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Lifestyle | 18.11.2021

Räuchern: magische Momente für die Seele

Früher als spirituelles Ritual der Esoteriker belächelt, heute allgegenwärtiger Trend: das Räuchern. Wir sprechen mit Expert*innen, wie es funktioniert und was es bewirken kann.

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© Shutterstock

Das Räuchern hat eine Tradition, die so alt ist wie die Menschheit selbst, und war über Jahrtausende ein wichtiger Teil des menschlichen Lebens. Es diente der atmosphärischen Reinigung und Desinfektion von Wohnräumen und Häusern, aber auch zur Parfümierung von Kleidern und Körpern, zur Stärkung und Anregung der körperlichen Lust sowie zur Stärkung der spirituellen Energie bei Meditation und Gebet. In vielen Kulturen gehört es heute noch zum Alltag. In Indien beispielsweise steht vor nahezu jedem Haus ein Gefäß oder eine Figur mit Räucherstäbchen, die den ganzen Tag über glosen.
In der westlichen Welt wurde das Räuchern lange Zeit ins esoterische Eck gestellt und belächelt. Seit einigen Jahren wurde der Trend zur archaischen Besinnung wieder stärker und spätestens mit Corona und den Lockdowns kam ein Schub in Sachen Rückbesinnung, In-sich-Kehrung und Achtsamkeit in die Gesellschaft, womit das Räuchern einen neuen Aufschwung erhielt.  


Gegen Dämonen und Geister

Die sogenannten Raunächte (die letzten sechs Tage des alten und die ersten sechs Tage des neuen Jahres, also von 26. Dezember bis 6. Jänner) wurden früher in unseren Breitengraden dazu genutzt, die Häuser und Ställe gegen Dämonen und Geister auszuräuchern und zu reinigen. Auch im Christentum wurde geräuchert – die katholischen Gottesdienste sind bis heute untrennbar mit dem Duft von Weihrauch verbunden. Doch abgesehen vom sakralen Touch ist Räuchern in der heutigen Zeit auch eng mit Meditation, Yoga und Spiritismus verbunden. Dabei ist es eine der individuellsten Formen der Achtsamkeit, die jeder ausüben kann – auf seine eigene Art und Weise. Zum Räuchern werden getrocknete Pflanzen und Pflanzenteile wie Harze, Balsame, Hölzer, Rinden, Blätter, Nadeln, Wurzeln, Blüten und Kräuter verwendet, die in einem feuerfesten Räuchergefäß auf spezieller Räucherkohle oder über einem feinmaschigen Sieb auf Stövchen langsam verglühen.

Mit Räucherexpertin Ursula Forster, Räucherwerk-Hersteller Josef Bitto und seiner Lebensgefährtin Barbara Deutsch fanden wir in Lockenhaus die perfekten Ansprechpartner für alles rund um das rauchige Thema.


Räuchern wird immer stärker zum Trend. Jemand, der es noch nie gemacht hat, weiß vielleicht nicht, wie er es angehen soll. Was empfehlen Sie und was bedeutet es für Sie?

Josef Bitto: Zunächst ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Räuchern kein steifes Ritual ist. Es geht um einen selbst und sein persönliches Umfeld. Welche Gedanken habe ich, was möchte ich ändern, wofür bin ich dankbar?

Ursula Forster: Ich räuchere seit über 20 Jahren regelmäßig, egal ob zu Hause, im Büro oder auf Reisen. Es ist wie eine kleine Meditation. Einerseits bedanke ich mich für Schönes, das mir widerfahren ist, andererseits reinige ich mich und meine Umgebung von negativen Vibes.

Barbara Deutsch: Das Hausräuchern ist etwas, das viele Menschen interessiert. Ich war überrascht, wie viele meiner Freund*innen räuchern, und ich wusste das nicht einmal. Das war spannend. Oder meine Freundin, die Oberärztin in der Psychiatrie ist, räuchert regelmäßig selbst auf der Station. Sie ist 33 – ich sehe immer mehr junge Menschen, die sich auf diese alte Tradition rückbesinnen.

Impressionen
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Räucherexpertin Ursula Forster bei einer Räucherung auf einer ihrer vielen Reisen

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Vor allem das Räuchern in den zwölf Raunächten (26.12. – 6.1.) ist bei vielen ein beliebtes Ritual, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen.

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Die Räucherexpert*innen Ursula Forster, Josef Bitto und Barbara Deutsch

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Hausräucherungen können ganz einfach selbst durchgeführt werden.

