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Lifestyle | 12.08.2021

Was wirklich verbindet

Viele Jubiläen, viele Sprachen, ein Musical: Nach drei Jahren Pause zeigt die KUGA wieder eine Eigenproduktion. Bei „Odyssee21“ begegnen wir Feuereifer, Teamspirit und humorigen Anekdoten.

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© Vanessa Hartmann

Das lässt das Kulturherz hüpfen: Nach monatelanger Durststrecke füllt sich der Parkplatz der KUGA in Großwarasdorf. Menschen in Kostümen schwirren umher, Vorfreude liegt in der Luft, die letzten „Toi, toi, tois“ stechen aus aufgeregten burgenlandkroatischen Dialogen. „Ihr werdet alles verstehen“, hatte die Produktionsleiterin Jelka Zeichmann-­Kocsis im Vorfeld versprochen, als sie uns zur Generalprobe der Eigenproduktion „Odyssee21“ lud. Also: abwarten.
Wenig später wird es dunkel im Zuschauerraum, Zeichmann-Kocsis eröffnet den Abend – geladen sind zur Generalprobe die Familien der Mitwirkenden (und wir spielen kleine Maus). „Ich freu’ mich so, dass wir heute hier sind. Vor einem Monat wussten wir nicht einmal, ob wir auftreten dürfen“, sagt sie. Das Musical hat noch nicht begonnen, schon gibt’s die erste Partie Gänsehaut. Sie bedankt sich unter anderem bei den Eltern der Kinder, dass sie ihnen die Proben ermöglichten; schlaflose Nächte habe sie oft wegen all der Auflagen gehabt, gesteht sie.

 

Happy nach der Generalprobe. Christian Brieber (li.), Jelka Zeichmann-Kocsis, Claudia Fellinger und Jana Gregorich mit Ehrengast Gegi Kusztrich.


Gleich nach Weihnachten kontaktierte die beherzte Produktsionsleiterin das Ministerium. „Es hieß: Bei Professionellen ist Probenarbeit möglich; wir haben viele ausgebildete Künstler*innen dabei, also sind wir halb-professionell“, sagt sie. Mehr als 60 Menschen, darunter viele Jugendliche, wirken bei „Odyssee21“ mit, riskieren wollte man freilich nichts; das vom KUGA-Vorstand ausgearbeitete Covid-Konzept wurde akribisch befolgt. „Wir haben auf unsere Kosten 1.000 Tests gekauft und eine eigene Teststraße eingerichtet“, beschreibt sie. „Damit gehörten wir zu den ersten, die im Winter mit der Probenarbeit anfangen konnten.“


Power-Libretto

Warum man möglichst früh starten wollte, erschließt sich beim Genuss von „Odyssee21“. Mit dem Anspruch, den 100. Geburtstag des Landes gebührend zu zelebrieren, entführt die Produktion auf eine üppig bestückte Zeitreise. Verfasst wurde das Libretto vom „Kernteam“ des Musicals: Neben Jelka Zeichmann-Kocsis, im Hauptberuf Musikpädagogin an der BAfEP Oberwart, waren das die Sängerin und Kulturmanagerin Claudia Fellinger, Vetmeduni-Studentin Jana Gregorich und Grafiker und AMS-Berater Christian Brieber. Während das Quartett 1921, 1941, 1971 und 1981 beleuchtet, schrieb außerdem Franziska Kocsis eine futuristische Szene – sie reist in das Jahr 2121. Eines vorweg:  Das Musical ist sprachlich klug konzipiert, welcher „Landessprache“ man auch mächtig oder nicht mächtig ist, der Story kann man prima folgen.



Die Musik

Abgestimmt auf das Geschehen während der Zeitreise, erklingt Musik, die vielfältiger nicht sein könnte: Die Palette reicht von bewegenden Volksliedern – die Tamburica darf nicht fehlen – über kultige Rock- und Pop­hadern der burgenlandkroatischen Combos Bruji und PAX bis hin zu Gustostückerln aus Operetten und Musicals. Ein weiteres Highlight sind die Eigenkompositionen heimischer Künstler: wie beispielsweise Peter Wagners „Verhunzte Hymne“, Max Schabls „A ehrlicher Beamter“ oder Ferry Janoskas „Betschujakeri dschili“.



Impressionen Odyssee21
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Vielfalt und Farbenpracht. Mit „Odyssee21“ rast man (nicht nur) durch die burgenländische Geschichte. Das Musical ist üppig bestückt und gleichsam ein Genuss für Augen und Ohren. 

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Power-Libretto. Die Story setzt 1921 an; die Reise führt über 1941, 1971 und 1981 bis in die Zukunft 2121.

