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Lifestyle | 25.06.2021

LG, die Ex!

Leni und Mohit waren vor Jahren ein Paar und sind heute befreundet – schonungslos sprechen sie über Fehler in ihrer damaligen Beziehung, über vorgetäuschte Orgasmen und zu wenig Klopapier. In ihrem Podcast „LG, die Ex!“ räumen sie mit Klischees und sich selbst auf.

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Leni & Mohit haben sich nach über drei Jahren Beziehungsende als Freunde wiedergefunden und sprechen heute offen in ihrem gemeinsamen Podcast über Themen, die sie bewegen, © Vanessa Hartmann

Ex with benefits – gibt’s das? Definitiv. Mohit und Leni sind das beste Beispiel dafür. Sie waren von 2015 bis 2018 ein Paar, heute herrscht zwischen ihnen ein rein platonisches Verhältnis. Doch das war nicht immer so – erst im November letzten Jahres machte Leni den ersten Schritt und suchte wieder Kontakt zu dem guten Freund, den sie damals durch das Beziehungsende verloren hatte. „Mir haben Frauen schon oft gesagt, dass ich zwar in Beziehungen schlecht bin, aber als Freund sehr gut“, lacht Mohit gelassen. Und all die Gründe, warum das so ist, werden im Podcast „LG, die Ex!“ von Mohit und Leni aufgearbeitet. Es gehört viel Mut und eine große Portion Selbstreflexion dazu, sich seiner Vergangenheit zu stellen, sich die eigenen Fehler vorführen zu lassen und auch noch darüber zu lachen, während man sie bearbeitet. Da sind die beiden unverhohlen offen. Wir sprechen mit Leni und Mohit über Feminismus, Geschlechterklischees und Sex, Sex, Sex.


Warum ging eure Beziehung damals zu Ende?

Mohit: Wir haben damals beide nicht so richtig gewusst, wer wir sind und was wir suchen. Dann haben wir uns in einem Konstrukt wiedergefunden, das wir beide nicht wollten. Leni hat eine Liste an Dingen, die sie an mir gestört haben (lacht), umgekehrt ist meine Liste eher kleiner. Aber ich sehe viele Sachen, die bei mir falsch gelaufen sind. Ich hatte sehr viele Erwartungen und habe viel Druck aufgebaut. Jetzt sind wir uns auch nicht immer einig, aber wir wissen, dass wir einige Schritte weiter sind und schon viel aufgearbeitet haben.

Leni: Als wir zusammengekommen sind, war ich 21, noch mitten in der Persönlichkeitsfindung, hatte Probleme mit meinem Selbstwertgefühl. Jetzt bin ich glücklicher als je zuvor, kenne mich und meine Bedürfnisse besser und fühle mich im Leben angekommen. Das ist die Basis für eine funktionierende Beziehung. Ich bin offen für alle Lebenssituationen.

 

 

"Es stört mich, dass weibliche Sexualität immer noch zu oft als etwas Schmutziges dargestellt wird."

 


Was würdet ihr gerne ausprobieren, wie sehen eure Fantasien in Bezug auf Sex und Liebe aus?

Leni: Ich glaube nicht, dass wir Menschen grundsätzlich für die Monogamie gemacht sind. Das ist ein gesellschaft­liches Konstrukt, das wir uns über Jahrhunderte aufgebaut haben. Ich möchte gerne andere Erfahrungen machen, z. B. eine polyamoröse Beziehung oder sexuelle Erfahrungen mit Frauen. Ich bin davon überzeugt, dass wir fähig sind, mehrere Personen gleichzeitig zu lieben.

Mohit: Ich habe offene Beziehungen ausprobiert, aber es funktioniert für mich nicht, zu anstrengend. Da ist so viel Ehrlichkeit und ständige Reflexion notwendig und man muss so oft daran wachsen, weil es immer wieder Reibungspunkte gibt. Ich date sehr viel und bin auch viel auf Online-Datingplattformen unterwegs, Respekt und Ehrlichkeit ist mir dabei immer wichtig. Wenn ich richtig verliebt bin, dann switcht etwas in meinem Kopf und ich will nur noch diese Frau, will sie auf Händen tragen, mit ihr wie Bonny & Clyde sein. Bis es so weit ist, komme ich auch sehr gut alleine zurecht und genieße das Leben.


