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Lifestyle | 29.11.2021

Liebes Jahr 2021!

Editorial unserer Chefredakteurin Nicole Schlaffer

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CR Nicole Schlaffer © Vanessa Hartmann

„Ich entscheide mich dafür, die Spaltung nicht mitzumachen.“

 

Ich habe damals – vor ziemlich genau einem Jahr – so viele Erwartungen in dich gesetzt: ein besiegtes Coronavirus, eine aufblühende Wirtschaft, ein uneingeschränktes Sozialleben. Mit viel Getöse gehst du nun zu Ende und versetzt uns wieder in einen Zustand der Auszeit. Du hast uns gespalten, uns in Covidioten, Wirrologen und Impfheilige aufgeteilt. Und wir haben dies zugelassen, es sogar noch forciert. Unsere gierigen Finger klammerten sich so fest an die Erwartungen in dich, dass wir nun am Ende enttäuscht zurückbleiben, uns gegenseitig beschimpfen und „die anderen“ für unsere Misere verantwortlich machen.
Der Politik werfen wir Versagen vor, das Expertentum und die Wissenschaft untergraben wir, denn heute wollen wir alle Experten sein und dies lautstark und viral kundtun, aber – unter uns gesagt – in Wahrheit kennt sich keiner mehr aus, nur gibt’s niemand zu.  All diese Umstände sollen uns verzweifeln lassen, vielleicht ist das deine Intention. Aber ich muss dich enttäuschen, denn ich entscheide mich täglich dafür, einen Schritt auf meine Mitmenschen zuzugehen, anstatt mich von ihnen zu distanzieren. Ich entscheide mich dafür, die Spaltung nicht mitzumachen. Die besten Partys sind immer die, die ungeplant entstehen – egal ob es regnet oder die Sonne scheint. Deshalb setze ich in deinen Nachfolger keine großen Erwartungen, sondern übe mich in Akzeptanz und Gelassenheit. Vielleicht erlebe ich ein Wunder, aber ohne Erwartungen werde ich zumindest nicht enttäuscht. Deshalb verabschiede ich mich von dir mit dem schönen Satz von Karl Valentin: „Ich freu mich, wenn’s regnet, weil wenn ich mich nicht freu, regnet’s auch.“

Nicole Schlaffer

Chefredakteurin BURGENLÄNDERIN

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© Shutterstock