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Die Regie

Klingt nach viel? Ist es auch. Den „Schwall an Ideen und Geschichten“, wie er es liebevoll beschreibt, fassonierte ein Profi geschickt: Im Herbst vergangenen Jahres wurde Schauspieler Gegi Kusztrich ins Boot geholt. „Wir haben mit ihm als Regisseur einen Goldgriff gemacht“, sagt Jelka Zeichmann-Kocsis. Ein leichtes Spiel hatte der Mann nicht gerade, „ständig musste er mit Substituten arbeiten, bei uns hat ja jeder Tausende G’schaftl“, lacht Christian Brieber beim Plaudern nach der Generalprobe. „Ja, es kam durchaus öfter vor, dass ich viele Minuten darauf aufgewendet habe, intensiv meine Vorstellung zu einer Szene zu erklären, bis mir der Darsteller sagte: ,Du, das musst du mir nicht so genau beschreiben, ich bin nur der Ersatzmann‘“, pflichtet ihm Kusztrich schmunzelnd bei. Und doch erlebten er und seine Frau Hanni – sie machte Regieassistenz – die Arbeit „mit diesem liebenswerten Haufen“ als besonders schön.



Der Tanz

Am Feuereifer der Mitwirkenden könnte das beispielsweise liegen, die selbst nach „bestandener“ Covid-Teststraße stets eisern mit Maske probten. Sogar die schweißtreibenden Choreografien, die sie ebenso mit professionell ausgebildeten Künstler*innen auf die Beine stellten: Neben Claudia Fellinger, Mirjam Kaar und Mira Zeichmann aus dem Team gab es Support aus London: „Mit Oliver Edward haben wir schon bei früheren Musicals zusammengearbeitet; er macht tolle Choreos“, schwärmt Zeichmann-Kocsis. „Er kriegt jetzt eine Hauptrolle in ,Hamilton‘ in Hamburg.“


Die Herausforderungen

Drei Jahre waren seit der letzten großen Musicalproduktion der KUGA vergangen; „Odyssee21“ ist das vierte Stück, bei dem Erwachsene und Kinder zusammenwirken. Dem bewegenden und gleichsam pointierten Spektakel auf der Bühne ging mehr als ein Jahr Arbeit voraus. „Stunden über Stunden sind wir im letzten Corona-Sommer auf der Terrasse gesessen, um das Libretto zu schreiben“, schildern die Autor*innen. Wenngleich das Musical unterhaltsam werden sollte, wurden auch behutsam dunkle bzw. umstrittene Zeiten eingeflochten, wie beispielsweise die Volksabstimmung 1921. Eine Herausforderung war es aufgrund der historischen Ereignisse, diesmal mehr Männer als bisher zu besetzen. „Aber die Jelka ist sehr schnell beim Rekrutieren“, lacht Christian Brieber. „Da fragt sie jemanden, ob er mitmachen möchte, und während der noch überlegt, ist er schon in unserer WhatsApp-Gruppe“, lacht Claudia Fellinger. Ähnlich erging es beispielsweise Mateo Baumrock. „Er war mein Schüler in Oberwart und ich hab’ gesagt: Er muss kommen, weil er so eine schöne Stimme hat“, lacht die Produktionsleiterin. „Am Anfang war’s schon spannend, weil ich ja kein Burgenlandkroatisch kann“, schmunzelt Mateo Baumrock. „Aber ich bin trotzdem ganz schnell in die Gruppe reingekommen. Sogar sprachlich hab’ ich dazugelernt.“ – „Und wie! Bei ,Koliko smo, toliko smo‘ (Song von Bruji, Anm.) hast du schon komplett mitgesungen“, freut sich Zeichmann-Kocsis. Das sind überhaupt die schönsten Erfolge, sagt sie. Seit 25 Jahren engagiert sie sich in der KUGA für die burgenlandkroatische Kultur, „mein Zugang war immer der, dass wir die Mehrsprachigkeit, den Austausch untereinander fördern müssen“. Ein Herzensschlagwort ist für sie Nachhaltigkeit, die durch Gemeinschaftsprojekte wie Musicals gelingen kann. „Wenn man hier einmal anfängt, hört man nicht auf“, bestätigt Marco Blascetta, der mit Nikola Zeichmann für die Musikarrangements und Soundeffekte verantwortlich zeichnet. „Beim ersten Musical war ich sieben. Seither ist die KUGA für mich wie mein zweites Wohnzimmer, wenn nicht das erste.“ „Singen und Tanzen verbindet, es bringt uns mit neuen Leuten zusammen und macht uns glücklich“, sagt Jana Gregorich. Claudia Fellinger fügt hinzu: „Hier werden Erinnerungen geschaffen, die bleiben einem für immer.“


Eckdaten & Termine

Odyssee21. Die Burgenländerin besuchte die Generalprobe der mehrsprachigen KUGA-Musicalproduktion anlässlich 100 Jahre Burgenland, 40+ Jahre PAX und 40 Jahre Bruji.


Weitere Termine sind:

• Premiere: 27. August, 19.30 Uhr

• 28. August, 19.30 Uhr

• 29. August, 16 Uhr

• 3. September, 19.30 Uhr

• 5. September, 16 Uhr


Karten: € 20 bis € 25, Kinder 4 bis 14: € 10 – Infos und Reservierungen via www.kuga.at


Außerdem empfehlenswert:

Festival „Croatisada Open Air“ am 2. und 3. Juli mit Harri Stojka Express, Krowodnrock Allstars, Die Kardinalschnitten, Voodoo Jürgens & Die Ansa Panier, Gewürztraminer u. a.

 

Fotos Vanessa Hartmann