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Lifestyle | 26.05.2021

Altersforschung aktuell

Mit Spermidin den natürlichen Alterungsprozess aufhalten.

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© Shutterstock

Ewige Jugend? Klingt verlockend

Eines ist vom Tag unserer Geburt an sicher und für alle Menschen gleich: Der biologische Alterungsprozess beginnt und schreitet täglich weiter fort. Je älter wir werden, desto mehr altersbedingte Veränderungen kommen hinzu. Sie reichen von verminderter Stoffwechselaktivität über Arthrose, Herzschwäche bis zum Verlust von verschiedenen Zellen.



Autophagie als Selbstheilung

Ein Grund für diese altersbedingten Veränderungen ist, dass bestimmte zelluläre Reinigungsprozesse nicht mehr so gut funktionieren wie in der Jugend. Ein hocheffizienter Anti-Aging-Prozess, den der Organismus von innen ohne viel Zutun ganz von selbst anregt und dessen Entdeckung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist die sogenannte Autophagie.



Zellverjüngung durch Autophagie

Unter Autophagie versteht man den natürlichen Prozess der Zellreinigung und -regeneration, bei dem beschädigte Zellstrukturen zunächst als solche erkannt, dann in kleinste Bausteine zerlegt und schließlich über den Stoffwechsel abgebaut werden. Gleichzeitig werden bestehende Zellschäden repariert oder durch neue Zellen ersetzt. Autophagie ist also eine Art Recyclingsystem. So werden die Zellen fit gehalten und vor vielen Krankheiten geschützt. Leider gerät die Autophagie im Laufe der Jahre ins Stocken.



Natürliche Waffe gegen das Altern

Wissenschaftler sehen in der Autophagie den Schlüssel zu einer nachhaltig besseren Gesundheit und Vitalität und eine der wirksamsten Waffen gegen den Alterungsprozess. Wer über eine längere Zeitspanne nichts isst, zwingt den Organismus automatisch in den Zustand der Autophagie, pusht damit die Zellregeneration und Zellerneuerung und bewirkt damit eine deutliche Zellverjüngung. Doch wir alle wissen, wie mühsam Fasten ist. Bis die Autophagie einsetzt und die Zellverjüngung in Gang gesetzt wird, muss man schon 16 Stunden konsequent fasten. Vollständige Autophagie ist laut Wissenschaftlern aber nicht allein durch Intervallfasten zu erzielen. Es unterstützt zwar effektiv das Abnehmen und den Reinigungsprozess, aber Zellverjüngung bedeutet mehr. Fest steht, dass bestimmte Faktoren den Effekt der Zellreinigung zusätzlich stimulieren können: Dazu zählen konsequent kalorienreduzierte und doch ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Ausdauer- und Kraftsport, schwarzer Kaffee sowie Lebensmittel mit einem hohen Spermidingehalt wie Weizenkeime, grüner Pfeffer, Grapefruit, Pilze, Amarant, Äpfel, Brokkoli und Karfiol. Auch Zitrusfrüchte, Spargel, Ingwer und grüner Tee wirken entgiftend und sollten in die Ernährung integriert werden.

 



Molekül im Fokus der Zellforschung

Spermidin ist ein Molekül mit unglaublichem Potenzial. Spermidin wurde erstmals in der männlichen Samenflüssigkeit entdeckt – daher stammt auch der Name. Mittlerweile weiß man, dass es in jeder Zelle unseres Körpers natürlich vorkommt, die Konzentration jedoch mit zunehmendem Alter abnimmt. Auch bestimmte Darmbakterien können Spermidin bilden. Allerdings muss der Hauptanteil über die Nahrung aufgenommen werden, beispielsweise über Weizenkeime, Käse, Sojaprodukte und Hülsenfrüchte. Die Substanz aktiviert in unseren Zellen die Autophagie, wodurch Krankheitserreger, fehlerhafte Proteine oder nicht mehr funktionstüchtige Zellbestandteile abgebaut werden. Diese einzigartige Substanz kann also als natürliche Anti-Aging-Waffe eingesetzt werden.


Mäuse bleiben jung

Der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Evgeni Ponimaskin vom Institut für Neurophysiologie der Medizinischen Hochschule Hannover ist es gelungen, im Tiermodell den Anti-­Aging-Effekt von Spermidin nachzuweisen. Die Wissenschaftler verabreichten älteren Mäusen sechs Monate lang Spermidin über das Trinkwasser – mit dem Ergebnis, dass die Spermidin-Mäuse im Vergleich zu den nicht-behandelten, altersgleichen Tieren merkbare Anti-Aging-Effekte zeigten. „Die Spermidin-Gabe hat dafür gesorgt, dass die Tiere weniger Nieren- und Leberschäden und eine bessere leistungssteigernde Glukoseversorgung im Gehirn entwickelten“, erklärt der Studienleiter. Auch der altersbedingte Haarverlust war deutlich geringer als bei der Vergleichsgruppe. Besonders eindrücklich war der herzschützende Effekt von Spermidin. Die Forscher stellten fest, dass die kardio-protektive Wirkung des Spermidins mit einer geringeren Verkürzung der Telomere im Herzgewebe zusammenhängt. Wenn sich Zellen nicht mehr teilen, wie in diesem Fall die Herzmuskelzellen, werden die Telomere weiter verkürzt. Irgendwann setzt der programmierte Zelltod ein. Die Telomere waren laut Prof. Ponimaskin bei den mit Spermidin versorgten Mäusen ähnlich lang wie bei jungen Tieren. Diese Erkenntnisse wurden zwar im Mausmodell beobachtet, könnten aber in Zukunft auch Auswirkungen auf den Schutz vor altersbedingten Erkrankungen bei Menschen haben. Spermidin-Zufuhr als Nahrungsergänzung könnte zukünftig auch uns vor vielen altersbedingten Krankheiten schützen. Diese Studie wurde in Kooperation mit der Universität Graz in der Fachzeitschrift GeroScience publiziert.