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Lifestyle | 20.01.2023

Erlebnisse & Alltag …

… mit einem herztransplantierten Lebensmenschen. Ein persönlicher Brief, verfasst von einer Familien­mutter aus dem Nordburgenland.

Bild 2212_B_EM_Herzbrief.jpg
© Shutterstock

Wir erleben als Familie diese Erfahrung, die uns demütig macht.
Mein Mann war ein typischer Kandidat für einen Herzinfarkt! Raucher, Dauerstress im Beruf und im privaten Alltag, ständig im Auto unterwegs, kaum sportliche Aktivität und ungesunde Ernährung.

Anfangs konnten wir das Ausmaß seines Herzinfarktes nicht einschätzen, aber sehr schnell wurde aufgrund ärztlicher Information klar, dass sein Herz eine ziemlich große Narbe erlitten hatte und damit auf Dauer den Körper nicht ausreichend versorgen kann. Meinem Mann ging es ab diesem Zeitpunkt vier Jahre lang (bis zur Genesung nach der Transplantation) psychisch und physisch nicht gut. Und es war ein langer, schmerzvoller Weg:

In der Erstversorgung wurden Stents und bald danach ein Herzschrittmacher eingesetzt. Knapp unter der Haut, oberhalb des Herzens. Man kann das Ding spüren! Expert*innen sagen, dass der Patient Abstand zu strom­intensiven Geräten und Leitungen (Handymasten, Stromleitungen, Mikrowelle etc.) halten soll.

Der nächste medizinische Eingriff war das Einsetzen eines Kunstherzes. Es war die erste von zwei großen, mehrstündigen Operationen. Damals hatte er nach der OP ein schlimmes Delir (= Delirium, aktue Bewusstseinsstörung, also Wahnvorstellungen: Er sah grausliche Gesichter und glaubte, das Versorgungsteam möchte ihm Schlechtes antun).

Was ist ein Kunstherz? Dabei wird am Herzen eine Pumpe implantiert, die mit Akkus, die der Patient in einer Tasche außerhalb des Körpers Tag und Nacht trägt, versorgt wird. Ein Schlauch führt vom Herz über den gesamten Bauchraum bis zum gelegten Ausgang. Dieser Ausgang ist eine offene Wunde und muss ständig steril versorgt werden. Alle zwei Tage war der Verbandswechsel fällig: sterile Vorbereitung von Oberflächen, Schutzkleidung, eigenes steriles Verbandsmaterial vom Bandagisten und Entspanntheit waren oberstes Gebot.
Teppiche und andere Staubfänger hatten wir schon vorher entfernt.
Nur zwei Mal hat das Ding nachts gepiepst, weil der Akku leer war. Gute Vorbereitung macht’s aus!

Jetzt geht’s los! Du bekommst ein neues Herz!
Spenderorgane werden über die Stiftung Eurotransplant zugeteilt, die in acht europäischen Ländern organisiert ist. Man erfährt aus Datenschutzgründen den Namen des Spenders/der Spenderin oder seiner/ihrer Familie nicht. Den Transport übernehmen Ärzt*innen, die das Organ am Abholort untersuchen und beim Transport in Spezialboxen überwachen.

Um 21 Uhr abends kam der Anruf: ein passende Herz wurde gefunden, in 30 Minuten würde mein Mann vom Rettungsdienst geholt werden. Am nächsten Tag hat man ihm ein fremdes, gesundes Herz im AKH transplantiert. Nach dieser OP hatte er zum Glück kein Delir. Einen Wermutstropfen gibt es: die Notwendigkeit der Einnahme von einer Menge unterschiedlichster Medikamente, die einerseits ihren Zweck erfüllen, aber auch Nebenwirkungen haben.

Mein Mann hat sich sehr gut erholt, ein Fremder würde ihn nicht als herztransplantierte Person einschätzen. Heute genießen wir unser Leben als Familie und mit Freunden fast wieder so wie vor der Herzerkrankung, falls Covid uns keinen Strich durch die Rechnung macht.