wenn das der Bürgermeister kann (er amtierte bis 2012, Anm.), kann ich das auch.‘“

 

Text Viktória Kery-Erdélyi Fotos Jerzy Bin, Privat


Lifestyle | 18.02.2021

„Wir trafen uns heimlich“

Walter war obdachlos und ist 25 Jahre älter. Manuela lernt er bei der „Pannonischen Tafel“ kennen, es funkt schnell. Im verflixten siebenten Jahr heirateten sie.

Manuela & Walter
Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_ManuelaWalter_IMG_20200930_214254.jpg

Happy am Hochzeitstag. Im Herbst 2020 sagten Manuela und Walter Ja zueinander.

Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_ManuelaWalter_IMG_9470.jpg

Gutes Team. Er kocht, sie repariert lieber.

Bild 2101_B_ME_Liebesgeschichten_ManuelaWalter_IMG-20200223-WA0000[1].jpg

Stolz auf „seine“ Security. Walter durfte einmal zum Dienst mit.

Als sie einander vor einigen Monaten das Ja-Wort gaben, wollte Walter Szakall, 61, sein Glück am liebsten in die Welt hinausrufen, verrät eine herzliche Insiderin. „50 Jahre lang hatte ich es nicht gut in meinem Leben, aber in Eisenstadt hat sich alles geändert“, erklärt Walter selbst. Vom neuen Lebenskapitel erzählen die fröhlichen Bilder über der Eckbank in der Küche: das frisch gerahmte Hochzeitsfoto und eine Karikatur des Künstlers Geronimo, die ihn weiß behemdet beim Heiratsantrag zeigt. Und ebenso der detaillierte Essensplan am Kühlschrank, an dem seine Manuela stets abliest, worauf sie sich freuen kann. Seit sieben Jahren sind sie nun ein Paar, seine Liebe bringt Walter stets gerne kulinarisch zum Ausdruck. „Da kann es sein, dass ich vom Dienst in Tirol um zwei Uhr morgens nach Hause komme und er mit einem warmen Schnitzel auf mich wartet“, erzählt Manuela, die lieber den handwerklich-technischen Part der Hausarbeit übernimmt.


Falsche Freunde

Walter Szakall wuchs mit vier Geschwistern in Frauenkirchen auf und verlor seinen Vater schon als Jugendlicher. Er hatte Maurer gelernt, arbeitete zunächst in Wien, später im Nordburgenland. 1997 wird bei ihm die Lungenerkrankung COPD diagnostiziert. Irgendwann setzt er auf die falschen Freunde, das zieht einen Rattenschwanz an Problemen mit sich, Walter rutscht in die Obdachlosigkeit. Als er einige Tage im Freien übernachtet, verliert er sogar seinen Lebenswillen. Ein Polizist gibt ihm Geld für eine Busfahrt nach Wien, er findet Unterschlupf in der „Gruft“, einer Notschlafstelle der Caritas. „Aber ein Städter war ich noch nie.“ Über Umwege kommt er nach Eisenstadt, Andrea Roscheks „Pannonische Tafel“ wird sein Rettungsanker. Eine Zeit lang kann er sogar seiner großen Leidenschaft nachgehen und bekocht das dazugehörige „Wohnzimmer“. Eine spannende Facette in seiner Biografie: Walter Szakall wirkte in einer Vielzahl an Filmen und Serien als Statist mit. Dazu zählen etwa „Soko Donau“, „Bockerer III“ und mehrere Folgen „Winzerkönig“.


