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Lifestyle | 29.10.2014

Wenn der Harn drängt

Harnwegsinfekt (langläufig als Blasenentzündung bekannt) und Harninkontinenz sind nach wie vor Tabuthemen. Das muss jedoch nicht sein, denn die richtige Therapie verspricht gute Heilungschancen.

Text: Sabrina Naseradsky, Fotos: Emmerich Maedl, Fotolia


Rund 80 Prozent aller Frauen leiden mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung. Diese bedeutet eine starke Einschränkung der Lebensqualität, äußert sich dies doch durch einen ständigen Harndrang, stechenden Schmerz beim Wasserlassen und manchmal auch Urin im Blut. Gerade der ständige Harndrang mit kaum Harn und Brennen in der Harnröhre und dem Unterbauch bedeuten für viele Betroffene einen hohen Leidensdruck. Ein klassischer Harnwegs­infekt liegt dann vor, wenn einer der ab­leitenden Harnwege wie Harnleiter, Harnblase und Harnröhre entzündet sind. Eine Blasenentzündung sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn unbehandelt kann sich diese zu einer Nierenbeckenentzündung entwickeln. In den meisten Fällen ist eine Blasenentzündung eine bakterielle Infektion. Diese wird von E-Colibakterien die aus dem Darm stammen verursacht. Bei Frauen in der Menopause kann eine Blasenentzündung vermehrt auftreten, da sich durch den Östrogenmangel ihr Scheidenmilieu verändert. Und dieses hängt auch mit einer gesunden Blase zusammen. Generell lassen sich Blasenentzündungen gut behandeln und heilen auch mit der richtigen Therapie ohne Folgen ab. Dennoch kann diese Erkrankung auch chronisch auftreten. Frauen sind von dieser Erkrankung aufgrund ihrer Anatomie häufiger betroffen. Denn die weibliche Harnröhre mündet im Gegensatz zu der des Mannes relativ nah am Anus und ist zudem wesentlich kürzer. Das erleichtert den Bakterien den Weg in die Harnblase. Auch erhöhte sexuelle Aktivität kann zu Blasenentzündungen führen. Es wird vermutet, dass die mechanischen Reizungen der Schleimhäute den Weg der Bakterien beschleunigen. Wer über eines der bereits beschriebenen Symptome bemerkt sollte einen Arzt aufsuchen, der den Harn auf Bakterien testet. Ist der Test positiv wird eine Behandlung mit Antibiotika begonnen, die meist bereits nach kurzer Therapie erste Erfolge zeigt. Dennoch ist es ratsam, das Antibiotikum drei bis fünf Tage bzw. nach Vorgabe des Arztes einzunehmen. Dazu empfiehlt es sich viel zu trinken, um die Blase durch die Entleerung gleichzeitig zu reinigen. Es gibt in jeder Apotheke spezielle Blasentees, die geeignet sind, aber auch hochkonzentrierte Preiselbeersäfte und Wasser sind ideal. Eine klassische Blasenentzündung geht selten mit Fieber einher. Sollte dennoch Fieber auftreten, ist es ratsam, noch einmal den Arzt aufsuchen. Neben der Blasenentzündung ist auch die Harninkontinenz ein häufig auftretendes und verschwiegenes Problem.

Nicht haltbar

Plötzlich und unkontrolliert auftretender Harndrang wird langläufig als Harninkontinenz bezeichnet. Davon sind rund eine Million Menschen in Österreich betroffen. Dennoch ist Inkontinenz ein nach wie vor sehr tabuisiertes Thema, das viele Betroffene in die soziale Isolation treibt. Betroffen kann man in jedem Lebensalter sein, obwohl die Zahl der Neuerkrankungen mit dem Alter steigt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Unterschieden wird zwischen Belastungs-, Drang- und Überlaufinkontinenz. Wichtig ist vor allem die Diagnostik. Dazu ist es ratsam, ein Blasen-Tagebuch zu führen, dadurch erhält der Arzt einen guten Überblick. Hier empfiehlt sich, einen Facharzt aufzusuchen. Je nach Form der Inkontinenz empfehlen sich unterschiedliche Behandlungsmethoden. Bei Belastungsinkontinenz, die durch eine Druckerhöhung im Bauchraum durch z. B. Lachen, Husten, Niesen oder Heben von schweren Gegenständen gekennzeichnet ist, hat sich Beckenbodentraining als wirkungsvolle Therapie erwiesen. Dranginkontinenz wird mit verschiedenen Formen des Blasentrainings sowie Medikamenten therapiert. Bei der Überlaufinkontinenz wird als erste Maßnahme die Entleerung der übervollen Blase mit Hilfe eines Katheters vorgenommen. Man kann jedoch auch im Vorfeld Harninkontinenz vorbeugen. Dazu sind körperliche und geistige Fitness essenziell. Zudem sollte früh mit Beckenbodentraining begonnen werden und bei den ersten Anzeichen einer Inkontinenz, auch wenn es nur ein paar Tropfen sind, ­einen Arzt aufsuchen. 

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»Sowohl bei der Frau als auch beim Mann ist Harninkontinenz durch einen Facharzt (Urologen) sehr gut behandelbar. Aufgrund der modernsten Entwicklungen in den letzten fünfzehn Jahren sind wir heute imstande, das Problem Inkontinenz sehr gut zu heilen.« 

Univ.-Doz. Dr. Gerhard Theyer, Facharzt für Urologie


8 Tipps gegen Blasenentzündung

  1. Viel trinken: Denn durch häufige Blasenentleerung spült diese durch und verhindert das Ansiedeln von Bakterien. Am besten eignen sich Tees und Wasser. 
  2. Präparate aus Preiselbeeren eignen sich sehr gut zur Vorbeugung, da sie ein saures Milieu in der Blase schaffen und dieses mögen Bakterien nicht.
  3. Die richtige Hygiene: Frauen sollten sich nach dem Gang zur Toilette immer von vorne nach hinten reinigen. So haben E-Colibakterien keine Chance. 
  4. Übertriebene Intimhygiene sollte vermieden werden, denn eine intakte Scheidenflora trägt auch zur Blasengesundheit bei. 
  5. Nasse Badekleidung immer sofort wechseln. 
  6. Das Sitzen auf kalten Stühlen oder Gegenständen sollte vermieden werden.
  7. Füße und die Nierengegend sollten immer warm gehalten werden. 
  8. Geschlechtsverkehr: Dannach ist eine sofortige Blasenentleerung ratsam. Auch sollte danach viel getrunken werden, um die Blasentätigkeit anzuregen.