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Lifestyle | 19.04.2022

Der Kunst ein Zuhause geben

Mario und Ulli Müller wollen die Cselley Mühle neu beleben und haben sich in ihrem Garten ihr eigenes Kunsthaus geschaffen. Nach dem Verkauf des Familyparks hat das Unternehmer-Ehepaar seine neuen Projekte lieb gewonnen.

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Ein architektonisches Juwel im Garten: Das private Kunsthaus dient als Zuhause für einen Teil der Kunstsammlung. © Lukas Hüller

Wir sitzen in einem beeindruckenden Gebäude, das genauso gut in einer Kunstmetropole wie New York, Paris oder London stehen könnte. Die Architektur erinnert an einen Stadel, neu und modern interpretiert. Die lange Holztafel mit gemütlichen Kuschelstühlen ist umgeben von Kunst der berühmtesten österreichischen Künstler: unter anderem Gottfried Helnwein, Hermann Nitsch, Elena Steiner, Gunter Damisch, Hubert Scheibl, Anton Christian und Martin Schnur. Die Kunst im Kunsthaus von Mario und Ulli Müller in Siegendorf transportiert verschiedenste Emotionen: Empörung, Aufregung, Betroffenheit, aber auch Sympathie und Gesellschaftskritik. Die Auswahl der gezeigten Werke ist tiefgründig und stellt nur einen kleinen Teil der Kunstsammlung von Mario Müller dar. Das Paar sitzt mir gegenüber und plaudert gelassen und in sich ruhend über ihre zukünftigen Projekte im Bereich der Kunst und vor allem auch über die Neu-Interpretation der Cselley Mühle. Während ihr neu errichtetes Kunsthaus auf ihrem Grundstück in Siegendorf nur für Privatveranstaltungen zugänglich bleibt, wollen sie mit der Cselley Mühle den Kulturtourismus revolutionieren.


Im Mai letzten Jahres ist euer Kunsthaus hier in Siegendorf fertig geworden – was war die Intention dahinter?

Mario: Ich bin seit fast 30 Jahren leidenschaftlicher Kunstsammler. Nachdem wir den Familypark verkauft haben, konnte ich mich wieder mehr meiner Leidenschaft widmen und habe mir überlegt, wie ich einige meiner gesammelten Werke in einem ansprechenden Raum präsentieren kann. Ich wollte einem Teil meines Kunstbesitzes ein Zuhause geben. Dass wir das unmittelbar neben unserem Wohnhaus machen, war für mich naheliegend, da das Grundstück bzw. der Garten groß ist. Die Begeisterung für Kunst ist hier für jeden spürbar, der hereinkommt.

Ulli: Für mich war die Zeit unmittelbar nach dem Verkauf des Familyparks sehr ungewohnt. Mein Aktivitätslevel fiel von 300 Prozent auf null. Die Gäste, das Personal, die Wertschätzung, die Geschäftigkeit – all das hat mir gefehlt. Ich war 36 Jahre lang fast täglich im Betrieb. Wir haben dann zwar in der ersten Zeit nach dem Verkauf viel nachgeholt, sind viel gereist, aber die Aufgabe hat mir gefehlt. Daher freue ich mich umso mehr, dass wir die Cselley Mühle erwerben konnten. Nun widme ich mich mit voller Energie diesem neuen Projekt.

 

Ulli und Mario Müller gehen ihre neuen Projekte mit Leidenschaft und Enthusiasmus an. © Lukas Hüller

 


Und damit habt ihr ja einiges vor. Was wird die Gäste in der neuen Cselley Mühle erwarten?

Ulli: Das schöne, denkmalgeschützte Gebäude ist wundervoll, doch es muss von Grund auf saniert werden. Sämtliche Kanäle, Wasser- und Stromleitungen müssen erneuert werden, ebenso wie die Gebäudestruktur. Wir wollen modernisieren und einen neuen Touch hineinbringen, ohne das alte Mü’-Flair zu verlieren. Es soll weiterhin ein Zentrum für Familien sein, für alle Altersschichten, von den Jungen über Familien bis hin zu Erwachsenen, die gut essen wollen und kunst- und kulturinteressiert sind. Weder die Jugendlichen noch die Tamburizza-Gruppe muss sich fürchten, dass die Mühle für sie in Zukunft keine Heimat mehr ist. Wir wollen alle Alters- und Gästeschichten mit unterschiedlichen Konzepten ansprechen.

