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Lifestyle | 23.03.2021

Pendler zwischen den Welten

Raus aus der Stadt, Ziel unbekannt. Mit diesem Vorsatz machten sich Susanne und Jörg Steffl auf zu neuen Ufern. Gelandet sind sie in einem alten burgenländischen Streckhof in Antau, den sie liebevoll sanierten.

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Jörg und Susanne Steffl zog es samt Tochter Kathi raus aus der Stadt, rein ins Burgenland. © Vanessa Hartmann

Den rund 130 Jahre alten Streckhof zu betreten, katapultiert einen zurück in eine andere Zeit. Barock-Elemente, antike Einzelstücke, Landhausstil-Möbel und besonnen ausgewählte Deko-Stücke. Die Farben Creme, Schwarz, Gold und Terrakotta-Töne dominieren das im vorletzten Jahrhundert erbaute Domizil, in dem vor vielen Jahrzehnten sogar Otto von Habsburg (Anm.: Schriftsteller, Publizist und Politiker; ältester Sohn von Karl I., dem letzten Kaiser von Österreich und König von Ungarn) als Gast zu Besuch war. „Das Haus war wüst und feucht, der Garten komplett verwuchert“, erinnert sich Susanne Steffl an damals vor 13 Jahren, als sie und ihr Mann Jörg den alten Streckhof in Antau besichtigten. „Aber wir schauten uns an und wussten: Das ist es!“, lachen die beiden unisono. Als starker Kontrast zu ihrer modernen Wohnung in Wien, die mit viel Glas und Stahl ein komplett anderes Wohnfeeling bietet, bauten sie das Haus im Burgenland zu einem Wohlfühltempel mit antikem Charme um. In vielen Bauschritten wurde der alte Streckhof zu einem gut erhaltenen Juwel aus vergangenen Zeiten. Zunächst stand die Trockenlegung der Gemäuer in zwei Etappen an sowie die Rodung des Gartens. Dort wurden noch weitere kleine Gebäude von alter Herkunft entdeckt: eine Waschküche, ein Schweinestall sowie eine kleine griechisch-orthodoxe Kapelle.


Die Räume im Haus wurden nach und nach restauriert und mit moderner Technik versehen, immer in Harmonie mit der Geschichte des Hauses. „Die Gemäuer bestehen aus riesigen Steinbrocken, mit Lehm und Stroh verputzt, da ist kein einziger Ziegel drin. Doch sie haben einen sehr guten Speicherwert. Im Sommer halten die Steinmauern schön kühl und im Winter speichern sie die Wärme von innen.“ Die Gemäuer waren feucht und modrig. Da mussten Experten ran: Trotz sehr starker Mauerfeuchtigkeit und schadhaftem Verputz konnte die Firma Bautenschutz Buschek aus Siegendorf die historischen Wände schonend und nachhaltig trockenlegen und mit dem speziellen Feuchtmauerputz hält die Trockenheit auch viele Jahre später noch fortwährend an. Während des Umbaus konnte die Bewohnbarkeit erhalten bleiben.  

 

Der Streckhof – außen
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Der rund 130 Jahre alte burgenländische Streckhof wurde Step by Step über die Jahre saniert und zu einem schmucken Juwel – eine Mischung aus Tradition und Moderne.


Zwei Einheiten – eine Familie

Das aus dem niederösterreichischen Mostviertel stammende Paar ist mit ihrem Vorhaben ganz am Anfang innerhalb der Familie nicht nur auf offene Ohren gestoßen, doch Jörg Steffl war schon immer einer, der anpackt, den es vorantreibt. Der gelernte Wirtschaftsinformatiker ist heute als Unternehmensberater im Gesundheitswesen tätig, während seine Frau Susanne als Zahnärztin in Wien eine eigene Ordination leitet. Und für die Zukunft weiß er auch schon, wohin ihn seine beruflichen Träume führen. „Wir wissen, dass es viele Menschen gibt, die raus aus der Stadt und sich im ländlichen Bereich niederlassen wollen. Doch viele trauen sich da alleine nicht drüber. Ich möchte sie an der Hand nehmen und ihnen beim Organisieren und Umsetzen helfen.“ Für ihre 20-jährige Tochter Kathi hat das Paar auch vor einigen Jahren vorgesorgt – als das alte Nachbarhaus zum Verkauf stand, erweiterte die Familie Steffl ihr Heim um ein weiteres. Das Nebengebäude wird nun von der Studentin bewohnt, die – wie auch ihre Eltern – seit Corona dauerhaft hier lebt und Wien vorübergehend den Rücken gekehrt hat. Neben ihrem Wirtschaftsrecht-Studium ist Kathi leidenschaftliche Golferin und Läuferin und sieht das Burgenland als perfekten Ausgangsort für den Sport. Aufgrund der Nähe zu Wr. Neustadt und Wien lassen sich für die Familie Steffl berufliche, sportliche und private Agenden ganz leicht verbinden.



Langfristige Liebe

„Im Burgenland sind die Menschen im Gegensatz zu anderen Regionen total offen und herzlich. Wir sind ‚Zuagroaste‘ und wurden hier trotzdem absolut freundlich und selbstverständlich aufgenommen, haben mittlerweile viele Freunde hier und sind sehr gut vernetzt. Die Burgenländer*innen sind weltoffen und Nachbarschaftshilfe wird hier großgeschrieben.“ Für die Umbau- und Sanierungsarbeiten haben die Steffls mit vielen Handwerkern und Baufirmen aus der Region zusammengearbeitet, von denen einige mittlerweile zu guten Freunden geworden sind. Derzeit wird an einem Saunahäuschen im Garten gearbeitet, dann sind die Arbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen. Jörg und Susanne gingen während der Umbauten durch dick und dünn. Hinter den Mauern versteckten sich oft Überraschungen, die Nerven bei den Sanierungsarbeiten wurden oft strapaziert. Doch die beiden haben in ihrer gemeinsamen Laufbahn schon viele Herausforderungen geschupft. Sie sind ein Paar, seit sie 18 waren. Heute, 32 Jahre später, blicken sie auf viele gemeinsame Erlebnisse zurück und haben sich in das Burgenland und in ihren alten Streckhof verliebt.

… und innen
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Hingucker im Entrée: antiker Tisch mit richtigem Gästebuch

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Die Barock-Elemente verleihen dem Streckhof romantischen Charme.

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Das Wohnzimmer ist der Wohlfühlmittelpunkt.

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Antike Einzelstücke gepaart mit Barock-Elementen vermitteln fast kaiserlichen Flair.

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Der Lieblingsplatz im Nebenhaus hat einen besonderen Flair, wo das letzte Jahrhundert greifbar wird.

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Das Schlafzimmer

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Die Küche im Haupthaus

 

© Vanessa Hartmann, privat