Trend auch bei heterosexuellen Paaren: Pegging mit Strap-on-Dildos – wäre das etwas für euch?

Leni: Grundsätzlich bin ich offen dafür, auch mal sexuelle Erfahrungen mit einer Frau zu machen, aber mit einem Umschnalldildo würde ich da vielleicht nicht gleich beginnen (lacht).

Mohit: Ich könnte damit nix anfangen, bin da sehr verschlossen hintenrum. Da müsste ich schon sehr verliebt sein. Aber ich finde Analsex mit einer Frau auch nicht aufregend, also ich erwarte nichts von meinem Gegenüber, was ich selbst nicht auch tun würde. Ich glaube aber, dass viele Männer das gerne mal mit ihrer Partnerin ausprobieren würden, sich aber nicht trauen, weil das einen schwulen Touch haben könnte, und das ist in unserer Gesellschaft leider immer noch zu oft ein No-Go. Ich hatte früher einen Schulfreund, der sich outen wollte, es aber nicht getan hat damals, weil er Angst hatte, so kam es erst viele Jahre später dazu. Viele von uns waren früher halt homophobe Vollidioten.

 

Was macht guten Sex für euch aus?

Leni: Für mich ist es ein großer Unterschied, ob Druck da ist oder nicht. Wenn ich das Gefühl habe, es wird etwas von mir erwartet, fühle ich mich unwohl. Ich möchte nicht, dass der Partner mir Druck macht, wann ich jetzt endlich meinen Orgasmus habe, ich will mich fallen lassen können und mich nicht verstellen müssen. One-Night-Stands sind nicht mein Ding. Ich brauche eine Verbindung zu diesem Menschen. Weiters stört mich, dass weibliche Sexualität immer noch oft als etwas Schmutziges und Klischeebehaftetes dargestellt wird. Wenn du wenig Sex hast, bist du prüde, wenn du viel Sex hast, bist du eine Schlampe. Viele Frauen sind deswegen verunsichert und machen Sachen, nur um dem Partner zu gefallen. Mit dem Alter kommt meist mehr Selbstbewusstsein: sich trauen, auf die Art Sex zu haben, wie es einem selbst Spaß macht.

Mohit: Ich habe in den letzten Monaten durch den Podcast und die Gespräche mit Leni viel erfahren, was ich im ersten Moment gar nicht wissen wollte, z. B. wie oft Leni mir am Ende unserer Beziehung Orgasmen vorgetäuscht hat. Auch von Freunden weiß ich, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ich war überrascht, welchen Druck eine Frau empfinden kann, zu kommen. Daher ist meine oberste Priorität, dass wir beide eine schöne Zeit miteinander verbringen und im Bett die Dinge tun, die uns beiden Spaß machen. Und wenn wir unterschiedliche Sachen möchten, dann müssen wir offen drüber reden und einen Konsens finden, der uns beiden taugt.

 

 

"Ich war überrascht, welchen Druck eine Frau empfinden kann, zu kommen."

 

 


In eurem Podcast wird auch das Thema Feminismus niederschwellig behandelt. Wie steht ihr beide dazu?

Mohit: Das Gute an unserem Podcast ist: Wir sprechen nicht von oben herab, sondern von innen heraus. Ich werfe sehr viele Fragen in den Raum, die ich mir selbst auch stelle. Leni hat einen komplett anderen Zugang. Ich bezeichne mich selbst auch als Feminist, aber ich habe noch viel zu lernen, der Prolet in mir kommt halt auch manchmal durch. Wir verurteilen uns nicht gegenseitig für unsere Taten und Meinungen. Wir wollen das Schwarz-Weiß-Denken aufbrechen. Ich bekomme viel Feedback von Männern, die mit mir das diskutieren wollen, was sie bei uns gehört haben. Ich merke auch, dass sich bei vielen etwas löst, nachdem sie über unsere Aussagen nachgedacht und mit der Partnerin gesprochen haben.