Mario: Wir möchten die Gäste auch animieren, länger zu bleiben. Deshalb werden wir das angrenzende Areal touristisch nutzen und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. In der ersten Bauphase werden sieben Mühlen-Chalets entstehen, die Nachfrage ist jetzt schon groß. Insgesamt sollen es in den nächsten Jahren 30 Chalets werden. Für Kinder wollen wir Erlebnisse wie Streichelzoo, Abenteuer- und Wasserspielplätze kreieren. Sepp Laubner hat schon zu seinen Lebzeiten mit mir verhandelt und wollte mir die Mü’ übergeben. Er wusste, dass sie bei uns in guten Händen sein wird. Ich sehe das als Auftrag, die Mü’ weiterzuentwickeln, zu restaurieren. Wir möchten den Spirit weitertragen, aber adaptiert auf die Jetztzeit.

 

© Lukas Hüller

 


Ihr selbst habt auch drei Kinder. Sind diese auch kunstbegeistert?

Ulli: Mario ist der Kunstexperte in der Familie. Ich bin eher die Kunstgenießerin, und wenn ich seine Begeisterung beim Kauf eines Kunstwerks sehe, freue ich mich mit ihm. Ähnlich ist es bei den Kindern. Unsere Tochter Celina ist 16 und sehr kritisch, sie interessiert sich auch für die Kunst, die ihr Vater sammelt. Unser mittlerer Sohn Julian ist Musiker und durch die Liebe zur Musik steht auch die Kunst etwas im Fokus. Unser Großer, Dominik, ist eher der technische Typ. Er hilft mit, wo er nur kann, und Kunst gefällt ihm, aber er hat eher andere Talente und Interessen.

Mario: Es prägt die Kinder natürlich. Wir haben immer sehr viel Kunst zu Hause gehabt, es gibt keine weißen Wände bei uns. Die Skulpturen von Walter Moroder waren zwar manchmal für die Kinder ein bisschen spooky, weil die in Lebensgröße bei uns überall im Haus verteilt waren. Aber unsere Tochter hat dann begonnen, sie mit Hüten und Sonnenbrillen zu dekorieren (lacht).

 

© Lukas Hüller

 


Auch bei euren Projekten bezieht ihr die Meinung eurer Kinder immer mit ein. So auch bei der Cselley Mühle. Wie weit ist der Umbau und euer Konzept bereits fortgeschritten?

Mario: Wir haben es immer so gehalten, dass wir bei all unseren Projekten die Meinung der Familie und vor allem der Kinder gehört haben. Wir sind gerade dabei zu evaluieren, ob wir die Eröffnung im Sommer wirklich durchführen und schon mit Festen oder kleinen Veranstaltungen beginnen können. Durch die Krisen gibt es Lieferverzögerungen in allen Bereichen. Aber das Kernteam für die künftige Mühle steht bereits, sowohl Konzepte für die Veranstaltungen als auch für die Hotellerie und Gastronomie. Insgesamt werden wir dann zwischen 30 und 40 Mitarbeiter*innen beschäftigen.

Ulli: Wir wollen die Jungen mit im Boot haben. Der Jugend den Raum geben, den sie braucht. Das schreiben uns unsere Kinder auch vor (lacht). Ihre Meinungen sind uns wichtig, sie bringen uns auf Ideen. Wir erinnern uns gerne an unsere Jugend, waren auch viel auf Festivals unterwegs. In den letzten zwei Jahren haben es die Jugendlichen ohnehin schwer gehabt.Unser Ziel ist, Kunst und Musik mit Kulinarik zu verbinden, das fehlt uns bisher hier in der Region. Und dabei sind wir perfektionistisch und wollen alles nach unseren persönlichen Ansprüchen gestalten. Daher wird es noch etwas dauern, bis wir eröffnen können, weil wir den Gästen von Beginn an keine Baustelle zeigen wollen. Die behutsame Restaurierung braucht Zeit und die müssen wir ihr gewähren, auch wenn ein Jahr ohne Mü’ weh tun würde. Aber vielleicht können wir die Zeit mit ein paar Pop-up-Veranstaltungen überbrücken.

Mario: Der englische Galerist Nick Treadwell wird auch ein Patron der neuen Mühle sein. Mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung und seiner Kunstsammlung wird er die Szene hier stark bereichern. In der Mü’ kann man auch ein bisschen verrückter und schräger sein als anderswo.

www.cselley-muehle.at