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Lifestyle | 02.04.2021

Osteoporose kann jede(n) treffen

Aber nur jede dritte Betroffene weiß, dass sie an dieser Krankheit leidet, und nur jede sechste erhält eine Therapie.

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© Shutterstock

Der Körper erneuert die Knochen lebenslang, um den Knochenapparat stabil zu halten. Die Basis für feste Knochen wird jedoch schon in der Jugend gelegt. Bei der Knochenbruchkrankheit Osteoporose ist der kontinuierliche Auf- und Abbauprozess jedoch gestört. Der schleichende Abbau der Knochenmasse kann schon bei alltäglichen Aktivitäten zu einem Bruch führen. In Österreich leiden über 500.000 Menschen an Osteoporose, alle 50 Minuten bricht ein Wirbelkörper als Folge von Knochenschwund.


Osteoporose ist weit verbreitet

Wer in jungen Jahren für seine Knochenfitness sorgt, profitiert auch noch im hohen Alter davon. Frauen sind häufiger von Osteoporose betroffen als Männer. Aber die Krankheit ist keine natürliche Folge des Alterns oder der Menopause, sondern eine komplizierte Stoffwechselerkrankung des Knochengewebes. „Wenn man unter Osteoporose leidet, können schon kleinste Belastungen oder Verletzungen zu einem Knochenbruch führen“, erklärt der Gynäkologe und Osteoporosespezialist Dr. Peter Krause, Innsbruck. Am häufigsten brechen die Knochen im Bereich der Hüfte, an den Wirbelkörpern oder im Bereich der Unterarme.


Wichtige Player

Kalzium ist der Grundbaustoff der Knochen. Mit zunehmendem Alter und unter bestimmten hormonellen Veränderungen wie den Wechseljahren sollten wir mehr Kalzium aufnehmen, weil die Fähigkeit des Körpers, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen, nachlässt. Kalzium ist für die Festigkeit und die Stabilität der Knochen verantwortlich. Kalziummangel in jungen Jahren kann die nachhaltige Entwicklung der Knochenfestigkeit im Alter negativ beeinflussen. Ein verlässlicher Kalziumlieferant zur Entwicklung fester Knochen ist Milch, weshalb Eltern darauf achten sollten, ihre Kinder mit ausreichend Milchprodukten zu versorgen. Doch auch andere Nahrungsmittel wie kalziumreiches Mineralwasser, Brokkoli, Fenchel und Grünkohl sowie Nüsse oder Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie können helfen, den Kalziumhaushalt zu optimieren. Das Sonnen-Vitamin D ist an sehr vielen Stoffwechselvorgängen in der menschlichen Körperzelle beteiligt. Vor allem ist Vitamin D auch essenziell für ein gesundes Immunsystem und starke Knochen. Der moderne Lebensstil in geschlossenen Räumen schränkt die körpereigene Bildung von Vitamin D aber ein. So hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Vitamin‑D-Mangel. Als lebenslang unbedenkliche Obergrenze der Vitamin‑D-Zufuhr wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) der Wert von 4.000 I.E. (= 100 µg) Vitamin D3 pro Tag bei Erwachsenen festgelegt. Zur Verwertung des Kalziums und zur Aktivierung der gebildeten Proteine ist Vitamin D auf einen weiteren Partner angewiesen: Vitamin K2. Es sorgt dafür, dass Kalzium gut verwertet wird, und aktiviert zudem das Peptidhormon Osteocalcin, das für die Neubildung von Knochen und die aktive Einlagerung von Kalzium in den Knochen wichtig ist.


Krafttraining stärkt den Knochen

Warum sind Frauen viermal häufiger vom Knochenschwund betroffen als Männer?

Dr. Peter Krause: Die Ursache für das erhöhte Osteoporoserisiko bei Frauen gegenüber Männern ist vielfältig. Männer haben im Allgemeinen gegenüber Frauen eine größere Muskelmasse und erlangen damit eine bessere maximale Knochendichte, die man üblicherweise zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr erreicht. Damit ist die Ausgangssituation prinzipiell günstiger, da Muskelmasse direkt mit Knochendichte korreliert. Mit dem Erreichen der Menopause fällt der Östrogenspiegel deutlich ab. Dies ist ein weiterer Trigger und führt zum verstärkten Abbau von Knochensubstanz.

Woran merke ich, dass ich an Osteoporose leide, und wie wird sie diagnostiziert? Ist Osteoporose schmerzhaft?

Leider gibt es kaum Vorzeichen, die rechtzeitig auf die Entstehung einer Osteoporose hinweisen. Eine deutliche Abnahme der Muskelmasse (Sarkopenie) geht zeitlich der Entstehung der Osteoporose voran. Die Osteoporose wird mit Röntgenabsorptionsfotometrie (DEXA) diagnostiziert. Dabei misst man im Wesentlichen den Kalziumgehalt des Knochens. Die Osteoporose ist im Frühstadium nicht schmerzhaft – erst wenn Wirbelsäulenfrakturen auftreten, sind die typischen Kreuzschmerzen spürbar.

Wie oft sollte eine DEXA-Messung vorgenommen werden?

Eine Erstmessung sollte bei vorhandenen Risikofaktoren so früh wie möglich gemacht werden. Diese sind z. B. ein BMI unter 20, extreme Inaktivität und Immobilisierung sowie ein Knochenbruch, der bereits durch einen Sturz im Stehen oder aus max. 1,5 Meter Höhe auftritt (atraumatischer Bruch). Eine DEXA-Messung sollte auch gemacht werden bei einer Körpergrößenabnahme von mehr als vier Zentimeter oder bei einem Gewichtsverlust von über zehn Prozent in fünf Jahren. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, bei denen eine längerfristige Einnahme eine Knochendichtemessung veranlassen sollte, z. B. Schilddrüsenpräparate, Präparate für Magenschutz und Psychopharmaka. Prinzipiell sollen Kontrollmessungen bei krankhafter Knochendichte alle drei Jahre durchgeführt werden. Ein Wirbelsäulenröntgen und eine seitliche DEXA sind wichtig, um Wirbelkörpereinbrüche nicht zu übersehen!

„Ein Wirbelsäulenröntgen und eine seitliche DEXA sind wichtig, um Wirbelkörpereinbrüche nicht zu übersehen!“ Dr. Peter Krause, FA für Gynäkologie und Geburtshilfe, Balance-Institut Innsbruck. © Blickfang Fotografie

 

 

In welchem Zusammenhang stehen Essstörungen und Osteoporose?

Der geringe Fettanteil des Körpers lässt auch den Östrogenspiegel der Frauen deutlich sinken, dies ist neben dem Ausbleiben der Regelblutung bei Essstörungen ein wesentlicher Faktor, dass sich Osteoporose ausbildet.

Was kann man vorbeugend für starke, feste Knochen tun?

Hier gibt es eine klare Aussage: Der entscheidende Faktor ist neben einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D das körperliche Training von Kraft und Muskelmasse. Alle sportlichen Aktivitäten, die Muskelmasse verbessern und dadurch den Knochenaufbau reizen, sind zur Prävention von Osteoporose wichtig. Hier liegt die Betonung auf Krafttraining! Alles, was mit Krafttraining im Zusammenhang steht, ist günstig für den Knochenaufbau. Schwimmen ist zwar ein perfektes Herz-Kreislauf-Training, doch für den Knochen ist der Effekt aufgrund des Auftriebs im Wasser und der dadurch reduzieren Druckbelastung minimal.