Schlank, aber oho

Manuela wollte eigentlich Lehrerin werden, doch schon während des Studiums fand sie he­raus, dass das nicht das Richtige für sie war. Die Eisenstädterin absolviert vom AMS geförderte Kurse, schnuppert in verschiedene Branchen. Ihre Berufung findet sie schließlich durch Zufall: Sie vertritt einen Bekannten als Security beim Harley-Davidson-Treffen am Faaker See – und findet sofort Gefallen an dem Job. Sie wird im Team aufgenommen, sorgt mit ihren Kolleg*innen bei großen Sportevents wie dem Nacht­slalom in Schladming oder beim Nova-­Rock-Festival für Ordnung. „Genau danach hab’ ich gesucht! Manchmal stehe ich vielleicht an einem Posten, der gerade nicht so aufregend ist, aber ich bin immer woanders und hab’ sehr viel Abwechslung.“ Wenngleich sie von schlanker Statur ist, „in meinem Sektor gibt’s praktisch nie Probleme“, betont die 36-Jährige, die es kaum erwarten kann, dass wieder Events stattfinden. Über ihre Durchsetzungskraft weiß Walter Bescheid, „mir fiel als Erstes ihre laute Stimme auf“, schmunzelt er. Und zwar bei der Pannonischen Tafel, wo Manuela vor gut sieben Jahren als Volontärin arbeitete. Zunächst habe er sie „verstohlen beobachtet“, ehe er es wagte, sie anzusprechen. „Wir konnten auf Anhieb über alles reden, haben uns gegenseitig unser Leid geklagt. Als ich ihr das erste Mal ein Kartoffelgulasch gekocht hab’, hat’s dann gefunkt“, erinnert er sich.


Tierlieb

Manuela rettete vor gut zwölf Jahren eine Hündin aus einer Tötungsstation, in der Wohnung leben sie heute mit dem schüchternen Kater Luigi. Ihre Tierliebe verbindet sie von Beginn an. Anfangs treffen sie sich heimlich, wenn Manuela mit ihrer Hündin spazieren geht. Ihre Familie sollte zunächst nichts erfahren. „Ich hab’ das verstanden. Ich hatte nichts, ich war ein Sandler“, sagt Walter. Trotz der herausfordernden Umstände wird ihre Bindung stärker. 2014 ziehen Manuela und Walter gemeinsam in eine Mietwohnung in Eisenstadt, die sie mit gebrauchten Möbeln ausstatten. „Wir haben jedes einzelne Kasterl zusammen aufgebaut“, sagt Walter stolz. „Der Umzug war an einem heißen Augusttag. Es hatte 36 Grad und wir haben alles die 86 Stufen hinaufgeschleppt“, beschreibt seine Frau.


Hobby mit Glanz

Walter ist mittlerweile Pensionist; mit seinem Geld wird das Essen eingekauft. Mit Manuelas Gehalt werden Miete und andere Rechnungen bezahlt. „Es kam schon vor, dass wir nur noch sieben Euro am Konto hatten, aber es geht sich aus“, sagt Walter. „Wir brauchen nicht viel. Einmal im Monat gehen wir auswärts essen, nur wenn etwas kaputtgeht, kaufen wir etwas Neues“, ergänzt seine Frau. Ausnahmen gibt es freilich schon. Wie etwa, als sich Walter plötzlich ein weißes Hemd zulegte, weil er fand, dass das zu einem richtigen Heiratsantrag dazugehört. Oder wenn es gilt, Zubehör für ihr gemeinsames Hobby, dem „Diamond Painting“, anzuschaffen. Ähnlich wie beim Malen nach Zahlen entstehen hierbei aus winzigen Steinchen schillernde Bilder. „Das hier besteht aus 70.000 Stück“, präsentiert das Paar stolz ein Werk, das später als Geschenk seine Besitzer wechseln sollte. Verstecken muss sich das Paar schon lange nicht mehr, „mit dem Schwiegervater hab’ ich den Kasten im Wohnzimmer zusammengebaut, wir verstehen uns sehr gut. Manuela hat eine super Familie“, findet Walter. Zukunftswünsche? „Wir genießen die Zeit, die wir haben“, sagt Manuela bescheiden und dann fällt den beiden doch noch etwas ein: „Ein kleines Haus mit einem kleinen Garten in Eisenstadt, für ein bisschen Gemüse zum Kochen – das wäre unser Traum.“

 

Text Viktória Kery-Erdélyi  Fotos Viktória Kery-Erdélyi, Andrea Roschek, Brigitte Musil