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Lifestyle | 23.04.2021

„We don’t need no education“

Dieser Songtext von Pink Floyd trifft auf die heutige Jugend nicht zu. Der Aufschrei nach Bildung ist groß. Wir sprechen mit Bildungsdirektor Heinz Zitz über die Umstände an den Schulen durch Corona und wohin der Ausbildungstrend geht.

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© Shutterstock

BURGENLÄNDERIN: Studien belegen, dass viele Schüler*innen durch die coronabedingten Umstände bereits an negativen psychischen und psychosomatischen Folgen leiden. Sehen Sie hier einen Unterschied je nach Alter der Kinder (VS, Unterstufe, Oberstufe)?

Heinz Zitz: Eine deutliche Tendenz geht in verschiedenen Berichten in Richtung „Befindlichkeitsstörungen“ – in welcher Form auch immer –, diese sind vor allem in jenen Schultypen wahrnehmbar, in denen eine lange Dauer des Distance-Learnings vorherrschte, also vor allem in den Höheren Schulen. Tendenziell spiegelt sich in vielen Berichten der Kinder- und Jugendpsychiatrie wider, dass die negativen Auswirkungen der Pandemie im jugendlichen Alter auftreten.


Welche Maßnahmen setzt bzw. kann die Bildungsdirektion hier setzen?

Wir befinden uns nun seit mittlerweile einem Jahr im sogenannten Ausnahmezustand. Wir alle mussten uns auf eine neue Situation einstellen und mit ihr umgehen lernen. Die Bildungsdirektion Burgenland hat jedoch unverzüglich auf die neuen Gegebenheiten reagiert und in jeglichen Bereichen gezielt Maßnahmen gesetzt und Unterstützung bereitgestellt. Großer Dank für ihren Einsatz gebührt den Beratungslehrer*innen und der Schulsozialarbeit – den Mitarbeiter*innen der Abteilung Schulpsychologie sowie den Beratungsstellen des Landes Burgenland, die in den vergangenen Monaten unermüdlich mit telefonischen wie auch digitalen Beratungen viele Probleme und Sorgen abfedern konnten. Beratungen in telefonischer oder nach Anmeldung auch in persönlicher Form sind auch weiterhin in der Abteilung für Schulpsychologie, den Beratungsstellen des Landes Burgenland sowie an den Schulen direkt jederzeit möglich. Das Hauptziel seitens der Bildungsdirektion ist es, einen möglichst standardmäßigen Unterricht zu unterstützen und eine stabile Schulstruktur zu gewährleisten.

 

Bildungsdirektor Heinz Zitz. © vlaMas Photography


 
Schlagwort „Lost Generation“: In einigen Medien und in der Öffentlichkeit werden die Abschlussklassen des letzten Jahres und vor allem von heuer als „Lost Generation“ bezeichnet. Wie ist Ihr Zugang dazu?

Die Absolvierung der Matura in dieser pandemiebedingt schwierigen Zeit ist durchaus mit besonderer Wertschätzung zu sehen. Viele Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden, die Wissensvermittlung ist vom Klassenraum in den digitalen Raum gewandert, die Schüler*innen mussten lernen, selbstständiger zu arbeiten, den neuen Schulalltag eigenständiger zu gestalten. Der Schulabschluss in Zeiten wie diesen ist eine durchaus herzeigbare Gesamtleistung, die unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen erbracht wurde. Wir hoffen, dass die Auswirkungen dieser Pandemie für alle Schüler*innen überschaubar bleiben und bieten weit über das Schuljahr hinaus Zusatzförderungen wie „fit4future“ an.

 
Welche Ausbildungszweige/Branchen sind im Kommen, wohin geht der Trend?

Gute Jobchancen haben Techniker*innen, also Absolvent*innen von Höheren Technischen Lehranstalten, vor allem im Bereich der IT, sowie Naturwissenschaftler*innen. Sehr gefragt sind nach wie vor auch Ärzt*innen und Jurist*innen, obwohl oder gerade wegen der derzeitigen Zugangsbeschränkungen an den Universitäten. Die Liste gefragter Lehrberufe darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht vergessen werden. Qualifizierte Facharbeiter*innen werden auch in Zukunft gesicherte Berufsaussichten erwarten können. Aber auch Lehrer*innen im Sekundarstufenbereich werden in Zukunft sehr gefragt sein. Hier finden auch laufend Ausschreibungen unterschiedlicher Schultypen statt.

 
Ausblick: Wie ist Ihre Prognose für die Schulen in diesem Semester? Wie wird Ihrer persönlichen Einschätzung nach der Unterricht nach Ostern weitergehen und was erachten Sie als sinnvoll?

Wir müssen uns weiterhin auf das Wesentliche besinnen. Die aktuelle Situation erfordert nach wie vor sehr viel Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Kreativität und Innovation. Noch befinden wir uns in einer sehr unsicheren Zeit und Prognosen abzugeben, wie das aktuelle Schuljahr weitergehen wird, wäre nicht zielführend. Unsere Aufgabe ist weiterhin die Übermittlung von lehrplankonformen Lerninhalten und die richtige Auswahl der wesentlichen Inhalte. Letztendlich können wir, so gut es geht, aus der aktuellen Situation wohl alle profitieren, insbesondere jedoch unsere Kinder.
Seit Bekanntwerden der Lage stehen wir in regem Austausch mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie dem Land Burgenland. In den vergangenen Monaten wurden viele Maßnahmen gesetzt. Oftmals musste schnell und unverzüglich reagiert werden. Und das haben wir getan. Das Bildungsland Burgenland ist gut vernetzt, nicht nur im digitalen Bereich. Die Lernplattformen „skooly“ und „LMS“ stehen unseren Schüler*innen, Pädagog*innen sowie allen Eltern seit Jahren unterstützend zur Verfügung. Die Organisation des Betreuungsangebotes war eine neue Herausforderung für uns, die wir jedoch, wie ich denke, sehr gut meistern konnten. Sich auf eine solche Situation vorweg vorzubereiten ist schwierig, da wir bislang keine Situation wie diese und damit auch keinen Vergleich hatten.