Leni: Ich bezeichne mich auf jeden Fall als Feministin und habe mich in den letzten Jahren sehr viel mit diesem Thema auseinandergesetzt. Mir ist bewusst geworden, dass vieles – was in früheren Beziehungen bei mir schiefgelaufen ist – seinen Ursprung im Patriarchat hat, meist auf unbewusster Ebene. Mir taugt es total, mit anderen darüber zu reden, auch außerhalb der eigenen Bubble.


Gibt es peinliche oder unangenehme Erfahrungen, die ihr beim Sex bereits machen musstet?

Leni: Ich hatte mal einen Freund, der ohne ersichtlichen Grund sehr eifersüchtig war und auch immer sehr emotional wurde und geweint hat. Als ich ihn wieder mal getröstet habe, wollte er danach Sex und ich war überhaupt nicht in Stimmung, weil mich sein Verhalten verwirrt und gestört hat. Ich habe mich dann aber bemüßigt gefühlt, es doch zu tun, und danach fühlte ich mich total schlecht. Im Nachhinein kann ich es nicht fassen, was ich mir selber damit angetan habe. Deswegen ist es mir ein großes Anliegen, junge Mädchen darin zu bestärken, nur das zu tun, was sie wirklich wollen und womit sie sich wohlfühlen. Dass sie selbstbewusst genug sind, zu sagen: „Ich will jetzt nicht.“ Es liegt an uns allen, einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Mohit: Ich wünsche mir auch, wenn ich mal eine Tochter haben sollte, dass all das dann kein Thema mehr ist. Dass alle mit der eigenen Sexualität selbstbestimmt umgehen können. Deswegen kämpfe ich diesen Kampf an Lenis Seite mit. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde, war, als eine Frau, die ich zum ersten Date zu Hause hatte, mich fesseln wollte, ich hatte etwas Angst vor dem, was da kommen könnte. Sie war aber recht vorsichtig und hat sich auch immer wieder nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Ich habe es zwar mitgemacht, aber irgendwann habe ich sie dann gebeten, mich zu entfesseln. Ich fand es lustig, aber genießen konnte ich es nicht. Aber ich wollte nicht uncool sein und gleich zu Beginn einen Rückzieher machen.


Was hat es mit der Szene auf sich, in der Mohit sagt, er achtet künftig immer darauf, genügend Klopapier zu Hause zu haben?

Mohit: Das ist eine Dating-Anekdote. Ich hatte eine Frau zum zweiten Date bei mir daheim. Sie ging auf die Toilette und als ich direkt nach ihr auch dorthin musste, sah ich, dass sie sämtliche Laden und Kästen nach Klopapier durchsucht hat, und es war keines mehr da. Sehr peinlich. Wir haben beide kein Wort darüber verloren. Bevor sie ging, wollte ich noch einen Move machen und habe versucht, sie zu küssen. Doch sie gab mir eine Abfuhr und ich hab’ sie nie wieder gesehen. Ich rede mir jetzt ein, das lag am nicht vorhandenen Klopapier (lacht).


Leni & Mohit

Podcast „LG, die Ex!“

Leni:

• „I’ve got 99 problems & patriarchy is most of them“

• Gebürtige Waldviertlerin, Wahlwienerin und Wahlburgenländerin (Eisenstadt) an den Wochenenden

• Alter: 27

• Leidenschaftliche Fußballerin

• PR- und Kommunikationsmanagerin

• Herzensthemen: Intersektionaler Feminismus, Umweltschutz & Nachhaltigkeit, Anti-Diskriminierung, Anti-Hate

• Datingstatus: Polycurious (interessiert an polyamorösen Beziehungen)


Mohit:

• Bisschen Feminist, bisschen Prolet, aber immer Gentleman

• Geboren in Wien mit indischen Wurzeln

• Alter: 30

• Möchte auch wieder zu Lenis Tante im Burgenland (da gibt’s einen Pool!)

• Beruflich: die letzten Jahre in der Musikbranche, aktuell: Sabbatical

• Herzensthema: In einer scheinbar gespaltenen Gesellschaft die Kommunikation zwischen den verschiedenen Lagern zu fördern (sei es Migration, Feminismus etc.) – durch’s Reden kommen die Leit z’amm!

• Datingstatus: Wenn nicht wie Bonnie & Clyde, dann lieber allein … oder auf vielen Dates.


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