Beispiel Hausräucherung – jeder hat in seiner Wohnung oder in seinem Haus bereits negative Gefühle und Erfahrungen gemacht. Wie neutralisiere ich diese?

Ursula: Man kennt die eigene Wohn­umgebung am besten. Wo gibt es Plätze, wo man sich nicht so wohlfühlt, wo man schwer drüberkommt, wo immer etwas liegen bleibt? In welchem Raum gibt es oft Streit oder negative Gefühle? Diese negativen Energien können sich ablagern und führen dann zu Blockaden, zu einem Unwohlgefühl. Die Kunst des Räucherns ist die Anbindung an das Feinstoffliche und ich kann sagen, ich möchte diese Blockaden lösen und die negativen Energien ausleiten. Zur Reinigung nimmt man am besten getrockneten weißen Salbei. Kampfer ist stark neutralisierend – man kann es auch in Kombination verwenden.

 

Wie gehe ich da am besten vor?

Ursula: Ein Stück Kohle auf Sand in einer feuerfesten Schale anzünden und weiß werden lassen oder ein Stöv­chen mit Sieb und Teelicht hernehmen. Dann das Räucherwerk drauflegen und im Uhrzeigersinn durch die Räume gehen, dabei auch die Ecken gut beräuchern, die Kästen öffnen und geöffnet lassen und den Rauch mit einer Feder oder der Hand im Raum verteilen. Die Fenster können dabei geöffnet sein, um die negativen Energien sofort auszuleiten. Dazu spreche ich meine Wünsche aus und formuliere diese positiv: Ich bitte darum, dass die negativen Energien den Raum verlassen und nur das Positive bleibt. Jeder kann hier selbst bejahende Sätze formulieren, je nach seinen Wünschen. Dazwischen immer wieder Räucherwerk nachlegen, wenn der Rauch nachlässt. Nach dem reinigenden Räuchern mit Salbei und/oder Kampfer kommt dann das belebende Räuchern. Dazu gibt es fertig gemischte Räucherwerke wie z. B. den Haus­segen. Mit diesem dann nochmal durch das Haus gehen und die positiven Kräfte um Unterstützung bitten.


Welche Erfahrungen waren Ihre prägendsten zum Thema Räuchern?

Ursula: Bevor ich aus meinem Berufsleben ausgestiegen bin, habe ich eine Beratungsstelle für Frauen und Mädchen geleitet. Wenn ich Verhandlungen mit meinen Geldgebern hatte, habe ich vorher geräuchert. Ich habe um Kraft gebeten, diese Menschen zu überzeugen, dass wir mehr Förderungen erhalten. Wir sollten nicht immer nur das Negative wegmachen wollen, sondern auch das Positive feiern. Deswegen räuchere ich auch gerne nach einem gelungenen Tag, um mich zu bedanken. Ich habe auch schon auf Hochzeiten auf Wunsch des Brautpaares geräuchert, das war ein besonderes Erlebnis für die ganze Hochzeitsgesellschaft.


Es gibt Räuchermischungen für alle Lebenslagen. Ich sehe hier Mut, Selbstvertrauen, Veränderung, Liebeslust etc. – kann ich solche Mischungen auch selbst herstellen?

Josef: Natürlich. Es können auch heimische Kräuter gesammelt, getrocknet und geräuchert werden. Wir beziehen die Rohstoffe, die es bei uns nicht gibt, aus anderen Kontinenten und stellen diese Mischungen speziell für die Leute zusammen, die selbst nicht die Erfahrung und Zeit haben. www.bitto.at


Workshop Hausräucherung

  • Fr., 3. Dezember, 16 bis 17.30 Uhr
  • Sa., 4. Dezember, 16 bis 17.30 Uhr

Jahreswechsel, Umzug in Haus oder Wohnung, Geburt, Trauer … eine energetische Reinigung von Gebäuden, Räumen und Gegenständen kann jederzeit gemacht werden. Durch dieses uralte Räucherungsritual und dessen geschichtlichen Hintergrund führt Sabine Rueland vom Yogastadl in Kooperation mit Bitto.

Wo: Turmzimmer, Wiener Straße 3, 7442 Lockenhaus

Dauer: 1,5 Stunden

Kursbeitrag: 30 Euro inkl. 5 Euro Gutschein für Räucherwerk oder Zubehör von Bitto.

Teilnehmeranzahl: 8

Anmeldung unter [email protected] oder [email protected]

Zur Stärkung zwischendurch gibt es Kaffee, Tee und kleine weihnachtliche Köstlichkeiten.

Der Workshop findet unter Einhaltung der aktuell gültigen Covid-19-Regelungen statt.